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 HOLZHAUSEN/RHEIN-LAHN. (16. Juni 2011) Da war die evangelische Kreuzkirche zu klein, als sich die evangelischen Kirchengemeinden Holzhausen und Obertiefenbach-Bettendorf von ihrem langjährigen Gemeindepfarrer Bernd A. Ohlow verabschiedeten, der heute seinen 64. Geburtstag feiert. Hunderte waren sowohl zum Abschiedsgottesdienst als auch in die Turnhalle gekommen, um dem Theologen für seinen 35 Jahre währenden Dienst als Seelsorger zu danken.
"Es war mir eine Freude Euer Pfarrer zu sein", endete die Abschiedspredigt von Ohlow. Sichtlich bewegt schritt er im letzten Gottesdienst seiner aktiven Zeit empor zur Kanzel, um die Pfingstbotschaft zu verkündigen: stärker auf Gottes Geist, auch in der Kirche, zu vertrauen. So wie aus dem Wanderprediger eine weltweite Bewegung geworden sei, dürften Christen auch auf Gott vertrauen, wenn es ums Wachsen der Gemeinde gehe, auch angesichts rückläufiger Gemeindegliederzahlen. "Es gibt auch ein Wachstum in die Tiefe", so Ohlow, der davor warnte, auch kirchlicherseits mit zu viel Ungeduld und Aktionismus zu viel an der Pflanze Gemeinde "herumzuzupfen", sondern mit Geduld auf deren Wachstum zu vertrauen.
 Und Ohlow dankte Mitarbeitern und Kirchenvorständen für die freundliche Grundstimmung in all den Jahren seines Dienstes. „Mit dem Kirchenvorstand hat die Gemeinde einen echten Schatz“, der ihm die Freude an der Arbeit stets erhalten habe. „Wir alle leben von Gottes Kraft, um füreinander und für die Menschen da zu sein“, sagte der Theologe.
Propst Dr. Sigurd Rink betonte, dass eine so lange Dienstzeit an einem Ort - vom Pfarrvikar bis zur Pensionierung - heutzutage sehr ungewöhnlich sei, und er erinnerte an die zusätzlichen Aufgaben, die Ohlow auf Dekanats- und landeskirchlicher Ebene wahrgenommen hat. „Fleißig und reaktionsstark“ verglich er den scheidenden, Tischtennis spielenden Theologen mit Timo Boll, bevor er ihn entpflichtete und ihm und seiner Frau Ulrike für den Dienst dankte. Die Gemeinde bat er bei allem Verständnis für die Verbundenheit mit Ohlow, Nachfolgerin oder Nachfolger auf der dann nur noch Dreiviertel großen Pfarrstelle eine Chance zum Fuß fassen zu geben, wenn es um die Übernahme von Kasualien wie Trauungen oder Beerdigungen gehe.
Als „eingespieltes Team“ bezeichnete Dekan Mathias Moos den Freund und Amtsbruder, erinnerte an unvergessliche Studienfahrten, Ohlows Engagement im Dekanat, bei der Erwachsenenbildung, Notfallseelsorge, Pfarrervertretung und Kirchenvorstandsfortbildungen. „Ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist!“ Dieses Paulus-Wort gab Moos Ohlow mit auf den Weg in den Ruhestand.
 Den festlichen Gottesdienst hatten Prädikanten und Kirchenvorsteher der beiden Kirchengemeinden liturgisch mitgestaltet sowie musikalisch der evangelische Posaunenchor und der Gemischte Chor aus Obertiefenbach, der Gemischte Chor Bettendorf und der MGV Eintracht Holzhausen.
Letzterer eröffnete im Anschluss an den festlichen Gottesdienst ein unterhaltsames und wortreiches mehr als zweistündiges Abschiedsprogramm, das die fast 400 Besucher in der Turnhalle an der Bäderstraße erwartete, die Ohlow für seinen Dienst dankten und ihm und seiner Familie Gottes Segen für die Zukunft wünschten. Eine wahre logistische Meisterleistung vollbrachten die Damen, die den Saal zwischendurch mit Kaffee und Kuchen an den Tischen versorgten
Marion Paul-Färber und Andreas Ebertz baten zwei Dutzend Redner und Akteure auf die   Bühne; so den Vorsitzenden des EKHN-Pfarrvereins Martin Zentgraf, der betonte, dass es der Idealfall für eine Gemeinde sei, wenn sie über so lange Zeit in Eintracht von einem Pfarrer betreut werde. Gernot Kasper überbrachte Dank für die katholische Kirche, und die singende Organistin des Kirchspiels Gaby Bindczeck, die als „Orjelfraa“ gedichtete Wünsche übermittelte. Kindergottesdienstkinder und ehemalige Konfirmanden überreichten Ohlow ein Bild, Mitglieder seines ersten Konfirmandenjahrgangs und die Mutter von Ohlows erstem Täufling führten einen Sketch über eine theologische Prüfung auf, die die Besucher zum Lachen brachte.
  Ortsbürgermeister Frank Hofmann und seine Amtskollegen Arnd Witzky aus Bettendorf und Michael Häuser aus Obertiefenbach überreichten Ohlow ein geschnitztes Abschiedsgeschenk vom Limes und übermittelten ihm ebenso Lob und Dank wie Gerhard Stötzer für die Verbandsgemeinde, Landessynodaler Frank Puchtler, Holzhausens Altbürgermeister Helmut Färber, Luisa Krämer für die Bettendorfer Vereine mit einem Reisescheck im Gepäck und der für die evangelische Männerarbeit vormals verantwortliche Karl Hüttinger.
Mit einer Schubkarre für die künftige Gartenarbeit am neuen Wohnsitz in Holzhausen, einer Sonnenuhr und einem Reisegutschein überraschten die beiden Kirchenvorstände von Holzhausen und Obertiefenbach-Bettendorf schließlich den pensionierten Gemeindepfarrer, der sich seinerseits für die vielen Lob- und Dankesworte und die zahlreichen guten Begegnungen in seiner Amtszeit bedankte.
Bernd-Christoph Matern
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