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LAHNSTEIN/RHEIN-LAHN. (13. September 2011) Über das Plakat für seinen Auftritt wurde in Lahnstein heftig diskutiert – ob das auch nach dem Auftritt des Kirchenkabarettisten Ingmar von Maybach-Mengede in der evangelischen Christuskirche so bleibt, ist abzuwarten. Der evangelische Theologe und Soziologe, der im Odenwald Gemeindepfarrer ist und daneben mit seiner Christlich-Satirischen-Unterhaltung (CSU) bundesweit Gastspiele gibt, wurde zumindest von den Besuchern lautstark beklatscht.
"Mehr Personenkult in der Evangelischen Kirche, um sie fit für die Zukunft zu machen!“, fordert Maybach augenzwinkernd zu Beginn der munteren Vorstellung, da könne sie sich von der katholischen etwas abgucken. Flugs wird der Auftritt wiederholt und von lautem Jubel, Klatschen und Pfeifen begleitet. Dazu passt Maybachs Feststellung, dass die evangelische Kirche eben noch eine echte Volkskirche sei und die berühmte BILD-Schlagzeile „Wir sind Papst“ das protestantische Verständnis vom Priestertum aller Gläubigen auf den Punkt gebracht habe: „Was Luther begann, hat Springer vollendet!“
Das Lahnsteiner Publikum zeigt sich sehr lernwillig, sorgt fürs Düsengeräusch bei einem Zielgruppen-Gottesdienst für Vielflieger oder vervollständigt während eines „Hartz-IV-Workshops“ einen Arbeitslosen-Song mit dem richtigen Reim. Nachhilfe gibt es auch in Sachen Evangelisten: Markus, der wie die Zeitschrift „Focus“ kurz und knapp auf „Fakten, Fakten, Fakten“ setzt; Lukas, den wie der „Spiegel“ mehr das soziale Umfeld Jesu interessiert und Christi Geburt bei den armen Hirten beginnen lässt; Matthäus, der dagegen in boulevardeskem Stil eines „Stern“ in der Weihnachtsgeschichte von Königen und einem Stern erzählt; und schließlich Johannes, der als Nachzügler wie das Magazin der Süddeutschen Zeitung die „Homestory“ über Jesus als Exklusivgeschichte liefert.
Von den vielfältigen Erwartungen der Gemeinde, unter denen mancher Pfarrer leidet, über die verzweifelte Suche nach dem Predigttext bis hin zu den Gesprächen, die Theologen erwartet, wenn sie im Urlaub als Pfarrer erkannt werden, reicht Maybachs spöttelnder Blick auf die eigene Kirche. Aber auch die Kommerz-Gesellschaft bekommt ihr Fett weg: als Klerikal-Kapitalist im sakro-ökonomischen Sektor wolle er sich selbständig machen, Särge schon zu Lebzeiten unters Volk bringen, damit die Leute eine Beziehung zur letzten Ruhestätte aufbauen können. Und im dazu gehörigen Möbelhaus solle es künftig ein „Dörrland“ geben, wo die Kinder nach dem Einkauf fragen können: „Oma, lebst Du noch oder wohnst du schon?“.
Neben Kirche und Kommerz schießt der gebürtige Berliner seine satirischen Pfeile auf die Politik ab. Angela Merkel wird mit dem „Flair der Frauenhilfe“ und den Erkenntnissen der „Mundorgel“ ausgestattet für Maybach zur bewundernswerten „protestantischen Madonna“, der er eigens einen Leonard Cohen-Song auf der Gitarre widmet. Das wahre Problem in der Bildungspolitik offenbare sich weniger in Pisa-Studien als vielmehr im Geburtenrückgang; die neue Familienministerin schaffe durch die Geburt ihres Kindes zwar schon etwas Abhilfe, könne sich von ihrer Vorgängerin aber ruhig noch welche „leyen“.
Mit seinen süffisanten Gedankenblüten, Wortwitz in Sprache und Liedern und der Fähigkeit, sich selbst nicht immer ernst zu nehmen, bringt der theologische Kabarettist seine Zuhörer zum Mitmachen, Schmunzeln und Lachen. So schließt sich am Ende der Kreis zu den einleitenden Worten von Dekan Friedrich Kappesser: „Gut, wenn auch in der Kirche ab und an gelacht wird, gerade wenn sie sich als Institution viel zu ernst gebärdet“, so Kappesser. Es sei ein wesentliches christliches Merkmal zu sich selbst auch einmal auf Distanz gehen zu können auch gegenüber einer „Institution Kirche, die ja nur von Menschen gemacht ist.“ Bernd-Christoph Matern
Bildunterzeile:
Der kabarettistische Theologe Ingmar von Maybach-Mengede bezog auch das Publikum in die Vorstellung mit ein, um ein Engelsbild darzustellen. Fotos: Matern
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