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 DRESDEN/RHEIN-LAHN. (6. Juni 2011) Mehr als 100 Menschen aus den drei evangelischen Rhein-Lahn-Dekanaten Diez, Nassau und St. Goarshausen zeigten sich vom Besuch des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Dresden hellauf beeindruckt. Trotz einiger organisatorischer Mängel, die dem unerwartet großen Ansturm von Besuchern geschuldet waren, weckte die Teilnahme an der Elbe sogar bei großen wie kleinen Gästen, die erstmals einen Kirchentag besuchten, die Lust, beim nächsten Protestantentreffen in Hamburg 2013 wieder dabei zu sein.
"Vor allem die musikalischen Sachen wie die Wise Guys, Aura Dione oder Viva Voce haben mir sehr gut gefallen", sagt Philipp Bodewing aus Altendiez, der auch das Informationsangebot, etwa zu Organspenden beim Markt der Möglichkeiten, nutzte. Die Diskussion mit Bundespräsident Christian Wulff zu Demokratie und Integration ist Johanna Richter in guter Erinnerung geblieben. In Hamburg will sie auf alle Fälle wieder dabei sein: „Weil ich Kirchentag einfach cool finde“, so die 15-Jährige. Carina Kitschke, die erstmals einen Kirchentag besuchte, und Lena Kuhs hat der Aufenthalt ebenfalls gefallen, gerade die tolle Musik.
Mit der Unterkunft haben die Diezer etwas Pech. „Wir waren mehr als eine Stunde vom Quartier entfernt – da kommt die Gemeinschaft etwas kurz und es war fast unmöglich, die Bibelarbeiten am Morgen zu besuchen“, bedauert Gemeindepädagogin Sabine Güntner etwas. Aber das Angebot selbst, insbesondere die kreativen Ideen für Jugendliche, haben ihr Interesse geweckt.
  Das Aufgebot an kulturellen Highlights im 2350 Punkte umfassenden Programm war selten zuvor so groß wie in Dresden, und das für jeden Geschmack: Hier stehen die Leute für die „Prinzen“ oder „Laith Al-Deen“ Schlange, dort ist das Konzert mit dem Thomaner-Chor überfüllt, weil nicht mehr als 4000 Menschen in die Kreuzkirche passen, gleichzeitig sprengen 10.000 Zuhörer beim Symphoniekonzert auf der Brühl‘schen Terrasse das Fassungsvermögen des Platzes davor. Zur gleichen Zeit warten die Menschenmasse vor dem Kulturpalast auf den Auftritt von Kabarettist, Sänger, Schauspieler und Poet Bodo Wartke. Er hat die Kirchentagslosung in bewährt nachdenklich-komischer Form in ein Lied verpackt, das er zur Eröffnung am Elbufer erstmals präsentierte. Wer die Bibelarbeit mit Eckart von Hirschhausen in der Halle miterleben will, muss mindestens 60 Minuten vorher da sein. Mit Sätzen wie "Reichtum ist, wenn jemand weiß, dass er genug hat" oder "Geld schafft soziale Distanz" ergattert der Mediziner, der Bibeltexten neurologische Wahrheiten bescheinigt, lauten Beifall. Tausende später dazu Gekommene drängen sich wie beim Auftritt der Kölner Kabarettisten „Klingelbeutel“ vor der Außenübertragung. Und so bilden sich überall in der Stadt lange Schlangen, die auf einen Platz für ihre Favoriten-Veranstaltungen hoffen, manchmal auch vergebens, früh am Morgen und bis spät am Abend, etwa bei der Uraufführung von "Stella Maris", einem Marienoratorium mit Iris Berben als Sprecherin.
"Schlange stehen muss man können“, sagt Hans A. Walter aus Dausenau, der den Kirchentag mit seiner Frau auch zur Entdeckung von „Elbflorenz“ nutzt. „Wir sind zum ersten Mal hier - eine tolle Stadt“. Dabei wird es in den Warteschlangen nie langweilig. Immer wieder wird zu wunderbaren Spontanchören angestimmt, einige machen den Anfang und dann singen tausend andere Besucher mit. Zu „Wiederholungstätern“ fühlen sich Jutta und Uli Werner aus Miehlen animiert. Die hochkarätig besetzten politischen Podien, der religiöse und ökumenische Dialog sowie die kulturellen Top-Angebote haben sie ebenso beeindruckt wie das geistliche Miteinander: „Mit 3000 Menschen Abendmahl zu feiern, war ein einzigartiges Erlebnis.“
  Anja Gemmer, Präses des Dekanats St. Goarshausen und erfahrene DEKT-Besucherin, beeindruckt in Dresden vor allem die Freundlichkeit ihrer Gastgeber in einem Gymnasium des vermeintlich „säkularen“ Dresden, wo die Mehrheit der Menschen weder getauft ist noch einer Kirche angehört. „Ich finde es großartig, mit welcher Begeisterung sich die Schüler hier freiwillig um uns kümmern.“
Mit dabei sind auch wieder viele Bläser aus dem Rhein-Lahn-Kreis. Neben zwei kleinen Auftritten in der Stadt unter Leitung von Petra Wiegand aus Nassau gehört für die Musiker aus Dachsenhausen, Dausenau und Nassau in Dresden ein Abendauftritt mit Gunther Emmerlich an der Elbterrasse und wieder die Mitwirkung am Abschlussgottesdienst zu den bleibenden Eindrücken der Reise. „Das ist einfach eine unbeschreiblich bewegende Atmosphäre“, schwärmt Petra Wiegand.
Auch wenn sich Heidi Jung aus Dausenau etwas wundert, dass eine für die Schöpfung engagierende Kirche so viel Plastikabfall produziert – Erlebnisse wie der Auftritt von 4000 Bläsern oder der Abendsegen am Eröffnungstag mit 150.000 brennenden Kerzen und 20.000 auf der Elbe schwimmenden Lichtern machen auch für sie die Teilnahme am Kirchentag zu einem in Deutschland unvergleichlichen Erlebnis, das sich niemand entgehen lassen sollte. Bernd-Christoph Matern
Bildunterzeile (Foto oben links):
Bläser aus dem Rhein-Lahn-Kreis gestalteten den Abschlussgottesdienst mit.
(Foto oben rechts):
Kirchentagsbesucher aus den Dekanaten Nassau und St. Goarshausen hatten einen „Sitzplatz“ zum Abschlussgottesdienst ergattert. Fotos: Bernd-Christoph Matern
Weitere Berichte über die Rhein-Lahn-Besucher des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages finden Sie hier und hier.
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