Einsamkeit f?hrt Telefonseelsorge 2010 an Kapazit?tsgrenze Drucken E-Mail

thumb_1a-telefonseelsorgefotopueschelKOBLENZ/RHEIN-LAHN. (9. März 2011) Die "TelefonSeelsorge Mittelrhein", die auch Anrufe aus dem Rhein-Lahn-Kreis entgegennimmt, hat ihren Jahresbericht für 2010 vorgelegt. Aus den insgesamt 29.837 Anrufen ergaben sich im vergangenen Jahr 12.608 Beratungs- und Seelsorgegespräche mit Menschen in Krisen und Notsituationen. Bis auf wenige Stunden (0,8 Prozent), war der Anschluss ganzjährig rund um die Uhr besetzt. Zu den besonders häufigen Anlässen für den Griff zum Telefon gehören nach wie vor Schwierigkeiten in Familie oder Partnerschaft; gegenüber den Vorjahren wurden die Themen „Suizid“ oder „Einsamkeit“ häufiger genannt.

Auch viele Menschen mit psychischen Krankheiten finden bei den 14 Männern und 70 Frauen, die ehrenamtlich am Sorgentelefon ihren Dienst tun, einen gut geschulten Gesprächspartner. Trotz der fast lückenlosen Präsenz am Telefon häufen sich die Stimmen von Anrufenden, die erst nach mehreren Versuchen eine freie Leitung bekommen. Ulrich Heinen weiß, dass die Erreichbarkeit an Kapazitätsgrenzen stößt: „Insbesondere nach Schulschluss wird unsere Leitung – neben den durchaus ernst zu nehmenden Anrufen von Kindern und Jugendlichen – oft durch Scherzanrufe blockiert. Wer in Not ist, muss dann unnötig warten.“

Aber auch unabhängig davon komme es zu Engpässen: „Zu den Spitzenzeiten von 17 bis 23 Uhr bräuchten wir eigentlich eine zweite Telefonleitung“, so Heinen. Dies sei allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt wegen der begrenzten Zahl an ehrenamtlich Mitarbeitenden „menschlich nicht leistbar“, bedauert der Diplom-Sozialpädagoge, der als hauptamtlicher katholischer Mitarbeiter gemeinsam mit Pfarrerin Ellen Simon und Eva Liedtke, der Vorsitzenden thumb_1telefonseelsorgeko-fotopuescheldes Vereins „TelefonSeelsorge Mittelrhein e.V.“, an einer konstruktiven Lösung des Problems arbeitet.

Auch finanziell haben sich im vergangenen Jahr schmerzliche Grenzen gezeigt. Die Kosten überstiegen auch im Jahr 2010 die Einnahmen, so dass der Jahresabschluss des Dienstbetriebshaushalts 2010 einen Fehlbetrag auswies. Getragen wird die TelefonSeelsorge gemeinschaftlich vom Bistum Trier und dem Evangelischen Kirchenkreis Koblenz zu insgesamt 65,5 Prozent der Betriebskosten. Die verbleibenden 34,5 Prozent werden aus verschiedenen anderen Quellen gedeckt, unter anderem auch durch eine Beteiligung des Vereins „TelefonSeelsorge Mittelrhein e.V.“ und der Ehrenamtlichen. Diese trugen 2010 immerhin fast zwölf Prozent der Ausgaben.

Ulrich Heinen und Ellen Simon loben das unermüdliche Engagement des Vorstands und der Vereinsmitglieder, ohne die dieses einzigartige Angebot für Rat Suchende nicht aufrecht zu erhalten wäre. Gleichzeitig bereitet ihnen die wachsende Mittelknappheit bei den Kommunen Sorge: „Der Anteil der öffentlichen und kommunalen Zuschüsse fällt mit 6,6 Prozent vergleichsweise gering aus, was damit zusammenhängt, dass diese Zuschüsse bei den Kommunen als ‚freiwillige Leistungen’ gelten, auf die kein Anspruch besteht.“

Die ökumenische Einrichtung der christlichen Kirchen steht mit ihrem Angebot allen Ratsuchenden offen - unabhängig von Alter, Geschlecht, Nationalität und Konfession. Anrufende erreichen die TelefonSeelsorge Mittelrhein anonym, kompetent und rund um die Uhr über die bundeseinheitlichen Rufnummern 0800-1110111 und 0800-1110222 sowie mittlerweile auch über die 116123. Katrin Püschel

Bildunterzeile Foto rechts:
Legten den Jahresbericht vor (von links): Vereinsvorsitzende Eva Liedtke, Pfarrerin Ellen Simon und Diplom-Sozialpädagoge Ulrich Heinen. Fotos: Katrin Püschel
 

Den kompletten Jahresbericht finden Sie hier.