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DIEZ. (13. Juli 2011) Wenn in der Sommerzeit viele holländische Autokennzeichen das Bild in der Grafenstadt Diez prägen, dann gibt es neben den touristischen Reizen, die die Stadt an der idyllischen Lahn zu bieten hat, noch einen anderen Grund: Diez ist die Wiege des heutigen niederländischen Königshauses. Die Wurzeln der deutsch-niederländischen Beziehungen gehen mehr als 300 Jahre zurück. In der evangelischen Stiftskirche wurden sehenswerte Zeugnisse dieser Geschichte jetzt frisch restauriert für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
In der evangelischen Stiftskirche befindet sich nicht nur der Sarkophag der Fürstin Amalie von Nassau-Diez, achtfache Ur-Großmutter der niederländischen Königin. Die Diezer gedachten mit einem Festgottesdienst an den 300. Todestag von Amalies Sohn Johann Wilhelm Friso, den Stammvater der jüngeren oranischen Linie und verbanden damit gleichzeitig den Dank an viele Menschen und Institutionen, die eine Neubettung von Amalies Töchtern in der Kirchengruft ermöglichten sowie die erfolgreiche Restaurierung von Amalies Sarkophag.
Die Fürstengruft unter dem Mittelgang der Stiftskirche - sie wurde 2005 aufgrund ihres schlechten Zustandes gesperrt – zeigt sich rechtzeitig zum Diezer Oranierjahr 2011 gelungen saniert. Sie wurde Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut und diente als Ruhestätte für die unverheirateten Töchter der Fürstin. Eine Diezer Initiativgruppe setzte sich seit 2005 für eine würdige Neubettung der Oranierprinzessinnen ein, die ethische, gesundheitliche, kulturelle und touristische Belange berücksichtigen sollte.
Der Kellerraum der Kirche erhielt Anfang des Jahres innerhalb eines Sanierungszeitraums von knapp drei Monaten eine Belüftungsanlage, und die mit goldenen Lilien verzierten, schwarz lackierten Zinksärge der fünf Prinzessinnen – wessen Gebeine sich in einem weiteren Sarg befinden, ist ungewiss – wurden restauriert. Die dort ebenfalls in einer Holzkiste aufbewahrten Gebeine dürften von den Personen stammen, dessen Grabplatten sich noch in der Kirche befinden. Sie wurden jüngst in einer ökumenischen Trauerfeier auf dem Diezer Friedhof beigesetzt, um eine wahrhaft letzte Ruhestätte zu finden.
Besondere Attraktion der Restaurierung: Eine Glasplatte wird künftig den Blick in die Gruft ermöglichen. Von einer niederländischen Stiftung stammt eine die Scheibe abdeckende Wappen-Messing-Platte, die der Öffentlichkeit nach dem Festgottesdienst erstmals präsentiert wurde. Die Stadt Diez fungierte als Bauträger der rund 130.000 Euro umfassenden Sanierung, an der sich das Land mit 80 Prozent und die Stadt mit 20 Prozent beteiligte.
Sanierungskunst vom Feinsten bewiesen bereits im vergangenen Jahr die Restauratoren an dem aus Lahnmarmor und weißem Alabaster von Diezer Steinmetzen gefertigten Sarkophag, der einst in der Gruft stand und Anfang des 20. Jahrhunderts im Kirchenschiff einen neuen Platz fand. Bis ins kleinste Detail wurden dort die Verzierungen in vier Monaten erneuert und damit vor ihrer Überalterung bewahrt. Die dafür notwendigen Kosten in Höhe von 90.000 Euro teilten sich Kirchengemeinde (25.000 Euro), Landeskirche (40.000 Euro) und die Landesdenkmalpflege. Auch daran beteiligte sich die niederländische Stiftung.
"Wenn wir jetzt schon solch historisch bedeutende Sehenswürdigkeiten in unserer Kirche saniert bekommen haben, wollen wir sie auch der Öffentlichkeit öfter als bisher zugänglich machen“, sagt Kirchenvorstandsvorsitzenden Dieter Wedlich. Deshalb ist die Stiftskirche in den Sommermonaten dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, und das nicht nur für Besucher mit niederländischen Kennzeichen. Bernd-Christoph Matern
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