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NASTÄTTEN/RHEIN-LAHN. (8. Dezember 2011) Empfänger von Arbeitslosengeld hatte die evangelische Kirche Rhein-Lahn mit Unterstützung der evangelischen Kirchengemeinde Nastätten zu einem Seminartag ins evangelische Gemeindehaus eingeladen. Matthias Metzmacher, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung, konnte mehr als zwei Dutzend Betroffene aus dem ganzen Kreisgebiet dazu begrüßen und den Sozialrechtsexperten Hinrich Garms, der den Teilnehmern Grundlagen der aktuellen Gesetzgebung vermittelte und konkrete Fragen beantwortete.
Wie sehen die veränderten Bestimmungen für den Zuwendungsbescheid aus? Welche Bedingungen sind an den Bezug von Eingliederungshilfen geknüpft? Welche Zuschüsse gibt es bei Umzügen? Welche Probleme verursachen Sanktionen bei der Hilfe? Das waren unter anderem Fragen, mit denen der Experte konfrontiert wurde und auf die er konkret antwortete. „Viele Menschen haben ein gutes Gespür dafür, wann etwas Recht oder Unrecht ist“, so Garms. Im Übrigen gebe es auch die Möglichkeit bei Streitfällen, etwa über das Amtsgericht einen Beratungsschein für juristischen Beistand in Anspruch zu nehmen.
Thema war auch das neue Bildungspaket, das bislang nur von 50 Prozent derer, denen es zusteht, in Anspruch genommen werde. „Hier sollte stärker nachgefragt werden“, so der Experte. Zuschüsse für Klassenfahrten, Schulmaterial und Mittagessen würden nach entsprechenden Anträgen gewährt. Allerdings sei eine wirkliche Teilhabe an der Bildung nur begrenzt möglich und die sozial schwachen Familien gehörten meist trotzdem zu den Bildungsverlierern.
Im Umgang mit der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) und dem Gesetz gehe es nicht nur um Rechts- und finanzielle Ansprüche, sagte Pfarrer Matthias Metzmacher. „Gerade Alleinerziehende, aber auch die gesamte Familie eines Hilfeempfängers sind einfach überlastet mit der Situation, und sie fühlen sich sehr oft allein gelassen“, so Metzmacher, denn die Abhängigkeit von den staatlichen Stellen führe vielfach zu psychologischen Problemen. „Das nagt am Selbstbewusstsein“, weiß der Psychologe.
Die Wortmeldungen der Seminar-Teilnehmer bestätigten dies. Einige äußerten ihre Ängste vor der Altersarmut. Außerdem wird der formale und sehr bürokratische Aufwand des Antragsweges etwa beim Bildungspaket von den Betroffenen oft als Schikane verstanden, unter der sie sehr leiden. Was das Selbstwertgefühl vieler Leistungsempfänger ebenfalls tief verletzt: „Man kommt sich in der Öffentlichkeit immer wieder als ,Sozialschmarotzer‘ diskriminiert vor“, sagte ein Teilnehmer. „Und wenn man sich dann auch noch nicht richtig auskennt, fällt man einfach hinten runter.“
Umso wichtiger sei der von Kirchengemeinde, der Diakoniekonferenz Rhein-Lahn und den Dekanaten initiierte Austausch unter den Betroffenen. „Auch wenn das auf dem flachen Land nicht immer einfach ist“, so Sozialrechts-Experte Harms. Matthias Metzmacher verwies auf die Beratung des Diakonischen Werkes Rhein-Lahn: „Aber da gibt es in Sachen Hartz-IV auch schon lange Warteschlangen bei der Beratung.“ Bei mehr als 3000 Bedarfsgemeinschaften, die im Kreis zurzeit Leistungen nach der so genannten Hartz-IV-Gesetzgebung beanspruchen, kein Wunder.
Die Teilnehmer bedankten sich für dieses Seminar-Angebot der Kirche, und einige wünschten sich einen regelmäßigen Treffpunkt für Erwerbslose, damit man sich gegenseitig austauschen und unterstützen kann. „Dann fühlt man sich mit all den Problemen wenigstens nicht so allein.“ Bernd-Christoph Matern
Zum Foto: Sozialwissenschaftler Hinrich Garms (rechts) und Matthias Metzmacher, Pfarrer für gesellschaftliche Verantwortung der evangelischen Kirche Rhein-Lahn, hatten in Nastätten offene Ohren für die Sorgen der Hartz-IV-Empfänger und jede Menge Informationen. Foto: Matern
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