Dekanat Diez besucht Buchstaben-Synagoge in Mainz Drucken E-Mail

thumb_1a-mz0211-aDIEZ/MAINZ. (25. Februar 2011) Die im September vergangenen Jahres eingeweihte neue Synagoge in Mainz war Ziel der Dekanatskonferenz des evangelischen Dekanats Diez. Sowohl das architektonisch außergewöhnliche Bauwerk als auch die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Mainz standen dabei im Mittelpunkt.

thumb_1a-mz0211innenStella Schindler-Siegreich, die Vorsitzende der Gemeinde, erinnerte die Besucher aus dem evangelischen Dekanat an die Entwicklung der jüdischen Geschichte in Mainz, das sich schon im 11. Jahrhundert zum Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit entwickelte. Bis 1938 hatte „Magenza“ jahrhundertelang prägende Synagogenbauten aufzuweisen. An diese thumb_1a-mz0211toraschrankTradition knüpft nun das vom Kölner Architekten Manuel Herz geschaffene Bauwerk an.

Die Zahl von Gemeindegliedern, die bis zu den 1980er Jahren noch bei etwa 150 lag, sei gerade durch den Zuzug osteuropäischer Juden, die sich bewusst für ein Leben in Deutschland entschieden, auf heute 1035 angestiegen, erzählte Schindler-Siegreich. Die Gemeinde trage dazu bei, dass die Menschen einen Platz in der Gesellschaft finden. „Und mit der Synagoge wird dies jetzt auch nach außen hin sichtbar.“

thumb_1a-mz0211wandSehr beeindruckt zeigten sich die Gäste, Pfarrer und Mitarbeiter des Dekanats, von dem Bauwerk, in dem hebräische Buchstaben außen und innen den architektonischen Roten thumb_1a-mz0211fensterFaden bilden. „קדושה“ - diese fünf hebräischen Buchstaben – der jüdisch-liturgische Begriff „Kedushah“, was so viel bedeutet wie Segnung oder Erhöhung – stellte der Architekt mit der Form der Gebäude in den Mittelpunkt. Die Wände des nach Jerusalem ausgerichteten Versammlungsraumes selbst prägen ebenfalls die 22 hebräischen Schriftzeichen. Aus diesem Meer an Buchstaben heben sich an etlichen Stellen für den jüdischen Glauben bedeutende Texte ab oder Sätze, die sich auf die Stadt Mainz beziehen.

Unter den Dächern der „Buchstaben“-Architektur wird nicht nur Gottesdienst gefeiert. Dort finden sich auch eine Küche und eine Bibliothek sowie Räume für beratende soziale Dienste, Sonntagsschule, Hebräisch- und Religionsunterricht, Internetcafé sowie eine Vielzahl kultureller Angebote. „Wer kommt, der ist da“, sagte Schindler-Siegreich auf die Frage, ob es Überlegungen gebe, die Ruhetags- und Gottesdienstzeiten am Sabbat den zeitlichen Arbeitsbedingungen der christlichen Welt anzupassen. „Da würde ja ein Stück unserer Identität verloren thumb_1a-mz0211toraallegehen“, so die engagierte Führerin der theologischen Gruppe aus dem Dekanat Diez. Aber freilich werde auch in ihrer Gemeinde immer wieder darüber nachgedacht, in wieweit sie sich den weltlichen Gegebenheiten anpasst oder nicht.

Nach der Führung kehrte die Konferenz auf der Heimfahrt noch einmal in einem Gasthaus ein, wo sich die Teilnehmer bei Prodekan Adi Tremper mit einem Geschenk für seinen Vertretungsdienst bedankten, den er nach der Pensionierung von Dekan Hans-Otto Rether im Sommer vergangenen Jahres übernommen hatte. Bernd-Christoph Matern