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 DIEZ-FREIENDIEZ/RHEIN-LAHN. (16. August 2010) Mit einem festlichen Gottesdienst ist Pfarrer Hans-Otto Rether nach 37 Jahren in der evangelischen Kirchengemeinde Diez-Freiendiez in den Ruhestand verabschiedet worden. Der Theologe, der in den vergangenen elf Jahren auch das evangelische Dekanat Diez als Dekan leitete, wies in seiner Abschiedspredigt noch einmal auf das Bleibende im Leben der Menschen hin: das Wort Gottes.
Rein optisch kam das Rether wichtige Miteinander bereits zum Ausdruck, als Pfarrkonvent, Kirchenvorstand (KV), Mitwirkende aus benachbarten Dekanaten, Gemeinde, Stadt, Mitarbeiter und Kollegen, Theologen wie Ehrenamtliche sowie Rether und Propst Dr. Sigurd Rink das dicht gefüllte Kirchenschiff betraten. Dekanats-Präses Astrid Ellermann und KV-Vorsitzender Bernd Linkenbach begrüßten selbst vor der schön geschmückten Jakobuskirche noch Besucher, die dort Worte und Musik des Posaunenchores unter Leitung von Dieter Sahmer und der Nassauischen Kantorei unter Leitung von Dekanatskantor Martin Samrock verfolgten.
Rether rückte in seiner Abschiedspredigt die biblische n Personen auf Kirchenfenstern und Wandbehang in den Focus. Mose, der mit den zehn Geboten ein „Navi“ für den Lebensweg gegeben habe. Weil er die Originale zerschmetterte, „müssen wir selbst immer wieder darüber nachdenken, was sie bedeuten“, so Rether. Ohne das Fundament der Gebote würden die Menschen fundamentalistisch. Dann Paulus, ein Beispiel für Neuanfang, der für Menschen stehe, die blind sind, eine Situation „verpasst oder gar verpatzt“ hätten. „Aber Gott dreht den Daumen nicht nach unten.“ Und Jakobus, ein Egoist, dessen Wandlung zeige, dass es Zeit für persönliche Entwicklungen braucht. Christus im mittleren Fenster kenne jeden Menschen mit seinen Fragen, Trauer und Unvollkommenheit. „Er sieht uns an und gibt uns Ansehen.“ Das schenke den Menschen in all ihrer Vergänglichkeit Vertrauen, Liebe und Orientierung.
Die „Rente mit 70“ wünschte sich Propst Dr. Sigurd Rink an einem solchen Tag. Er buchstabierte Rethers Namen, um dessen engagiertes Wirken als Pfarrer und Dekan zu würdigen. „R“ wie Ruhe, aus der er Kraft schöpfe, „um gestochen scharf Auskunft zu geben“. Auch Genauigkeit und Zuverlässigkeit, die sich den Menschen zuwendet und auf die sie sich verlassen können, resultiere daraus. „E“ wie Evangelium, das bei allem Tun für ihn immer im Mittelpunkt stehe. „Sie sind am Wort Gottes ganz dicht drangeblieben.“ „T“ wie Talent habe er bei Amtshandlungen an den Tag gelegt und auch in schwersten Stunden die Menschen begleitet. Dem Amt sei sein Herz immer treu geblieben, auch wenn das für die Familie nicht immer einfach gewesen sei. Das zweite „E“ stehe für Rethers Engagement und Erzählkunst, das „R“ am Ende schließlich für den Pfarrer im Ruhestand oder auch „in Reichweite“. Anschließend legte Rink dem vor dem Altar knienden Rether die Hände auf und segnete ihn für den weiteren Lebensweg, den Rether von der Diezer Innenstadt aus verbringt.
Rethers zwingende Gedanken, die theologischen Grundlagen im Blick zu behalten, würden im Südnassauer Dekane-Kollegium fehlen, sagte Dekan Michael Tönges-Braungart (Dekanat Hochtaunus), „und seinen Humor, der manchmal spitz gesetzt sein kann wie die Nadel eines Akupunkteurs, werden wir vermissen“. Für Rethers Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen, und für seine Hilfsbereitschaft dankte Prodekan Adolf Tremper im Namen des Pfarrkonvents; der katholische Pastoralreferent Andre Stein für positive Weichenstellungen in der Ökumene.
Pfarrerin Kerstin Lüderitz und Bernd Linkenbach brachten mit Zitaten aus unterschiedlichsten Gruppen Rethers engagiertes Wirken in der Jakobusgemeinde zum Ausdruck und überreichten ein Gemälde der Kirche von Eberhard Münch. Sogar eine Sonderausgabe des Gemeindebriefs hatte das Redaktionsteam zur Verabschiedung aufgelegt, das am Ausgang ausgeteilt wurde. Fürs konstruktive Miteinander mit den Kommunen sprach Kreisbeigeordnete Gisela Bertram, die an Rethers kreisweites Engagement erinnerte, etwa bei Ausstellungen und im Bereich der Kindergärten.
 Der Diezer Stadtbürgermeister Gerhard Maxeiner sprach für alle anderen politischen Ebenen in Rethers Wirkungsbereich, zu dem im Dekanat Diez die Verbandsgemeinden Diez, Hahnstätten und Katzenelnbogen zählen. „Sie haben bei unzähligen Anlässen das Christentum nicht nur gepredigt, sondern vorgelebt", so Maxeiner. Rether habe Kirche mitten in die Gemeinde gestellt, mehr als seine Pflicht getan „und uns auch auf Dinge hingewiesen, die sie sich ganz anders vorstellen“, lobte er die „Klarheit“ des scheidenden Dekans. Städtische Belange seien in seinen Überlegungen oft mit verpackt gewesen. „Und dabei standen sie manchmal mit beiden Füßen auf dem Gaspedal und wir hechelten hinterher.“
Dem Dank des Stadtbürgermeisters schlossen sich die Vereinsvertreter der Stadt an, bevor bei Kaffee, Kuchen, Würstchen, Steaks und Musik die Verabschiedung in der für den Verkehr gesperrten Mittelstraße, in Gemeindehaus und Pfarrhof zum großen Gemeindefest wurde und das Ensemble "Die Beziehungskiste" sowie der Freiendiezer Männergesangverein dem scheidenden Gemeindepfarrer noch ein wohlklingendes Ständchen brachten. Groß war die Schlange an Gästen, die sich bei dem scheidenden Pfarrer und Dekan für seinen Dienst bedankten und ihm für den Ruhestand alles Gute wünschten.
Einen Nachfolger für das Amt des Dekans gibt es noch nicht. Die Ausschreibung der Stelle läuft derzeit. Einen ausführlichen Bericht über das Wirken Rethers als Gemeindepfarrer und Dekan finden Sie hier.
Bernd-Christoph Matern
Zu der langen Schlange an Gratulanten zählten unter anderem (von links) die beiden Landtagsabgeordneten Matthias Lammert (CDU) und Frank  Puchtler (SPD), die Verbandsgemeindebürgermeister Franz Klöckner (Diez), Volker Satony (Hahnstätten) und   Harald Gemmer (Katzenelnbogen), die zum Wirkungsbereich des Dekanats Diez zählen.
 Dekanatskantor Martin Samrock hoffte, mit Rether jetzt vielleicht einen neuen nebenamtlichen Organisten zu gewinnen, nachdem dem scheidenden Dekan ja nun mehr Zeit für seine Hobbies bleibt. Die Vorsitzende der Mitarbeitervertretung (MAV) im evangelischen Dekanat Diez, Thea Schuhen, wünschte Rether einen Ruhestand, in dem es mit voller Fahrt voran geht.
Fotos: Bernd-Christoph Matern
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