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NASSAU/RHEIN-LAHN. (24. August 2010) Bei seiner Reise durch das Bistum Limburg machte Bischof Tebartz-van Elst auch Station in den Heimen Scheuern, um Einblicke in die Arbeit der Behindertenhilfe zu erhalten. Im Gespräch mit Direktor Eckhard Bahlmann und dem Leiter Arbeit, Bernd Feix informierte sich der Bischof über die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Heilerziehungs- und Pflegeheime Scheuern. Engagiert diskutierten die Gesprächspartner über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen auf der Grundlage der UN-Behindertenrechtskonvention.
Beeindruckt von der 160jährigen Entwicklung der Stiftung und von den Weiterentwicklungsprozessen, stellte Tebartz-van Elst fest, dass vor den Heimen Scheuern eine große Aufgabe steht, wenn in den kommenden 10 Jahren ein erheblicher Teil der Wohnplätze in die Region dezentralisiert wird und damit Inklusion als neues gesellschaftliches Modell gefördert wird. Dabei liege viel Verantwortung in den Händen der Stiftung, die Sozialräume vorbereiten muss. Allerdings dürfe dies keine alleinige Aufgabe der Heime Scheuern sein.
Dennoch: „Es ist gut, dass das Verstecken behinderter Menschen aus früheren Zeiten ein Ende hat. Damit Inklusion gelingt, ist ein gesellschaftliches Umdenken erforderlich. Jeder in der Gemeinschaft ist gefragt“, so der Bischof. Pater Peter Egenolf, der den Bischof bei seiner Visitation begleitete, hinterfragte Inklusion kritisch. „Wird Inklusion nicht tatsächlich ideologisiert? Wird Inklusion zur verkappten Leistungskürzung in der Behindertenhilfe verwandt? Aus meiner Erfahrung in der Arbeit mit Eltern von behinderten Kindern, erlebe ich immer wieder berechtigte Sorgen. Vielen Angehörigen fehle der Glaube an eine Veränderung in der Gesellschaft, dass Menschen mit Behinderungen als selbstverständlich angenommen werden. "Es fällt ihnen zunächst schwer mit der eigenen Lebenssituation und der Behinderung ihres Kindes zurecht zu kommen, sie erleben immer wieder Ablehnung und eine Menge Probleme im Alltag. Umso mehr ist für Angehörige ein fördernder und geschützter Raum wichtig.“
„Diese Erfahrungen machen wir auch in den Heimen Scheuern“, so Direktor Eckhard Bahlmann, „viele Angehörige oder Betreuer wünschen sich qualitativ hochwertige Wohnangebote im geschützten Rahmen in Scheuern, weil sie auf die Betreuung in unserem Kompetenzzentrum vertrauen. Wohnen und Arbeiten andernorts können sich bisher wenige vorstellen. Dennoch sind wir vom Gedanken der Inklusion überzeugt und bauen schrittweise Wohnangebote an anderen Standorten auf, damit der gesellschaftliche Wandel zu weniger Ausgrenzung vorangeht.“
Den Bischof beschäftigte auch die Frage, ob sich die Heime Scheuern auf die zunehmende Anzahl älter werdender Menschen mit Behinderungen einstellen. Senioren bleiben, wenn es irgend geht in der Regel, auch wenn sie einen höheren Pflegebedarf haben, in ihrem gewohnten Umfeld. Es ist normal, dass die Menschen auf den Wohngruppen leben, so lange es geht und häufig dort auch sterben. Mit der tagesgestaltenden Seniorenbetreuung steht ein gut genutztes Angebot für Menschen im Rentenalter zur Verfügung, damit sie die Möglichkeit haben, Beziehungen zu pflegen und ihre Freizeit zu gestalten.
Ein Rundgang über das Gelände der Heime Scheuern vermittelte Tebartz-van Elst die Größe der Einrichtung. Auf einer Wohngruppe für schwerst-mehrfach behinderte Menschen suchte der Bischof den Kontakt zu Bewohnern und Mitarbeitern. Er ließ sich Tagesabläufe erklären, besichtigte Zimmer, Gemeinschaftsräume und die Außenanlagen, die von der Wohngruppe im Alltag, aber auch für Treffen und Feste jeglicher Art genutzt werden. Der Bischof besichtigte auch die Tagesförderstätte für externe Besucher. Diese teilstationäre Einrichtung zur Begleitung, Förderung und Assistenz von erwachsenen Menschen mit einer geistigen Behinderung versteht sich als Bindeglied und Teil der Rehabilitationskette zwischen Schule und Werkstatt. Die tagesstrukturierenden Angebote bieten einen zweiten Lebensraum für Menschen, die nicht oder noch nicht in der Lage sind, eine Werkstatt für behinderte Menschen zu besuchen.
Die Leitung der Tagesförderstätte, Gabriele Radtke, informierte den Bischof über die heilpädagogisch orientierte Förderung und Betreuung schwerst-mehrfach behinderter Menschen zur Verbesserung der Lebensqualität. Sie bietet ebenfalls Entlastung für Angehörige. Bildunterzeile: Hilfsmittel für unterstützte Kommunikation, die auch in der Tagesförderstätte eingesetzt werden, sind eine große Bereicherung für das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen. Der Bischof testete selbst eine Kommunikationstafel. Dieses Hilfsmittel kann individuell besprochen werden und ist für Menschen geeignet, die sich nicht verbal verständigen können.
Bildunterzeile:
Der Leiter Arbeit der Heime Scheuern, Bernd Feix (links) und Direktor Eckhard Bahlmann erläuterten Tebartz-van Elst den Umgang mit den Tafeln. Foto: Kretschmann
Mehr Informationen über die Heime Scheuern finden Sie hier.
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