Austausch mit Israelis und Pal?stinensern wird 2012 fortgesetzt Drucken E-Mail

thumb_1a-ib-whg-zorbach0811thumb_1a-tb-abschiedgruppe0811RHEIN-LAHN. (24.August 2011) Der im evangelischen Dekanat St. Goarshausen von der Initiative 55 plus-minus und der evangelischen Jugend organisierte Austausch zwischen 24 jungen Deutschen, Israelis und Palästinensern soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Das haben Initiative-Sprecher Dieter Zorbach und Dekanatsjugendreferent Andreas Kleemann erklärt. Die deutschen Teilnehmer des Austauschs hat der Alltag in Schule und Studium wieder, die Gäste aus Israel und Palästina hat der Alltag auch wieder: Am Gazastreifen regierten bei ihrer Ankunft wieder die Waffen, Wechsel zwischen Terror und Vergeltung.

Ob das jemals endet? Daran haben auch die Teilnehmer der deutsch-israelisch-palästinensischen thumb_1a-ib-whgisthisfreedom0811Begegnung erhebliche Zweifel. „Was wir hier erlebt haben, kommt mir vor wie ein Tropfen im Ozean“, sagt Dekel Brilliant. Der Israeli kannte Palästinenser bislang nur thumb_1a-ib-whg-kunstprojekt0811von seinem Dienst als Soldat. Mit den Palästinensern, die er in Deutschland kennen gelernt hat, würde sich der Student ohne Checkpoints sicher öfter treffen. „Da bin ich mir sicher.“

Freundschaften seien während des zweiwöchigen Aufenthalts entstanden. Aber ob die Begegnung auch ein Schritt auf dem Weg zu einem Frieden in Nahost ist, dahinter macht auch der Palästinenser Mohammad Fararje, der in der internationalen Begegnungsstätte „Abrahams Herberge" in Beit Dschala arbeitet, ein großes Fragezeichen. „Ich sehe das bei den derzeit Regierenden nicht.“

thumb_1a-ib-whg-gesangrechtsthumb_1a-ib-whg-gesanglinksEin Beispiel für die freundschaftlichen Bande, die während der Begegnung geknüpft wurden, gaben die zwei Dutzend jungen Leuten noch einmal während eines Abends im Wilhelm-Hofmann-Gymnasium in St. Goarshausen. Dort sangen sie, an der Gitarre begleitet von der jüdischen Musikerin Odelia Lazar, sowohl lautstark ein palästinensisches Friedenslied sowie das aus Israel stammende „Halleluja“, mit dem der Staat einst den Grand Prix d‘ Eurovision gewann. Anschaulich, eindrucksvoll und bewegend schilderten die jungen Leute vor fast 150 Besuchern in der Aula das Zusammentreffen, Erwartungen, Erlebnisse und Eindrücke. Auch Tränen habe es gegeben, etwa als die Deutschen mit den thumb_1a-ib-whg-berichte0811Israelis über den Holocaust sprachen und darüber nachdachten, in wieweit die Nachkriegsgeneration dafür Verantwortung zu übernehmen hat. Die Erarbeitung von Kollagen, die in der Aula gezeigt wurden, diente ebenfalls der Anregung, thematisch miteinander ins Gespräch zu kommen.

Eingeleitet wurde der Abend im Gymnasium mit einem Vortrag von Manuela Ziskoven über kollektive thumb_1a-ib-whg-ziskoven1108Traumata. Die Therapeutin lebte und arbeitete neun Jahre im Nahen Osten. "Die traumatische Reaktion ist eine normale Reaktion auf eine abnormale Situation", erklärte die Referentin. Das Problem im Nahen Osten: Diese „Situation“ sei dort leider zur Normalität geworden. Die nicht endenden Erfahrungen an Terror und thumb_1a-ib-whg-saalGewalt prägten die Menschen in ihrem Alltag, hätten Medikamentenmissbrauch, häusliche Gewalt, den völligen Rückzug ins Private oder aber in den Extremismus zur Folge. Dabei seien sich die beiden Seiten in ihrem Leiden sehr ähnlich. Jeder beanspruche für sich die Opferrolle. „Die Leute müssten mehr reden“, nannte Ziskoven einen Ansatz, aus dem Teufelskreis von Angst und Gewalt herauszukommen.

Erst wer sich seine Angst und Schwäche eingestehe, könne das Trauma überwinden, das gelte für den Einzelnen, der Todeserlebnisse hatte ebenso wie für ein ganzes Volk. Einmal mehr in den 14 Tagen der Begegnung forderte auch Ziskoven ein Ende der israelischen Besatzung und die Anerkennung des Staates Israels durch die Palästinenser als einen Weg zum Frieden. Die Gewalt, die die Gäste aus Nahost bei ihrer Rückkehr wieder erlebten, lässt diesen Wunsch allerdings eher als Utopie erscheinen.

Hoffnungsvoller stimmt da der von den 16 bis 28 Jahre altenthumb_1a-ib-whg-filmen0811thumb_1a-ib-whg-dankschornick Teilnehmern gedrehte Film, der die jungen Leute mit viel Spaß aneinander näher kommen ließen. Und wer weiß: vielleicht gilt ja auch für den Nahost-Konflikt, was eine Teilnehmerin formuliert hatte: Sie stellte fest, dass die größten und bedeutendsten Veränderungen der jüngsten Geschichte wie der Fall der Berliner Mauer oder der Sturz afrikanischer Diktaturen zu einem Zeitpunkt kamen, an dem niemand damit gerechnet hätte, und die kein Politiker und Bürger hätte vorhersagen können. Bernd-Christoph Matern

Stimmen der Teilnehmer

Es ist doch etwas vollkommen anderes, ob man im Religionsunterricht Dinge erklärt bekommt und nachliest oder ob man Menschen kennenlernt und live einen Eindruck bekommt. Julia Knecht (Fachbach)

Die Deutschen kennen die Situation in Nahost nur vom Hörensagen; ich hoffe und bete, dass sie zu einem Gegenbesuch zu uns kommen, um sie auch wirklich zu erleben. Mohammed Fararja (Beit Jala - Palästina)

Was der Holocaust für die Israelis bedeutet und wie er das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland prägt, war den Palästinenser in dieser Dimension wohl noch nicht bewusst. Rebecca Brückner (Bornich)

Für mich war die wichtigste Erfahrung dieser Begegnung, dass die palästinensischen Gebiete jetzt Namen und Gesichter bekommen haben. Segev Kelev (Kiryat Bialik – Israel)

Das Reizvolle an einer Begegnung mit so unterschiedlichen Menschen in Kultur und Glaube ist für mich die Frage, was wir voneinander lernen können. Katharina Schmidt (Dachsenhausen)

Friede entsteht, wo Menschen zusammen leben, wo sie miteinander arbeiten, reden und lachen. Dieter Zorbach (Bornich)

Wäre es nicht toll, wenn auf Facebook jetzt immer mehr Deutsche, Israelis und Palästinenser zu Freunden werden? Nicole Lipsky (St. Goarshausen)

Der unterhaltsame Film, den wir gedreht haben, und in dem fast alle als Schauspieler auftreten, zeigt, wie viel Spaß wir hatten. Und die Videodokumentation der Begegnung wäre ein gutes Element, um miteinander thematisch weiterzuarbeiten. Andreas Kleemann (Bogel)

 

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Junge Leute starten zu Friedensprojekt von unten nach Berlin
Hoch überm Rhein trainieren junge Leute Vertrauen
Ein Schritt auf dem Weg zum Frieden in Nahost

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