Dekanat sucht junge Erwachsene f?r Israel-Austausch Drucken E-Mail

thumb_1a-vorbisrael-besuchRHEIN-LAHN/MITTELRHEIN. (8.Oktober 2010) Es begann mit einer Reise der Initiative 55 plus-minus im evangelischen Dekanat St. Goarshausen nach Israel, jetzt soll ein Austausch junger Leute daraus werden. In Beit Jala, fünf Kilometer westlich von Bethlehem, lernte Initiative-Sprecher Dieter Zorbach, der auch Landessynodaler der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ist, Pfarrer Jadallah Shihade kennen. Der Pfarrer einer protestantischen Gemeinde im Palästinensergebiet setzt sich schon lange für ein friedliches Miteinander von Christen, Juden und Muslimen ein.

 

Das Gespräch endete mit einer Einladung Zorbachs an Shihade, mit jungen erwachsenen Israelis einmal an den Mittelrhein zu kommen, um dort Gleichaltrige kennen zu lernen. „Zu Gast am Mittelrhein“ ist der Arbeitstitel für das Jugendtreffen mit Israelis und Palästinensern, das der Annäherung zwischen Christen, Juden und Muslimen dienen soll. Zorbach, Shihade und der Jugendreferent des evangelischen Dekanates St. Goarshausen, Andreas Kleemann, hoffen, dass sich jetzt auch am Mittelrhein junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 27 Jahren für einen solchen Austausch begeistern lassen, die das etwa zweiwöchige Programm mit den jungen Gästen aus Israel im August 2011 gemeinsam gestalten und erleben. „Das können etwa Oberstufenschüler, Studenten, Lehrlinge oder Zivildienstleistende sein“, erklärt Kleemann. Wer keine Schul- oder Semesterferien habe, könne eventuell auch im Rahmen eines Bildungsurlaubs an dem Austausch teilnehmen. „Ein Gegenbesuch in Israel ist ebenfalls angedacht.“

„Man kann sich immer wieder die Bilder im Fernsehen von Friedensverhandlungen anschauen und wie die Hoffnungen von Raketen wieder getrübt werden“, sagt Dieter Zorbach; gerade der Austausch unter jungen Leuten könne dagegen einen ganz praktischen wesentlichen Beitrag zum Frieden im Nahen Osten leisten, sind Zorbach und Kleemann überzeugt. Friedensarbeit gestalten, damit die gängigen politischen Sichtweisen reflektiert und ein Freund-Feind-Denken fragwürdig wird, ist ein Ziel des geplanten Austauschs. Die Begegnung und der Austausch unterschiedlicher und doch verwandter Religionen wie es bei Juden und Christen, aber auch muslimischen Ausdrucksformen gelebten Glaubens der Fall ist, sollen einen Schwerpunkt bilden. Ebenso ein gemeinsames Nachdenken über die Frage, wie äußere Mauern mit inneren Mauern im Denken und Handeln in Verbindung stehen. Zorbach: „Darüber möchten wir etwa während eines geplanten Besuchs in Berlin miteinander nachdenken und sie hinterfragen.“

Begegnungen schaffen und Einander besser verstehen lernen – das steht für Andreas Kleemann im Mittelpunkt des Besuches am Mittelrhein und wird damit auch einer Forderung des so genannten „Kairos-Papiers“ gerecht. In dem nicht unumstrittenen Papier riefen palästinensische Christen im Dezember 2009 unter anderem Christen in anderen Ländern auch dazu auf, sich für eine Begegnungs- und Friedensarbeit stark zu machen und so langfristig die Israel und die Westbank trennende Mauer einzureißen. „Zumindest in diesem Passus können wir als Christen einen Friedensdienst leisten“, so Zorbach.

Bei einem Arbeitstreffen in Bornich wurde darüber nachgedacht, was für den Besuch der Israelis und Palästinenser und den Austausch mit den Deutschen alles beachtet werden muss. Unterkunft, Sprachbarrieren, die Beachtung jüdischer Kultur etwa auch bei der Auswahl der Speisen waren Themen. Wichtige Hinweise lieferte dabei die Mitwirkung von Odelia Lazar. Neben Vertretern der evangelischen Landeskirche wie dem Leiter des Zentrums Ökumene Detlev Knoche, Jörg Walther von der Evangelischen Jugendarbeit und Pfarrer Peter Fleckenstein aus Ingelheim unterstützten auch der stellvertretende Dekan Armin Himmighofen und Ruppertshofens Pfarrer Michael Wallau die Vorbereitungen des Besuchs aus Israel. So viel steht fest: Viel Arbeit liegt noch vor den Gastgebern, bevor das kleine Stück Friedenspolitik am Mittelrhein in die Tat umgesetzt werden kann. Bernd-Christoph Matern

Bildunterzeile: Arbeitsatmosphäre im Bornicher Pfarrhaus (am Tisch von links): Dieter Zorbach, Andreas Kleemann, Michael Wallau, Odelia Lazar, Detlev Knoche und Peter Fleckenstein diskutieren den erwarteten Besuch junger Erwachsener aus Israel.