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 RHEIN-LAHN. (29. September 2011) Es waren berührende Momente, als sich jetzt in Dessighofen eine Besuchergruppe aus Tansania, dem afrikanischen Partnerdistrikt Mabira des evangelischen Dekanats Nassau, verabschiedete. Mehr als drei Wochen verbrachten die Gäste aus Afrika im Rhein-Lahn-Kreis, feierten dabei das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft und absolvierten ein sehr umfangreiches Besuchs- und Diskussionsprogramm. Nicht nur viele Fotos und Gastgeschenke werden an den Aufenthalt erinnern. Zahlreiche Diskussionen trugen dazu bei, sich gegenseitig besser verstehen zu lernen.
Wie in einem zweitägigen Klausur-Austausch (Foto rechts) deutlich wurde, leiden die evangelisch-lutherischen Christen in der Region Mabira in jüngster Zeit vor allem unter dem starken Einfluss von Pfingstlern, zu denen immer mehr Gemeindeglieder übertreten. Die verzeichneten durch Wunderheilungen einen starken Zuspruch, wie der tansanische Delegationsleiter Pfarrer Blasio Tinkasimile sowohl dem Nassauer Pfarrkonvent als auch dem Arbeitskreis erläuterte. Dr. Heinz Vater aus Lahnstein, Allgemeinmediziner und Mitglied des Arbeitskreises, warnte eindringlich davor, Menschen auf diese Weise zu suggerieren, ohne medizinische Behandlung Krankheiten auskurieren zu können.
"Aber was soll ich machen, wenn ein Mensch glücklich vor mir steht und jubelt, dass er sich heil und gesund fühlt?“, entgegnete ihm der Theologe aus Mabira. Selbst wenn er später tatsächlich sterbe, bringe es nichts ihm dann zu sagen: „Du bist aber gar nicht gesund!“ Über die Schilderungen solcher „Wunderheilungen“ kamen die beiden Kulturvertreter auch über ihren eigenen Glauben ins Gespräch. Hier die Ansicht, dass ein tiefer Glaube tatsächlich heilen kann – dort die Frage, ob körperliche Heilung überhaupt ein Ziel des Glaubens ist. „Das ist sehr gefährlich: was ist, wenn jemand trotz Beten nicht gesund wird? Hat er dann zu wenig geglaubt?“, warnte Pfarrer Martin Stock.
Erkenntnisreich nannten beide Seiten die Begegnung. „Hier bei Euch gibt es ja überhaupt keine Kinder und Jugendlichen“, stellte etwa Emiliana Bwenge aus Mabira erstaunt fest. Und Dekan Friedrich Kappesser stimmte ein Eindruck der afrikanischen Gäste nachdenklich, die meinten, dass die Deutschen doch sehr weit von den Grundsätzen des christlichen Glaubens entfernt leben. "Es ist gut, wenn durch eine solche Begegnung auch der eigene Glaube immer wieder hinterfragt wird."
Auch über die aktuellen Projekte, die Anschaffung von Wassertanks in der Region sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung für Aids-Erkrankungen, standen auf der Agenda des Besuches. Eine ganze Liste weiterer Projekte wurde ebenfalls besprochen. Hier sollen die Partner in Mabira jetzt Prioritäten benennen. Diskutiert wurde auch darüber, wie in Mabira die Partnerschaft noch bekannter und auf eine breitere Basis gestellt werden kann.
Beim Abschiedsessen im Dorfgemeinschaftshaus von Dessighofen stand dann aber noch einmal die Verbundenheit im Glauben im Mittelpunkt des Abends. „Es war ein ganz wichtiger Besuch sowohl was die theologischen Gespräche als auch den Fortschritt unserer gemeinsamen Projekte anbelangt“, sagte der Vorsitzende des Arbeitskreises Nassau-Mabira, Berthold Krebs. „Es gibt einfach Dinge, die lassen sich nicht über E-Mail, SMS oder telefonisch besprechen.“
Zu den Gaben, die die Gäste aus Mabira mitgebracht hatten, gehörten auch viele von Frauengruppen in den afrikanischen Gemeinden gefertigte Körbe. Viele von ihnen fanden im Dekanat dankbare Abnehmer, so dass mit dem Erlös nun wiederum die Frauenarbeit in Mabira unterstützt werden kann. Daneben nehmen die Besucher aus Tansania aber auch einen ganz besonderen Wandbehang mit in ihre Heimat zurück. Er zeigt die Gäste zusammen mit dem Nassauer Arbeitskreis am ersten Abend des Besuchs. „Wir sind sehr dankbar für die Begegnung“, verabschiedete sich Delegationsleiter Pfarrer Blasio Tinkasimile. Bernd-Christoph Matern
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