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 AAR/RHEIN-LAHN. (18.Mai 2011) Kirchen und Friedhöfe an der Aar waren das Ziel einer Radtour, zu der die Evangelische Bildung Rhein-Lahn eingeladen hatte. Zwischen Diez und Zollhaus genossen die Teilnehmer, die aus dem ganzen Kreis nach Diez gekommen waren, dabei nicht nur den herrlichen Radweg, sondern er-„fuhren“ im doppelten Sinne auch noch Wissenswertes über die jüdische und christliche Grabkultur.
Erstes Ziel nach dem Start am Diezer Bahnhof war die evangelische Kirche in Flacht, wo die Tour mit einer Andacht und dem Orgelspiel der mitgeradelten Bad Emser Kirchenmusikerin Sigrun Köpper begann. „Über ihren musealen und künstlerischen Charakter hinaus erzählen Kirchen und die Symbole, die sich darin befinden, sehr viel vom Glauben der Menschen“, sagte Claire Metzmacher, die Bildungsreferentin der evangelischen Kirche Rhein-Lahn, die die Tour organisiert hatte.
Wie Menschen über Tote geweint und sich über Taufen und Hochzeiten gefreut haben, das mache die hohen Mauern zu Orten, die der Seele Raum geben. So gab es in den Gotteshäusern in Flacht, Hahnstätten, Zollhaus und Diez nicht nur Wissenswertes über Baugeschichte und -geschichten zu erfahren. Die Radler ließen in Musik und Stille auch die Räume auf sich wirken.
Ein anderer Schwerpunkt der Tour waren Friedhöfe. In Flacht führten Kurt und Ilse Langschied die 30-köpfige Gruppe zum außerhalb des Ortes gelegenen jüdischen Friedhof. Auf der einen Seite zwar ein „unreiner“ Ort, auf der anderen aber auch einer der wichtigsten der jüdischen Gemeinschaft. „Die Anlage eines Friedhofs ist das erste, was eine jüdische Gemeinde nach ihrer Gründung zu tun hat“, so Langschied. Das Ehepaar, das im Auftrag der jüdischen Kultusgemeinde Koblenz den Friedhof pflegt, erläuterte das schlichte Beerdigungsritual, die Einbettung in die Natur, die Bedeutung von auf Sockeln oder ins Erdreich versinkenden Grabsteinen und von kleinen Steinen, die Angehörige auf die Gräber legen.
Ein ganz anderes Bild bot sich den Tour-Teilnehmern in Hahnstätten. Die Auswertung eines Fragebogens zu Symbolen und Besonderheiten der letzten Ruhestätte, mit dem die Gruppe den Friedhof kennen lernte, erweckte sehr lebendige Eindrücke bei den Besuchern. „Auch wenn es ein Friedhof ist, so macht dieser Ort doch einen sehr lebendigen Eindruck auf mich“, meinte ein Teilnehmer. Der Ort der Trauer habe parkähnlichen Charakter, sei nicht an den Rand der Gemeinde gedrängt, sondern mittendrin. Auch die sehr individuell gestalteten Grabplatten fanden Beachtung sowie die darauf verwendeten Glaubenssymbole wie Fisch, Weinstock und Reben, Pelikan oder Taube.
Reiner Keitsch erläuterte der Gruppe mit Fotografien, wie sich die evangelische Kirche, die zum Friedhofsgelände gehört, im Laufe der Zeit verändert hat, bevor eine stärkende Rast im Biergarten des Kulturhauses KREML bei Chili con Carne, Waffeln und Erdbeeren angesteuert wurde. Unweit davon empfingen Ingetraud Schneider und Pfarrer Friedrich Neumeister die Radfahrer in der katholischen Kirche Mariä Empfängnis. Die ehemalige Gemeindereferentin berichtete lebhaft und begeistert auch über ihren persönlichen Bezug zu dem kleinen Gotteshaus, das ihr zu einem Zuhause geworden sei.
Zurück in Diez fand der bewegte und bewegende Tag an der Aar einen stimmungsvollen Abschluss in der evangelischen Jakobuskirche Diez-Freiendiez. Dort wies Dekanatskantor Martin Samrock auf Details der Kirchengestaltung hin und ließ natürlich auch die Orgel ausdrucksstark erklingen. Bernd-Christoph Matern
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