Freiheit ist den Deutschen wichtiger als Nachkommen Drucken E-Mail

HAMBURG/RHEIN-LAHN. (28.Juni 2011)Freiheit und Unabhängigkeit – das sind zwei Schlüsselbegriffe des evangelischen Glaubens. Und danach sehnen sich immer mehr Menschen. Allerdings nicht, um sich dabei auch in Nächstenliebe, einer weiteren christlichen Grundlage, zu üben und diese Werte an ihre Kinder weiterzugeben, sondern um mehr Zeit und Raum für die eigene Karrriere zu haben. Der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit ist einer der Hauptgründe, warum Menschen in Deutschland keine Kinder haben möchten. So geht es aus einer aktuellen Studie hervor.

Im europäischen Vergleich belegt Deutschland beim Thema Kinderfreundlichkeit den letzten Rang. Lediglich 21 Prozent der Bundesbürger sehen ihr Heimatland als kinderfreundlich an. Die Geburtenquote hierzulande ist mit 1,37 Kindern pro Frau sehr niedrig. Weshalb aber werden in Deutschland so wenige Kinder geboren? Ist es der fehlende Partner oder sind es die mangelhaften Voraussetzungen, um Beruf und Familie zu vereinen? Ist es der Egoismus des Einzelnen oder ungenügende gesellschaftliche Anerkennung? „Viele Deutsche haben schlichtweg Angst vor der Familiengründung“, so Professor Dr. Ulrich Reinhardt, der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung.

Die Mehrheit der Bundesbürger nennt drei wesentliche Gründe als ausschlaggebend für die geringe Anzahl an Familiengründungen: Den Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit, die Sorgen vor den finanziellen Aufwendungen für den Nachwuchs und den persönlich höheren Stellenwert der eigenen Karriere gegenüber der Familiengründung.

Innerhalb der Bevölkerung sind unterschiedliche Gründe von Bedeutung. So führen Westdeutsche eher den fehlenden Partner an (West: 41 Prozent; Ost: 32 Prozent), Ostdeutsche bemängeln dagegen die staatlichen Rahmenbedingungen (West: 43 Prozent; Ost: 58 Prozent). Große Abweichungen zeigen sich auch bei der Unterteilung nach dem Nettohaushaltseinkommen. So sehen die Besserverdienenden die eigene berufliche Laufbahn als bedeutender als eine Familiengründung an (ab 2.500 Euro monatliches Nettohaushaltseinkommen: 56 Prozent; unter 1.000 Euro: 45 Prozent).

Dies und einiges mehr geht aus einer aktuellen Repräsentativbefragung der Stiftung für Zukunftsfragen, eine Initiative von British American Tobacco, hervor, für die 2.000 Personen ab 14 Jahren befragt wurden.

Das Fazit von Professor Reinhardt: „Nur jeder fünfte Bürger hält Deutschland für ein kinderfreundliches Land. Dieser Zustand ist nicht zukunftsfähig. Wenn es um das Thema Kinder geht, äußert die Bevölkerung vor allem Sorgen und Befürchtungen. Dieser Zustand kann nur gemeinsam verbessert werden. Die Politik ist aufgefordert, die (finanziellen) Rahmenbedingungen zu stellen und die Wirtschaft sollte sich den Möglichkeiten eines familienfreundlichen Images bewusst werden. Der entscheidende Schritt muss dann selbstverständlich von den Bürgern selbst gegangen werden.“  

Die ausführlichen Untersuchungsergebnisse finden Sie hier.