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Evangelische Kirchengemeinde Nassau betet viereinhalb Stunden Drucken E-Mail

thumb_1a-gebete1190610NASSAU. (30.Juni 2010) „Gebete haben ihre eigene Kraft“, heißt es in einem Schlager. In dieser zentralen Glaubenspraxis des Christentums übte sich jetzt die evangelische Kirchengemeinde Nassau auf besondere Art und Weise. Einen ganzen Nachmittag lang betete sie für alle ihre 2025 Gemeindeglieder, in dem sie Jede und Jeden namentlich nannte. Dazu wurden fast 100 Lichter auf den Leuchter in der evangelischen Johanniskirche gestellt, für jede Straße in Nassau, dem Ortsteil Bergnassau-Scheuern und Winden eine Kerze als ein Hoffnungszeichen für die Menschen, die dort leben.

Den katholischen Mitchristen waren ebenfalls leuchtende Kerzen gewidmet ebenso wie all jenen, die vielleicht nicht namentlich genannt wurden, aber trotzdem zur Gemeinde gehören. Bezirk für Bezirk, Straße für Straße leisteten die Kirchenvorsteher so vom Mittag bis zum Abend Fürbitte. „Gott der Herr erhöre all unsere und Ihre Gebete und behüte thumb_1a-gebete2190610unsere Gemeinde auf ihrem Weg in eine unbekannte Zukunft!“, sagte Gemeindepfarrerin Dr. Brigitte Menzel-Wortmann. Auch persönliche Gebetsanliegen konnten von den Gemeindegliedern eingebracht werden.

Trotz des ständigen Kommen und Gehens herrschte eine besinnliche Atmosphäre in dem evangelischen Gotteshaus. Zwischen zehn und 20 Menschen waren während der viereinhalb Stunden immer in der Kirche anwesend. Acht Kirchenvorsteher teilten sich die nicht ganz leichte Aufgabe, die Namenslisten Zeile für Zeile zu verlesen.

Die Idee zu dem außergewöhnlichen Gebetsnachmittag wurde im neuen Kirchenvorstand der Gemeinde geboren. „Wir hielten das für besonders wichtig, weil immer mehr ältere und hinfällige Gemeindeglieder nicht mehr in die Kirche kommen können", erklärt Menzel-Wortmann. „Aber auch all denen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr in die Kirche kommen, wollten wir zeigen, dass sie zur Christengemeinde dazu gehören und bei uns einen ‚guten Namen‘ haben", so die Theologin. „Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen; Du bist mein", heiße es beim Propheten Jesaja und das bleibe gültig für alle.

"Es war ein sehr anrührender Nachmittag mit einer ganz besonderen Atmosphäre", sagte eine Kirchenbesucherin, nachdem die Gemeindeglieder des westlichen Stadtgebietes von Nassau verlesen waren. Zwischen den Gebetsabschnitten herrschte Stille in dem Gotteshaus oder es erklang meditative Musik. „Ich war ja erst etwas skeptisch, als der Vorschlag im Kirchenvorstand diskutiert wurde“, gesteht deren Vorsitzende Ursula Wiese. „Aber ich muss sagen: Es war ein ausgesprochen positives Erlebnis, das in Worten eigentlich gar nicht auszudrücken ist.“ Und diesen Eindruck hätten auch alle anderen Kirchenvorsteher von dem ersten Nassauer Gebetsnachmittag für die Gemeindeglieder mit nach Hause genommen. (bcm)/ Fotos: Wagner