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EPPENROD/RHEIN-LAHN. (16. September 2011) Noch bis zum 30. September ist in der evangelischen Kirche von Eppenrod eine Ausstellung von Gemälden und Skulpturen zu sehen, die von Menschen geschaffen wurden, die vom gemeindepsychiatrischen Zentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Rhein-Lahn in Bad Ems betreut werden. „Lebenswelten“ ist die Schau überschrieben.
Ölgemälde, Aquarelle, Ton- und Holzarbeiten sind in dem evangelischen Gotteshaus ausgestellt, die den unterschiedlichen Lebenswelten ihrer künstlerischen Schöpfer sehr ansprechend Ausdruck verleihen. Aus dem ganzen Rhein-Lahn-Kreis kommen die Künstler.
Die Werke sind so unterschiedlich wie die Biografien und Erlebnisse der Menschen, die sie in die Krankheit getrieben haben. Hier ein leuchtend rotes Herz, das von vielen schwarzen Punkten und gebrochenen Strichen verziert und umrahmt ist und von einer Person stammt, die nie in ihrem  Leben Liebe erfahren hat. Dort die mehr abstrakten Bilder eines anderen Künstlers, der Hilfe und Betreuung bei der AWO gefunden hat; auf allen seinen strahlenden Gemälden ist eine Sonne im hellen Gelb erkennbar.
Aus liebevoll angemalten und zusammengeklebten Holzsplittern bestehende Skulpturen eröffnen die Welt von Indianern, andere Arbeiten haben den Fall der Twin-Towers in New York am 11. September 2001 sowie „Frühlingsgefühle“ und „Freudentränen“ zum Thema.
"Meistens sind es Depressionen, unter denen die Menschen leiden, deren Werke wir hier aufgebaut haben“, erklärt Hans-Jürgen Schultz; der Küster der Kirchengemeinde hat die AWO-Ausstellung nach Eppenrod geholt, mit Gemeindepfarrerin Irene Mühlenbeck aufgebaut, und er sorgt dafür, dass sie täglich von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen ist. Gemeinsam ist den ausgestellten Arbeiten ihre Intensität, mit der sie auf den Betrachter wirken, ihre große Ausdruckskraft, als hätte sich mancher Künstler die Angst von der Seele gemalt. In erschreckendem Maße sei die Zahl psychisch erkrankter Menschen in den vergangenen Jahren gestiegen, erklären Schultz und Mühlenbeck.
Steigerungsraten verzeichnet auch die AWO im Rhein-Lahn-Kreis. Nach einem Klinikaufenthalt bietet der gemeindepsychiatrische Dienst Betroffenen unterschiedliche Formen der Begleitung an, von Wohngruppen über die Tagesbetreuung bis zur ambulanten Versorgung. Und wenn für die Arbeit im alten Beruf die Kraft noch nicht ausreicht, hilft das AWO-Angebot, sich über einfache Arbeiten wieder an einen strukturierten Tagesablauf zu gewöhnen und die Chance auf eine Reintegration zu erhöhen. Eine Info-Wand am Eingang der Kirche klärt über die vielfältigen Hilfsangebote der AWO auf.
 Die Ausstellung macht auf der Empore auch deutlich, mit welchen Vorurteilen die Betroffenen oft konfrontiert werden, weil sie von einer Krankheit heimgesucht werden, die man körperlich nicht sehen kann, wie schwer der Weg zurück in ein „normales“ Leben ist, und welche Gefahren die notwendige medikamentöse Behandlung birgt. Um die erkrankten Menschen nicht im Abseits stehen zu lassen, wurden viele Werke auf einer Staffel in die Bankreihen der Kirche platziert. „Ganz bewusst wollen wir sie damit in die Gemeinde integrieren, zeigen, dass sie Teil unserer Gemeinschaft sind“, erklärt Mühlenbeck.
Dieser Gedanke prägte unter anderem auch einen Gottesdienst, der sich dem Thema „Lebenswelten“ widmete. Die Ausstellung könne nicht zuletzt für die Gemeinde ein Anstoß sein, eine Gesprächsrunde zu gründen, in der sich Betroffene und deren Angehörige austauschen können. Bernd-Christoph Matern
Die Ausstellung „Lebenswelten“ ist bis zum 30. September täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nähere Informationen unter Telefon 06485-236.
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