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HOLZHAUSEN. (9. Juni 2011) Mit einem Festgottesdienst wird Pfarrer Bernd A. Ohlow am Pfingstmontag, 13. Juni um 14 Uhr in den Ruhestand verabschiedet. Mehr als 35 Jahre war er Gemeindepfarrer der Kirchengemeinden Holzhausen und Obertiefenbach. Als Bürger Holzhausens bleibt der künftige Pfarrer im Ruhestand der Gemeinde erhalten. Das Pfarrhaus hat er mit seiner Frau bereits für einen Nachfolger frei gemacht.
Am 1. Juni 1976 trat der in Bad Homburg geborene Theologe seinen Dienst an der Haide an. „Wir haben zum ersten Mal die Kirche gesehen und uns sofort in die Gemeinde verliebt“, erinnert sich seine Frau Ulrike. In Marburg, Frankfurt und Heidelberg studierte Ohlow Theologie, absolvierte in Giessen - Allendorf sein Vikariat, danach ein Spezialvikariat bei der Telefonseelsorge- und Beratungsstelle in Frankfurt.
Wofür er dankbar ist: „Von meiner Konfirmandenzeit bis zum Dienstantritt habe ich immer ältere Pfarrer um mich herum gehabt, die mich sehr unterstützt haben.“ An seiner Pfarrstelle in den Kirchengemeinden Holzhausen und Obertiefenbach, zu der auch Bettendorf gehört, war er dann auf sich gestellt. Beherzt ging er damals ans Werk. So beeindruckt das Ehepaar vom Anblick der Kirche war – für die Gemeindegruppen gab es keinen brauchbaren Raum. „Eine alte Holzbaracke, in dem sich der Holzwurm wohlfühlte, diente als Gemeinderaum“. So beschloss er mit dem Kirchenvorstand, an die Stelle eines ausgedienten Löschweihers ein Gemeindehaus zu erbauen. 1980 war Einweihungsfeier.
Mit dem Bau ging eine deutliche Belebung des Gemeindelebens, insbesondere der Frauenarbeit, einher. Auch die Außen- und Innensanierungen der beiden Kirchen in Holzhausen und Obertiefenbach fallen in Ohlows Amtszeit. „Und wir sind froh, dass das Geld immer gereicht hat.“ Besonders gern blickt Ohlow auf eine rege Reisetätigkeit in der Gemeinde zurück. Als zusätzlich ausgebildeter Erwachsenenbildner organisierte er immer wieder unvergessliche Gemeindeausflüge für alle Generationen, Männer und Frauen sowie mit unterschiedlichsten Zielen, etwa elf Mal nach Israel, Marokko, Zypern. Sein Engagement in der Aussiedlerarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und in der Männerarbeit sorgte ebenfalls für viele integrierende Gemeindereisen ab 1979.
Mit der Handwerkerarbeit der EKHN leitete er Familienfreizeiten in Italien und Spanien. 1990 griff er die Idee einer katholischen Frau aus Holzhausen auf, um Kindern aus Weissrußland, aus der verstrahlten Region um Tschernobyl, einen Erholungsurlaub im Dekanat St. Goarshausen zu ermöglichen. Dieser Austausch wurde Ohlow, der zwölf Jahre das Amt des stellvertretenden Dekans inne hatte, zum Herzensanliegen. „Diese Gastfreundschaft, die wir in Russland und Weißrussland erlebt haben, werde ich nie vergessen“, erinnert er sich.
Rund 800 Kinder haben in den vergangenen 20 Jahren das Dekanat besucht, um für die Zeit ihres Aufenthaltes ihre Erkrankungen etwas zu vergessen und neue Kräfte zu schöpfen. „Das war ein Stück Völkerverständigung, zu der das Dekanat da beigetragen hat“, so der scheidende Gemeindepfarrer. „Auch wenn die Zahl der Kinder, die hier von Gastfamilien aufgenommen werden konnte, von Jahr zu Jahr geringer wurde, hoffe ich, dass es eine Fortsetzung gibt.“
Über das Jahr 2011 hinauswirken wird Ohlow als Beauftragter der Kirchenleitung für den Küsterbund (1994 übernahm er das Amt). Am Küsterhandbuch der EKHN hat er mitgewirkt. Im Pfarrervereins-Vorstand möchte er als Vertreter Süd-Nassaus noch bis 2013 mitarbeiten. Treu bleibt er auch als Pensionär seinem sportlichen Hobby, dem Tischtennis. „Als kleiner Junge hab ich mit einem Klassenkameraden am Gartentisch gespielt“, schmunzelt Ohlow. Dabei blieb es nicht. Über Schul-, Stadt- und erfolgreiche Kreismeisterschaften in Bad Homburg schmetterte der evangelische Theologe mehr als 30 Jahre das weiße Bällchen in den Reihen des TTC Eisighofen erfolgreich über die grüne Platte. Jetzt spielt er in einer Pfarrermannschaft des TuS Dausenau.
Auch wenn er sich auf den Ruhestand freut, muss er nach Umzug aus dem Pfarrhaus ins Neubaugebiet doch feststellen: „Etwas komisch und ungewohnt ruhig ist es schon; aber mal unter der Kanzel Platz zu nehmen, das kann ich auch mal genießen.“ Bernd-Christoph Matern
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