Hoch ?berm Rhein trainieren junge Leute Vertrauen Drucken E-Mail

thumb_1a-berghochueberdemrheinRHEIN-LAHN. (8. August 2011) Dass Israelis ihr Leben den Händen von Palästinensern anvertrauen, dass Moslems den Christen Halt und Sicherheit geben – das erscheint angesichts der immer wiederkehrenden Schlagzeilen von Krieg und Gewalt im Nahen Osten und von Terroranschlägen überall auf der Welt eher eine Utopie. Die internationale Begegnung, zu der die Initiative 55 plus-minus und die Jugendarbeit im evangelischen Dekanat St. Goarshausen junge Menschen aus Israel, Palästina und Deutschland für zwei Wochen zusammenbringt, macht daraus Realität.

Nach einer viertägigen Kennenlern-Phase in Berlin trainierte die 24-köpfige Gruppe mit ihren Betreuern jetzt das thumb_1a-bergabstiegKlettern am Seil – gegenseitiges Vertrauen inbegriffen. Die Kletterfelsen im Morgenbachtal bei Trechtingshausen waren eines der ersten Ziele, die die jungen Frauen und Männer nach ihrer Rückkehr aus Berlin am Mittelrhein ansteuerten. Einen ganzen Tag lang sicherten sich unter der kompetenten Anleitung von Dekanatsjugendreferent Werner Schreiner Christen, Moslems und thumb_1a-vertrauenambergthumb_1a-bergpeacegrossJuden gegenseitig beim Klettern mit dem Seil an den steilen Felsen ab.

Im Mittelpunkt dabei stand der Spaß in dem Naturschutzgebiet über dem Strom, aber nicht nur der. Egal, wie weit es die einzelnen Kletterer an den steilen Felsen auch schafften – immer zollten ihnen die anderen respektvoll und anerkennend Beifall.

Vertrauen und Verständnis hatten neben einem interessanten Besichtigungsprogramm auch die Tage in der Bundeshauptstadt geprägt. Ein Film, der während eines Besuchs der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus gezeigt wurde, sorgte allerdings für eine emotional hoch aufgeladene Debatte. Palästinensischen aber auch deutschen Gästen erschien der Beitrag zu einseitig aus israelischer Sicht dargestellt, erzählt Dekanatsjugendreferent Andreas Kleemann. „Das war natürlich gar nicht die Intension des Films“, so der thumb_1a-mohammedswr-interviewDekanatsjugendreferent. Aber es habe ihn sehr beeindruckt, dass bei aller emotionalen Betroffenheit, die der Film auslöste, fair und respektvoll miteinander diskutiert worden sei.

Die Schilderungen der jungen Israelis und Palästinenser über ihren Lebensalltag machen zudem deutlich, dass nicht nur Ängste und daraus auch resultierende Missverständnisse die Situation auf beiden Seiten der Mauern an der Westbank bestimmen. „Dort geht es vor allem auch um unterschiedliche Entwicklungsstände“, erklärt Dieter Zorbach, Initiator des Austauschs und Sprecher der Initiative 55 plus-minus. Für ihn haben Reichtum und Armut einen trennenderen Charakter als etwa die religiösen Unterschiede zwischen Juden, Muslimen und Christen.

Bei aller Verschiedenheit genießen die jungen Leute in Deutschland aber auch das Miteinander von Gleichaltrigen und thumb_1abendessendie gemeinsamen Interessen, beim Einkaufsbummel in Berlin und dem gemeinsamen Klettern auf der Rheinhöhe ebenso wie bei der bildlichen Darstellung persönlicher Wünsche nach Friede, Freiheit und Liebe, wie sie in einigen von der Gruppe gefertigten Kollagen zum Ausdruck kommt.

Bis zum 15. August erlebt die trinational besetzte Gruppe noch ein ebenso abwechslungs- wie bildungsreiches Programm im Haus Elsenburg am Mittelrhein und in der Region, bevor die sechs Israelis, fünf Palästinenser und elf Deutschen wieder ihren mehr oder weniger weiten und beschwerlichen Heimweg antreten. Bernd-Christoph Matern

Der SWR-Infokanal Cont.ra hat in seiner Sendung SWR-International über die Begegnung berichtet. Den Beitrag finden Sie hier.

 

Ein Abend rund um den Nahostkonflikt 

Ein Abend rund um den Nahostkonflikt ist eine Begegnung am Freitag, 12. August um 18 Uhr in der Aula des Wilhelm-Hofmann-Gymnasiums in St. Goarshausen überschrieben. Eine Gruppe junger Frauen und Männer aus Israel, Palästina und dem Rhein-Lahn-Kreis erlebt im Rahmen eines Projektes der Iniatitive 55 plus-minus und der Evangelischen Jugend im Dekanat St. Goarshausen eine zweiwöchige Begegnung am Mittelrhein. Sie wird an diesem Abend über ihre Erlebnisse während der Begegnung berichten und eine Kunst- und Fotoausstellung zum Thema präsentieren. Traumatherapeutin Manuela Ziskoven aus Stuttgart referiert außerdem zum Thema „Angst und Leid in Palästina und Israel – über kollektive Traumatisierung“. Gespräche und Kontakte mit den Anwesenden runden den Abend ab.