Fortbildung f?r hilfreiche Besuche in Gemeinde absolviert Drucken E-Mail

thumb_1bdk-ab121111vonobenMIEHLEN/RHEIN-LAHN. (2.Dezember 2011) „Ich habe große Hochachtung vor dem, was sie tun“, zollte Anja Gemmer, die Vorsitzende der Synode des evangelischen Dekanats St. Goarshausen einem Dutzend ehrenamtlicher Mitarbeiter großen Respekt, die in den Kirchengemeinden des Dekanats im Besuchsdienst arbeiten. Frauen und Männer von Lorch bis Singhofen hatten in Miehlen an einer zehn Abende umfassenden Fortbildung mit dem Titel „Ich geh in fremde Häuser…“ teilgenommen und erhielten jetzt während einer Abschlussfeier ihre Zertifikate.

"Wir kennen alle die guten Sprüche der Bibel, sie tragen ja auch, aber eben nicht immer“, sagte Gemmer weiter. Es sei leider auch im ländlichen Raum mehr denn je der Fall, dass Menschen über Tage hinweg mit niemandem mehr sprechen könnten. „Da ist es gar nicht hoch genug zu bewerten, dass sie bei Menschen an der Tür klingeln, um dies zu tun.“ Und wenn die Besuchten, denen es schlecht ging, merken, dass sie mit liebenden Augen angesehen werden, fühlten sie sich auch von Gott angesehen. Gemmer hoffte, dass der Kurs ebenso geholfen habe, die nötige Distanz zu bewahren, damit die nicht selten belastenden Gespräche nicht mit nach Hause genommen werden.

thumb_1bdk-ab121111empfang"Es ist nicht gut, dass sich so viele ältere oder kranke Menschen zurückziehen“, begründet Waltraud Krüger aus Bogel ihr Engagement im Besuchsdienst der evangelischen Kirchengemeinde Ruppertshofen. „Ich nehme sie dann schon mal mit in die Kirche oder zum Spazieren“, so die Teilnehmerin des Kurses. Der gab ihr neue Impulse für den Dienst, den sie zusammen mit Friedhelm Willmann aus Bogel besuchte. „Mir macht es einfach Spaß, auf Menschen zuzugehen“, erklärt dieser, warum er die Aufgabe übernommen hat, Geburtstagsbesuche zu machen. „Ich hoffe, dass es irgendwann eine Fortsetzung des Kurses gibt“, sagt Sigrid Dressler aus Miehlen, die seit 1999 die neu Zugezogenen im Auftrag der Kirchengemeinde besucht. „Ich gehe gern in fremde Häuser“, spielt sie auf das Motto des Kurses an. Dort seien sehr gute Gespräche geführt, Hilfen aufgezeigt und auch Probleme angesprochen worden, dass man Besuche beispielsweise nur dann machen sollte, wenn es einem selbst gut geht. „Gerade den – selbstverständlich vertraulichen – Austausch unter den Besuchsdienstmitarbeitern halte ich für sehr wichtig.“

Claire Metzmacher, Bildungsreferentin der evangelischen Kirche Rhein-Lahn, und Pfarrer Armin Himmighofen aus Niederwallmenach, die den Kurs geleitet hatten, sprachen in einem Abschlussgottesdienst noch einmal entscheidende Grundlagen für den anspruchsvollen ehrenamtlichen Dienst an, ob es um die Besuche bei Neubürgern, zu Geburtstagen, von kranken Menschen oder einsamen gehe. Geduld, Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, auch unfreundliche Reaktionen nicht persönlich zu nehmen, seien dabei unter anderem gefragt. „Für die Kirchengemeinde ist das auch eine Möglichkeit, von der Basis her Gedanken für die gemeindliche Arbeit zu gewinnen“, sagte Armin Himmighofen, der die Gemeinde mit einer Wandergruppe verglich, „in der es Menschen braucht, die nach denen gucken, die nicht so schnell nachkommen.“ Claire Metzmacher bat die Kirchenvorstände, ihren Besuchsdiensten Rückendeckung zu geben und deren Arbeit wert zu schätzen. „Das ist ein großer Schatz, wenn Menschen die Welt ein Stück in fremde Stuben bringen.“ Bernd-Christoph Matern 

Zum Foto (oben links): Pfarrer Armin Himmighofen (links) und Bildungsreferentin Claire Metzmacher (rechts) mit Teilnehmern des Fortbildungskurses für Besuchsdienst-Mitarbeiter. Fotos: Matern