Dem Organisten bei Franz Liszt auf die Finger geschaut Drucken E-Mail

thumb_1orgel_im_gesprch_0011BAD EMS. (12. Oktober 2011) Voll besetzt war die Orgelempore der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Kirche in Bad Ems zur diesjährigen Folge der Reihe Orgelmusik im Gespräch. Dekanatskantor Ingo Thrun hatte für die zahlreich erschienenen Orgelfreunde ein Werk des diesjährigen Jubilars Franz Liszt ausgewählt, dessen Geburtstag sich am 22. Oktober zum 200. Mal jährt.

"Praeludium und Fuge über B-A-C-H" heißt der Werkkomplex, um den es bei den Erläuterungen zu Leben und Werk Franz Liszts sowie bei der klanglichen Präsentation auf der Orgel ging. So erfuhren die Zuhörer Einzelheiten über die Beschäftigung Liszts mit der Orgel im Zusammenhang der Orgelweihe der seinerzeit größten Kirchenorgel Deutschlands im Merseburger Dom (1855). Eigentlich sollte das Werk, das mit den Buchstaben des berühmten Orgelkomponisten spielt, zur Einweihung des Instruments erklingen, doch das schaffte Liszt dann doch nicht.

Auf der Bad Emser Orgelempore erzählte Thrun auch Wissenswertes über die Entstehung des Werkes im Umfeld von Liszts Tätigkeit als Weimarer Hofkapellmeister. Zahlreiche Schüler hatte Liszt um sich geschart; einer von ihnen, Alexander Winterberger mit seinen herausragenden Fähigkeiten als Orgelvirtuose, war neben der Domorgel der entscheidende Impulsgeber für die Komposition des B-A-C-H- Werkes.

Interessantes über den harmonischen und formalen Zusammenhang der beiden Werkteile erläuterte Thrun anschaulich anhand des Stückes. So blieben für die Zuhörer gut nachvollziehbar die Benennung der typisch Lisztschen Kompositionstechniken, wie die Vermeidung allzu früher eindeutiger tonaler Verhältnisse oder die Verzahnung der einzelnen Formteile mittels verschleierter Übergänge und raffinierter melodischer Vorausnahmen.

Dankbarer Applaus belohnten Kantor Thrun für seine lehrreichen Erläuterungen, doch eher wollten die Zuhörer nicht gehen, bis Thrun zum Abschluss das gesamte Werk im Zusammenhang zu Gehör brachte. „Das war ein sehr beeindruckender Nachmittag mit einem interessanten und facettenreichen Stück“, so fasste eine Zuhörerin den Eindruck dieser Orgelmusik zusammen. Am Ende kam dann noch ein ansehnlicher Kollektenbetrag für den Orgelneubau in der evangelischen Martinskirche zusammen.