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Axel Noack: Mit Freude Neugier auf Freiheit des Glaubens wecken Drucken E-Mail

thumb_1a-ankv301011saalthumb_1a-ankv301011noack1MIEHLEN/RHEIN-LAHN. (31.Oktober 2011) „Wo merken die Menschen, dass wir Anteil daran nehmen, wie es ihnen geht?“ Das war eine vieler anregender Fragen, die Pfarrer Axel Noack aus Halle an der Saale, ehemaliger evangelischer Bischof von Sachsen, Kirchenvorstehern, Prädikanten und Christen aus dem evangelischen Dekanat St. Goarshausen in Miehlen stellte. Der Theologe lieferte reformatorische Denkanstöße für Gemeinden und Kirche zuhauf, sprach über Singles, Alleinerziehende, das Patenamt, Glaubenskurse und Geburtstagsgrüße und machte Mut, mit Neugier und Freude statt mit Resignation und Jammern wieder mehr Menschen für die befreiende Kraft des Glaubens zu gewinnen.

Die Furcht vor Menschen zu verlieren und den eigenen befreienden Glauben mutig zu bekennen, wie es Martin Luther „fast schon gespenstisch sorglos“ vorgelebte habe, dazu rief Noack im Reformationsgottesdienst des Dekanats die thumb_1a-ankv301011kirchenbesucherBesucher auf. Das sei heutzutage gar nicht so einfach, wie es sich in den „trutzigen Liedtexten“ zur Reformation singen lasse. „Wer fragt denn heute überhaupt noch nach einem gnädigen Gott?“, sagte der 62-jährige Professor der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auf der Miehlener Kanzel.

Verständlicher für die Menschen würden die evangelischen Grundlagen in den Fragen, wie Leben gelingen kann, wo in einer gnadenlosen Welt noch Gnade zu erfahren ist oder „wie komme ich damit zurecht, dass ich nicht so bin wie ich es gern hätte?“.

Mit der demografischen Entwicklung, derzeit Hauptgrund für die schrumpfende Mitgliederzahl in der Evangelischen Kirche, befasste sich Noack am Nachmittag in einem Vortrag im Gemeindehaus, zu dem die Vorsitzende der Synode, Anja Gemmer und Dekan Mathias Moos neben dem prominenten Gast aus Magdeburg Kirchenvorsteher und Prädikanten des Dekanats im Miehlener Gemeindehaus begrüßten. Die Überschrift: „Wie werden wir fröhlich kleiner und geben dabei das Wachsenwollen nicht auf?“.

thumb_1a-ankv301011noackKleiner werden sei nicht das Problem, „das gibt es immer mal in der Welt“, so der Theologe, „sondern die damit allzu oft verbundene innere Haltung der Resignation.“ Die Geburtenrate sei nur die halbe Miete, Handlungsanstoß für die Kirche müsse die Tatsache sein, dass vor allem „besser gestellte Schichten“ kinderlos bleiben. „Die Mitte wird schwächer“, wies Noack auf den Boom von Ramsch-Läden und Edelboutiquen hin und eine Statistik, nach der Alleinerziehende ihre Kinder aus Kostengründen seltener taufen.

Überhaupt mangele es - in Ostdeutschland besonders – immer mehr an Paten. „Das Thema ist in unserer Kirche noch völlig unterbelichtet.“ Auch Singles habe Kirche bei ihren Angeboten noch nicht wirklich auf dem Schirm. Noack: „Wo kommen die bei uns vor?“ Das Thema Mission und Bildung müsse neu buchstabiert werden und verlange genaues Hinsehen, was Menschen bewegt. Er regte an, Gemeindeglieder unabhängig davon ob sie glauben oder nicht in der Gemeinde mit – wirklich sinnvollen - Aufgaben und Verantwortungen zu betrauen und dabei die „Halbstarken“ einzubeziehen, die in Kirche und Gesellschaft im Gegensatz zu ganz Schwachen und ganz Starken oft zu kurz kämen.

Die Verantwortung der Kirche im gesellschaftlichen Kulturwandel, der mit der steigenden Lebenserwartung einhergeht, mahnte Noack am Beispiel der Bestattungskultur an. Um Angehörigen nicht „zur Last zu fallen“ entwickle sich eine eigenartige Grabkultur. „Wir müssen den alten Menschen sagen: Lasst euch bloß nicht darauf ein!“ Der Textwunsch für seinen Grabstein laute: „Hier liegen die Gebeine von Axel und warten auf ihre fröhliche Auferstehung.“ Noacks Hauptanliegen, trotz negativer Zahlenentwicklung fröhliche Christen zu bleiben und das Evangelium fröhlich zu verkünden, waren ihm sowohl im Vortrag als auch der Predigt immer wieder abzuspüren, und dies obwohl er aus einer Region kommt, in der die Zahlen weitaus mehr Anlass zur Klage geben würden als an Rhein und Lahn.

thumb_1a-ankv301011collegiummusicumthumb_1a-ankv301011preisraetselWorte des Dankes richtete Präses Anja Gemmer sowohl an den weit gereisten Referenten sowie an die vielen fleißigen Helfer, die Nachmittag und Gottesdienst vorbereitet hatten und mit gestalteten: die Kirchengemeinde Miehlen und deren Kirchenchor, die Suppenköchinnen aus Reitzenhain, das Collegium Musicum, das unter Leitung von Markus Ziegler wunderschöne Kostproben seines Repertoires gab, sowie Pfarrer Mathias Metzmacher, der mit Rätseln und einer humorvollen Preisverleihung die Besucher des Nachmittags zum Lachen brachte. Bernd-Christoph Matern