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BOGEL/RHEIN-LAHN. (17.März 2011) Alleinsein muss nicht zwangsläufig mit dem Gefühl der Einsamkeit einhergehen. Das war eine Erkenntnis, die die Teilnehmerinnen des Dekanatsfrauentages mit nach Hause nahmen. Das evangelische Dekanat St. Goarshausen hatte dazu in die Mehrzweckhalle Bogel eingeladen, wo das Vorbereitungsteam um Birgit Meuer ein unterhaltsam-informatives Programm zum Thema auf die Beine gestellt hatte.
"Allein sein ist mein größter Luxus", zitierte Pfarrerin Annette Seifert in ihrer Andacht den Modezar Karl Lagerfeld und erinnerte auch an Jesus, der sich immer wieder zum Alleinsein von seinen Jüngern zurückzog, um mit Gott zu reden und daraus wieder Kraft für die Begegnung mit Menschen zu bekommen. Aus Seiferts Feder stammte auch das Anspiel. Sie, Nicole Wiehler, Birgit Meuer und Angelika Konkel-Hansmeyer mimten die Mitglieder einer Selbsthilfegruppe „Gemeinsam sind wir weniger allein“ und plauderten, ob es schöner ist, von Katze oder Hund zuhause empfangen zu werden, dass es keinen Streit bei der TV-Programmauswahl gibt und dass sich allein auch Tanzen oder ins Theater gehen lässt.
Wie sich Nähe und Distanz im Alter ganz praktisch verbinden lassen, berichtete die ehemalige Frankfurter Pröpstin und bundesweit erste Frau in einem Bischofsamt, Pfarrerin Helga Trösken aus Langen. Dort lebt sie seit rund drei Jahren mit 26 Gleichgesinnten unter dem Dach einer Wohngemeinschaft fürs Alter. „Wenn wir mal alt und tüttelig sind, ziehen wir zusammen“, erinnerte Trösken an scherzhafte Äußerungen bei Geburtstagsfeiern in den 80er Jahren, als sie in Langen Pfarrerin war. Konkret wurden die Pläne vor elf Jahren, als sich eine der Bekannten nach dem Auszug der Kinder und dem Tod des Mannes in einem viel zu großen Haus ziemlich verloren vorkam. Tröskens eigener Ruhestand und der damit verbundene Auszug aus der riesigen Propsteiwohnung standen bevor. „80 Leute kamen, als wir zur ersten Info-Veranstaltung aufriefen.“
Ein gemeinnütziges Siedlungswerk fungierte als Bauträger für die 30 barrierefreien Wohnungen. Bei der Wahl neuer Mieter oder auch Käufer achtet der Verein darauf, was die Interessenten an Fähigkeiten in die Gemeinschaft einbringen. So wohnt heute eine bunte Mischung unterschiedlichster Berufe, Hobbies und religiöser Zugehörigkeiten unter dem Dach des „Ginkgo“-Hauses, Alleinstehende wie Paare im Alter zwischen 55 und 88 Jahren. Die Bewohner verbindet der Wunsch, nicht allein, nicht im Heim und nicht zu Lasten ihrer Kinder leben zu wollen, möglichst bis zum Tod. Auch zehn Plätze für dementiell Erkrankte finden sich dort.
Eine kocht und backt gern, die Andere hat handwerkliche Fähigkeiten oder ist Computerexpertin, den nächsten zieht‘s zur Gartenarbeit oder zum Yoga. Viele Stunden werden zusammen verbracht bei regelmäßigen Essen, Theaterfahrten oder Gesellschaftsspielen. Auch das gehört zum Alltag: „Wenn ich Lust habe mit anderen was zusammen zu machen, habe ich die Möglichkeit dazu. Ich kann aber auch die Tür hinter mir zu machen und für mich sein“, sagte Trösken. Verpflichtet haben sich die Bewohner, aufeinander zu achten, sich zu helfen und zu unterstützen; nicht wenn es um professionelle Pflege geht, wohl aber wenn jemand in Not gerät wie jüngst als eine Mitbewohnerin nachts gestürzt war und Trösken den Notarzt alarmierte.
Interessante Einblicke in eine Lebensform, die vielleicht auch „auf dem Land“ angesichts der Demografie Zukunft haben könnte. Beim gemeinsamen Kaffetrinken wurde in der Mehrzweckhalle zumindest viel übers allein sein, die Freude über Enkel, aber auch die Ruhe am Abend philosophiert. Eine Ausstellungswand mit Bildern von Elsbeth Graßmann aus Weisel zum Thema Schöpfung und der Gesang mit Dekanatskantor Markus Ziegler rundeten den Nachmittag ab. Bernd-Christoph Matern
Mehr Informationen zum von Helga Trösken initiierten und in Bogel vorgestellten Wohnprojekt "Ginkgo" in Langen finden Sie hier.
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