Kantorei Bad Ems zeigt mit Musicalischen Exequien Trost der Musik

thumb_1a-eulebe214pfeifen_becrima-BAD EMS. (5. Dezember 2017) Ein besonderes Konzert konnten die Besucher in der evangelischen Martinskirche Bad Ems erleben. Ganz der Thematik des zu Ende gehenden Kirchenjahres gewidmet, erschloss das musikalische Programm der evangelischen Kantorei Bad Ems unter der Leitung von Dekanatskantor Ingo Thrun den Zuhörern auf eindrucksvolle Weise die tröstende Kraft der Musik angesichts von Leiden und Sterben.

Das einzige von Martin Luther erhaltene mehrstimmige Chorwerk über seinen Wahlspruch aus dem Psalter „Non moriar sed vivam“ bildete den Auftakt zu einer Entdeckungsreise der Chormusik im leidgeprüften 17. Jahrhundert mit seinen kriegerischen Auseinandersetzungen und deren katastrophalen Folgen. Umso erstaunlicher die qualitätsvolle Produktivität der Komponisten, allen voran Heinrich Schütz, der unter anderem mit zwei Motetten aus seiner „Geistliche Chormusik“ aus dem Friedensjahr 1648 in der Kirche vertreten war.

„Ruf und Antwort“, so wollte der musikalische Leiter des Nachmittags, Dekanatskantor Ingo Thrun, die Programmfolge untertitelt wissen, waren doch gleich mehrere Kompositionen in mehrmanualiger Anlage konzipiert, wie die Echo-Fantasie von Samuel Scheidt oder das Praeambulum von Heinrich Scheidemann, beides Vertreter der hochentwickelten norddeutschen Orgelkunst des 17. Jahrhunderts. Auch die doppelchörige Anlage der Motette „Herr, wenn ich nur dich habe“ verleugnet nicht ihre Herkunft aus der venezianischen Tradition der auf kolossale Raumwirkung zielenden Mehrchörigkeit.

Hervorzuheben ist vor allem die sängerische Leistung der 17 Mitglieder zählenden Evangelischen Kantorei Bad Ems, die sich nicht nur in den Schütz- Motetten, sondern vor allem in den komplexen Sätzen der „Musicalischen Exequien“ zeigte, die Dekanatskantor Martin Samrock begleitete. Dabei handelt es sich um eine dreiteilige Begräbnismusik für Schütz‘ Landesherrn Heinrich Posthumus Reuß aus dem Jahre 1636. Klangfülle und Plastizität zeichnete den Klang über das gesamte Werk aus sowohl des Chores als auch der aus den Reihen der Sängerinnen gewonnenen Solistinnen Manuela Kühnau, Ulrike Matzat und Martina Griese. Mit dem Schlussteil der Exequien, dem Lobgesang des Simeon, bei dem sich der himmlische Chor auf einer der Seitenemporen über dem irdischen Chor mit engelsgleichem Gesang erhob, entließen die Musizierenden die dankbaren Zuhörer in den Abend.