Bilder aus dem Herzen bewegen die Herzen

thumb_1chagpub0408athumb_1chagalbildbetrRHEIN-LAHN/LAHNSTEIN. „Wenn ich aus dem Herzen heraus arbeite, gelingt fast alles“, hat Marc Chagall gesagt. Aus dieser Überzeugung berühren die Werke des Malers in dieser Woche die Besucher in der Lahnsteiner Stadthalle und machen das trübe April-Wetter vergessen. 70 Original-Lithographien und Kunstdrucke aus dem Werk des russischen Künstlers, der im französischen Vence neue Heimat fand, sind bis Sonntag, 27. April dort zu sehen. Chagalls malerische Bibel-Übersetzungen gewähren tiefe Einblicke und Ansichten in und über sein eigenes Leben und das des Betrachters.

Nach dem strahlenden Blau, Gelb und Rot Marc Chagalls sehnen sich dieser Tage wohl viele Menschen, denn der kleine Saal in der Lahnsteiner Stadthalle ist zu klein, um den 150 Besuchern der Ausstellungseröffnung einen Platz zu bieten. In etwa einem Drittel seiner Werke hat Chagall biblische Erzählungen illustriert. 1956 setzt er das Alte Testament in 105 Radierungen und 48 Lithographien um.

thumb_1chagsaaleberhardtthumb_1chagburkinaEin Großteil dieser Werke von der Schöpfungsgeschichte und der Vertreibung aus dem Paradies über Abraham, die Erzählungen über Hiob, Jakob, David bis zu den Propheten ist in Lahnstein zu sehen, auch eine Steinplatte, die zur Technik der Lithographie eingesetzt wird. Das evangelische Dekanat Nassau und die evangelischen Kirchengemeinden Nieder- und Oberlahnstein unter Mitwirkung des Partnerschaftskreises Vence ermöglichen die Begegnung und Heiner Eberhardt erschließt zur Ausstellungseröffnung und in Führungen brillant die einzelnen Bausteine, Details und Bekenntnisse von Leben und Werk des 1887 in Russland geborenen Künstlers, in dem sich Erfahrungen und Sehnsüchte der Besucher widerspiegeln können.

Das Abbilden der Realität untersagte dem jüdischen Künstler der Glaube. Das umgeht er etwa durch anatomische Unmöglichkeiten. 1941 zieht Chagall nach Paris, findet während des Zweiten Weltkriegs Zuflucht im amerikanischen Exil, kehrt 1947 nach Frankreich zurück und gründet 1950 im südfranzösischen Saint-Paul-de-Vence, der Partnerstadt Lahnsteins, eine neue Heimat.

thumb_1chagheimatenklEberhardt arbeitet anschaulich die Details und Feinheiten, die Verwendung von Metaphern in Chagalls biblischen Werken heraus, die sich beim reinen Betrachten kaum erschließen. Die Gegenüberstellung von alter und neuer Heimat in einer Stadtansicht, die sich im Meer spiegelt, von schöner Erinnerung, die schärfere Konturen hinterlässt als die Gegenwart.thumb_1chagdavidkl Ein anderes Bild zeigt die Verarbeitung von Trauer über den Tod der geliebten Frau. Eberhardts Beschreibung des doppelten Gesichtes, ein Bild, mit dem Chagall die Geschichte von „David und Bathseba“ aus dem Buch Samuel übersetzt, wird zur eindrucksvollen Schilderung menschlicher Empfindungen und Erkenntnisse zwischen Schuld, Buße und Erlösung, die in Gesichtern, Farbgebung und Symbolen zum Ausdruck kommt.

Auch Chagalls Glaubensbild kommt im Vortrag immer wieder zur Geltung. 500 Bibelbilder finden sich im französischen Nationalmuseum „Biblische Botschaft“ in Nizza, Chagalls größte Fensterbilder in der katholischen Stephanskirche in Mainz, die er mit über 90 Lebensjahren noch schuf, bevor er 1985 starb. Eine Überzeugung des Künstlers: „Wenn die Menschen aufmerksamer die Bibel lesen würden, fänden sie dort die Schlüssel zum Leben.“

Über die Werke Chagalls liest sie sich jetzt in Lahnstein noch etwas anschaulicher, denn die öffnet auf sehr eindrückliche Weise ein „Fenster zur Bibel“, wie die Ausstellung betitelt ist.. Davon ließen sich auch die Gäste der Vernissage überzeugen.

thumb_1chagpublabontethumb_1chagnixekl„Ob unser Teppich Kunst oder ein Kulturdenkmal ist, darüber mag man diskutieren, bei Chagall muss man das nicht, sein Erfolg spricht für sich“, sagte Lahnsteins Oberbürgermeister Peter Labonte und dankte der evangelischen Kirche, die Ausstellung in Lahnstein zu zeigen. Seinen Dank an die Sponsoren, die die Ausstellung ermöglicht haben, sprach der Präses der Dekanatssynode, Dr. Frank Zimmerschied aus, als er die Gäste begrüßte und sich für das Programm der kommenden Tage ähnlichen Zuspruch erhoffte. Namentlich nannte Zimmerschied die Firmen BM Personal, die Volksbank Rhein-Lahn, die Süwag Energie AG, Niederlassungthumb_1chagspons1a Lahnstein, die Löwenapotheke Niederlahnstein, Jachmich Bürotechnik sowie die Buchhandlung Mentges.

Musikalisch wurde die Eröffnung von einem Musikensemble stilvoll mit Werken von Dvorak und Klezmer-Musik begleitet, für die Rolf-Dieter Frank, Dekan Friedrich Kappesser, Gabriele Rott und Rolf Baumann sorgten. (bcm)

Mehr Veranstaltungen im Rahmen der Chagall-Woche in Lahnstein mit Heiner Eberhardt:

„Die Erschaffung des Lebens – Schöpfungsbilder von Chagall“ mit Musik von Leclair, Boccherini und Bartók. (heute, Mittwoch, 23. April, 20 Uhr)

„Der Weg in das gelobte Land – Einblicke in den Exodus-Zyklus Chagalls“, Musik von Mozart und Beethoven (Donnerstag, 24. April, 20 Uhr)

„Denn er hat seinen Engeln befohlen – Engel bei Chagall“ mit Musik von Stamitz und Mozart (Freitag, 25. April, 20 Uhr).

Am Samstag, 26. April, gibt es von 15 bis 16.30 Uhr einen Mal-Workshop für Kinder ab 6 Jahre und Erwachsene (Malutensilien bitte mitbringen).

Mit einem Abschlussgottesdienst am Sonntag, 27. April, 18 Uhr, in der Christuskirche zum Bild „Rückkehr des verlorenen Sohnes“ endet die Ausstellung.

 Geöffnet ist die Ausstellung täglich von 8.30 bis 12.30 und von 15 bis 19.30 Uhr, öffentliche Führungen jeweils 17 Uhr (Samstag 18 Uhr). Mehr Infos und Anmeldungen für Gruppenführungen unter Telefon 02621/628123.