Die großen Worte
sind verloren gegangen.
Es heißt
mit winzigen Wörtern
werben
um Frieden und Liebe...
...im Namen der Religionen
im Namen der Ermordeten
im Namen der Lebenden
die leben wollen
im Gold und Grün
unserer Erde.
Rose Ausländer
CRAMBERG/RHEIN-LAHN. (9. November 2011) Der Beginn dieses Gedichts von Rose Ausländer findet sich auf einer Gedenktafel, die in der vergangenen Woche auf dem jüdischen Friedhof in Cramberg eingeweiht wurde. Ein kleiner Initiativkreis, der sich auch von Widerständen aus dem eigenen Ort nicht davon abbringen ließ, ermöglichte die Errichtung der eindrucksvollen Stahlplatte. Mit ihr wird der Cramberger Bürger gedacht, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft von 1933 - 1945 abgeschoben, deportiert und ermordet wurden. Auch an eine Crambergerin christlicher Herkunft erinnert das Mahnmal, die dem grauenvollen Euthanasie-Programm zum Opfer fiel und in Hadamar vergast wurde.
Dirk Kaltheier nannte das Denkmal ein Zeichen der Würde und der Anerkennung und verlas die Namen der Cramberger, an die es erinnert. Christa Pullmann, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Limburg, unterstütze den Initiativkreis mit Dirk Kaltheier, Friedhelm Petri und Doris Petri in ihrem Anliegen. Sie erinnerte an die jüdischen Wurzeln in Cramberg und Umgebung, die bis ins Jahr 1628 zurückreichen, an die Ahnungslosigkeit der jüdischen Bürger, die im Ersten Weltkrieg noch mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden seien. Dann zitierte sie zur Einweihung vor vielen Gästen aus Cramberg und dem gesamten Rhein-Lahn-Kreis einen Brief von Susan Nachmann an deren Urgroßmutter, die in Litauen ermordet wurde.
"So etwas darf nie wieder passieren", sagte die Vorsitzende der Synode des evangelischen Dekanats Diez, Astrid Ellermann; das Dekanat hatte sich finanziell an der Errichtung der Gedenktafel beteiligt. "Dieses Denkmal soll uns eine Mahnung für die Zukunft sein." Gewalt und Intoleranz gehörten längst noch nicht der Geschichte an, warnte auch Kreisbeigeordneter Helmut Klöckner. Dass die Gedenktafel einen Beitrag zur Versöhnung leiste und Begegnung schaffe, wie die Einweihung zeige, erklärte Landtagsabgeordneter Frank Puchtler. Ruhige Klarinettenmusik von Carina Schlag begleitete die würdige Feierstunde mitten im Wald oberhalb der Lahn.
Absichtlich weist die von einer Spezialfirma errichtete 2,30 mal 1,80 Meter große Stahlplatte eine Korrosion auf. Die Namen der Cramberger, an die sie erinnert, wurden hineingefräßt. 14 Schlitze am oberen Rand symbolisieren den Blick durch Gitterstäbe eines Gefängnisses. (bcm)
Gut besucht war die würdige Einweihungsfeier einer Gedenkplatte für die Holocaust-Opfer auf dem jüdischen Friedhof in Cramberg, einem "Haus des Lebens" und der ewigen Ruhe. Fotos: Matern
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