Evangelischer Kirchenchor Miehlen singt die Festpredigt Drucken E-Mail

thumb_1evkirchenchormiehlen11-2010MIEHLEN. „Singet in den Kirchen, singet auf den Straßen“ – das ist nicht nur ein Liedsatz aus dem Repertoire des Chores, sondern könnte auch Motto des evangelischen Kirchenchores Miehlen sein. In diesem Jahr blickt er auf eine 90-jährige Geschichte zurück, in der das Lob Gottes und die Gemeinschaft stets im Mittelpunkt standen.

"Im November 1921 machte sich Herr Pfr. V. Lengerke die Mühe, die Begründung eines Kirchenchores vorzunehmen", heißt es in einem kleinen schwarzen Schulheft, das von 1921 bis 1927 als Protokollbuch des Chores diente, dem einzigen schriftlichen Hinweis auf das Gründungsdatum. Mit der Aufnahme in den Verband der „Evangelischen Kirchengesangsvereine im Konsistorialbezirk Wiesbaden“ im Februar 1922 war ein weiterer wichtiger Schritt der Gründung getan.

Pfarrer von Lengerke übernahm den Vorsitz zusammen mit David Groß und Georg Hahn den Dirigentenstab, der gleichzeitig zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Nach dessen Tod 1949 gab der Lehrer Adolf Schild bis 1956 Ton und Takt an, wie sich Gerdi Nemnich, heute dienstälteste Sängerin, erinnert. Die folgenden drei kleinen „Krisenjahre“ beendete der neue Miehlener Gemeindepfarrer Wilhelm Matern. „Ich wollte, dass Helmut Hahn, jüngster Sohn von Georg Hahn und Organist der Gemeinde, den Chor übernimmt“, erinnert sich Matern. „Aber der meinte, das soll ich selbst machen; Hahn begleitete uns fortan beim Einüben der Sätze am Klavier.“

Schon an Weihnachten 1959 wurde wieder im Gottesdienst gesungen und der Chor erlebte eine neue Blütezeit. Das Wort Krise gehört seitdem zur Vergangenheit. Mit 40 Sängerinnen und Sängern verfügt der Chor heute über etwa genauso viele aktive Mitglieder wie in den Gründungsjahren. Im Vorstand übernahm Wilhelm Schmidt das Zepter, dem Herbert Plewe 1965 folgte. 1986 gab der sein Amt in jüngere Hände; weil sich die Nachfolge schwierig gestaltete, wurde mit Gaby Bindczeck und Ulrich Groß erstmals ein Vorstands-Duo gebildet, das nun seit 25 Jahren die Geschicke des Chores lenkt. 1991 gab Wilhelm Matern den Taktstock an Sohn Bernd-Christoph weiter.

Der Kirchenchor ist eine sehr rührige Gruppe in der evangelischen Kirchengemeinde. Neben der musikalischen Umrahmung von neun Feiertagsgottesdiensten singt er zu festlichen Anlässen in der Gemeinde, begleitet Trauerfeiern, Geburtstage und Jubiläen mit seinem Gesang. Gut besucht ist seine alljährliche Abendmusik an Buß- und Bettag. Das Miteinander der Kirchenchorfamilie wird bei einer Vier-Tagesfahrt, dem Schnitzelessen in der Fastnachtszeit, einem Grillabend im Sommer und dem Familienabend im Advent gepflegt sowie bei Wanderungen, die erstmals im Jahr 1923 (damals ging es durchs Mühlbachtal) belegt sind.

Ob in Gotteshäusern, auf Bühnen oder am Rastplatz auf der Autobahn: der Chor hat stets das passende Lied auf den Lippen. „Wir möchten den Menschen in ihren Alltag ein Stück von der tröstenden, stärkenden und fröhlich machenden Botschaft des Glaubens ,weitersingen´“, sagt Chorleiter Bernd-Christoph Matern. Einen „klitzekleinen“ Ausschnitt aus seinem mittlerweile rund 300 geistliche und 200 weltliche Chorsätze umfassenden Repertoires verspricht er zum Festgottesdienst aus Anlass des 90-jährigen Bestehens am Sonntag Cantate, dem 22. Mai um 17 Uhr in der evangelischen Kirche, den der Chor mitsamt einer musikalischen Predigt gestaltet. Der Gottesdienst steht unter dem Motto „Strahlen brechen viele aus einem Licht“.

Anschließend ist die ganze Gemeinde zum Empfang ins Gemeindehaus eingeladen.