Friedensbegegnung junger Erwachsener in Wort und Bildern dokumentiert Drucken E-Mail

thumb_1a-dokutrinational10-2011RHEIN-LAHN. (2. November 2011) Es waren zwei für alle drei Seiten sehr außergewöhnliche wie aufwühlende Wochen, die im Sommer junge israelische, palästinensische und deutsche Erwachsene in Kaub miteinander verbracht haben. Die Organisatoren der Begegnung, die Evangelische Jugend und die Initiative 55 plus-minus im evangelischen Dekanat St. Goarshausen, stellten im Wilhelm-Hofmann-Gymnasium in St. Goarshausen, einem der Kooperationspartner des Projektes, eine Dokumentation über den Austausch vor. Sie wurde Vertretern der Institutionen überreicht, durch deren Unterstützung die Begegnung erst möglich wurde.

Auf 70 Seiten werden darin an Hintergründe und Konzept der Begegnung erinnert, die Erlebnisse während der zwei gemeinsamen Wochen in Wort und Bildern dargestellt sowie Inhalte und Ergebnisse zahlreicher Diskussionen über die Lebensverhältnisse in Nahost und die konkreten Auswirkungen auf den Alltag in der Konfliktregion. „Wir haben die Welt nicht verändern können“, sagte Dieter Zorbach, Sprecher der Initiative 55 plus-minus. Er hatte ein Jahr zuvor bei einem Besuch von „Abrahams Herberge“, einem christlichen Haus in Beit Jala in der Westbank, die Idee zu dem Austausch. Das hätten die erneuten Anschläge nach der Rückkehr der jungen Leute ebenso gezeigt wie ein vierstündiges Verhör, dem sich ein palästinensischer Teilnehmer unterziehen musste. „Aber zwölf junge Menschen sind mit dem Bewusstsein nach Hause geflogen, dass es in ihrer Heimat so nicht weitergehen soll.“

Dass immerhin drei der deutschen Teilnehmer noch intensive Kontakte zu Israelis und Palästinensern pflegen, eine junge Frau bereits ihren ersten Flug nach Tel Aviv gebucht hat, zwei andere nach dem Abitur ein drei- beziehungsweise zwölfmonatiges Volontariat in Abrahams Herberge absolvieren wollen, sei doch schon eine sehr erfreuliche Nachwirkung der Begegnung, erklärte Rebecca Brückner vom Leitungsteam bei der Vorstellung der von ihr zusammengestellten Dokumentation. Umso wichtiger sei die Fortsetzung des Projektes im kommenden Jahr.

Didaktisch sei es sinnvoll gewesen, das Kennenlernen in Berlin an den Anfang der Begegnung gestellt zu haben, sagte Dekanatsjugendreferent Andreas Kleemann und wies auf die pädagogischen Bausteine des Projektes hin: das gegenseitige Sichern und gemeinsame Klettern sowie ein Kunstprojekt, das Anlass zu tiefgreifenden, auch schmerzlichen Diskussionen über die Macht- und Rollenverhältnisse zwischen Israelis und Palästinensern gab. „Aber durch die freundschaftlichen Bande, die bereits in Berlin geknüpft wurden, waren auch heftige Diskussionen wie über die Siedlungspolitik immer von gegenseitigem Respekt geprägt“, so Zorbach. „So waren schwere Gespräch leichter möglich.“

Manchmal seien die aber auch zu lang gewesen, meinte Ruben Brückner aus Bornich, ein Teilnehmer der Begegnung. „Manche Diskussionsrunde ging einem ganz schön an die Seele, da hätte man sich einen schöneren Tagesausklang gewünscht.“ Der Gegenbesuch soll deshalb etwas kürzer und vom Programm her entzerrter ausfallen, sind sich die Veranstalter einig. Ein „zweites Kaub“ werde die Reise ohnehin nicht werden, fürchten sie sowie die Vertreter der Landeskirche und des Fördervereins von Abrahams Herberge, der den Gegenbesuch im kommenden Jahr ebenfalls, auch finanziell, unterstützen will. „Das normalste von der Welt wäre ja, sich mit Allen auf beiden Seiten zu treffen“, so Dieter Zorbach.

Doch dagegen spricht der Alltag in der seit Jahrzehnten von Gewalt und gegenseitigem Misstrauen geprägten Region. „Das wird nicht einfach, ein entsprechendes Quartier zu finden“, erklärten etwa Pfarrerin Mechthild Gunkel, Beauftragte für Friedensarbeit beim Zentrum Ökumene der hessen-nassauischen Landeskirche und ihr Amtskollege Pfarrer Peter Fleckenstein. Froh war die Runde, mit Helga Vagts vom Förderverein von Abrahams Herberge eine weitere Mitstreiterin für das Friedensprojekt zu haben. Bernd-Christoph Matern

Zum Foto: Hoffen auf eine erfolgreiche Fortsetzung der Begegnung zwischen jungen Israelis, Palästinensern und Deutschen im kommenden Jahr in der Westbank in Israel (von rechts): Helga Vagts vom Förderverein von "Abrahams Herberge", Rebecca Brückner, Dieter Zorbach, Pfarrer Peter Fleckenstein, Andreas Kleemann, der Direktor des Wilhelm-Hofmann-Gymnasiums Fritz Schornick, Pfarrer Urs Michalke (Kaub), Pfarrer Michael Wallau (Ruppertshofen) und Pfarrerin Mechthild Gunkel (Zentrum Ökumene der EKHN). Foto: Matern