Erster Pop-Gottesdienst in Diez spricht 200 Menschen an Drucken E-Mail

thumb_1pop0511bandDIEZ/RHEIN-LAHN. (31. Mai 2011) Zum vollen Erfolg wurde der erste Pop-Gottesdienst, zu dem die evangelische Kirchengemeinde St. Peter zu Diez eingeladen hatte. Mehr als 200 Besucher aller Generationen füllten das Gotteshaus und ließen sich vom Klang, Gesang und der auf die Popsongs abgestimmten Predigt von Pfarrer Daniel Cremers mitreißen. „Musik verbindet Alt und Jung“, begrüßte Cremers mit einem freudigen Blick in die voll besetzten Reihen der St. Peter-Kirche die Besucher, die aus der gesamten Region kamen.

Popmusik im Speziellen spricht dabei besonders viele Menschen an, widmet sie sich in ihren Texten doch den wichtigsten Empfindungen des Lebens wie Liebe, Schmerz und Freude. Mit der Musikgruppe, die der Theologe von seiner ehemaligen Wirkungsstätte in Remscheid mitgebracht hatte, stand zur Interpretation der Lieder eine professionelle Band im Altarraum, die einen perfekten Sound ins Kirchenschiff zauberte.

thumb_1pop0511jenniferhannemannquerAllen voran die Kölner Sängerin Jennifer Hannemann sorgte mit ihrer Stimme für ein musikalisches Wohlgefühl. Sie sang auch die beiden Lieder von Annett Louisan, die Grundlage der Predigt der Popgottesdienst-Premiere waren: „Chancenlos“ und „Vielleicht“.

An die ständigen „Warums?“, die sich der Mensch immer wieder stellt, erinnerte Cremers in seiner Predigt und bezog auch dabei alle Altersgruppen ein. Trauernde, Schüler, die trotz Lernen keine gute Note bekommen, von ihrem Mann verlassene Frauen und Kinder, gekündigte Arbeitnehmer – ihnen allen sei dieses „Warum?“ sehr vertraut. „Worin liegt der Sinn am Schönen und Schrecklichen? Ist das alles nur Schicksal?“, fragte der Pfarrer. So wie die Musik die Menschen in der Kirche ansprach, war auch Cremers mit seinen Worten ganz nah an deren Fragen.

thumb_1pop0511pfarrerubandEin eindeutiges „Darum“ als Antwort gebe es nicht, da bleibe allenfalls ein „Vielleicht“ im Kopf. „Vielleicht ist unsere Liebe nur eine Laune der Natur“, hieß es in dem Popsong Louisans. Der Theologe erinnerte an das Buch Kohelets aus dem Alten Testament. Den quälten bereits vor mehr als 2000 Jahren genau jene Fragen, mit denen sich die Titel von Annett Louisan heute noch beschäftigen.

Am Ende seiner fieberhaften Forschung stehe bei Kohelet allerdings kein „egal“ oder Resignation, sondern überraschenderweise ein Bekenntnis zum Glauben. Der Glaube könne zwar nicht erklären, warum der eine ein Glückspilz und der andere ein Pechvogel ist, „aber er vermag es, einen Menschen durchs Leben zu tragen“, so Cremers. Und in Jesus, der zum Zeitpunkt Kohelets noch nicht lebte, habe sich Gott erkennbar gezeigt. Der Segen Gottes werde Christen an ein Ziel führen, ohne dass dies sofort zu verstehen sei und ohne ein „vielleicht“.

Die Verbindung zwischen modernem Pop-und altem Bibel-Text war nicht das einzige Element, das die Besucher in der St. Peter-Kirche ansprach. Statt der konventionellen Gesangbuch-Lieder sorgte die Band mit Jennifer Hannemann, Christoph Spengler (Keyboard), Nico Lux (Schlagzeug) und Anja Spengler (Gesang) auch für poppige Melodien mit neuem geistlichem Liedgut, bei dem auch die Gemeinde mitsang oder einfach nur zuhörte und die schönen zu Herz und Seele gehenden Harmonien genoss. Bernd-Christoph Matern