Ideen in Diez: Mit Talenten der Gemeinde Glaube vermitteln Drucken E-Mail

thumb_1a-eaa-dekdiez181111cmDIEZ/RHEIN-LAHN. (23.November 2011) „Wie bekommen wir unsere Kirche voll?“ – so lautete der Titel einer Fortbildung, die die regionale Ehrenamtsakademie Rhein-Lahn der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau jetzt in Diez angeboten hatte. Dabei stand ganz praxisorientiert weniger die Frage nach vollen Gotteshäusern im Mittelpunkt, die Teilnehmer dachten vielmehr über ihre eigenen Fähigkeiten und Lieblingsthemen nach und wie Kirche und Glaube in der Gemeinde selbst weiterentwickelt werden können und zum lebendigen Miteinander beitragen.

Mit einem Satz von Antoine de Saint-Exupery leitete Claire Metzmacher, Bildungsreferentin der Evangelischen Kirche Rhein-Lahn und Ansprechpartnerin der regionalen Ehrenamtsakademie den Abend ein: „Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." Zusammen mit Referentin Pfarrerin Edith Höll lud sie die aus vielen Kirchengemeinden des Dekanats Diez und St. Goarshausen angereisten Kirchenvorstände dazu ein, die Motivation für das eigene Engagement in der Gemeinde immer wieder zu hinterfragen.

Die Kirchengemeinde verglich sie mit einem Schiff. „Wer verleiht ihr wie der Kiel Stabilität? Wer und wie viele stehen am Ruder? Wird überhaupt über die Richtung diskutiert? Haben wir den ,Verklicker´ im Blick und schauen über den Tellerrand? Wie kommt man ins Schiff hinein?“ All diese Fragen Metzmachers flossen in den Abend ein. „Wenn wir eine einladende Kirche sein wollen, dann müssen wir uns selbst natürlich bewusst sein und formulieren können, warum thumb_1a-eaa-dekdiez181111edithhoellwir die Menschen einladen, was uns selbst begeistert und antreibt“, so Metzmacher.

Metzmacher und Edith Höll animierten die Teilnehmer zum Nachdenken über Ideen, die praktisch umgesetzt werden können. So zählten die Teilnehmer beispielsweise die Stärken und die Schwächen ihrer Kirchengemeinden auf. Viele sagten, dass es bereits attraktive Gottesdienst-Angebote gibt, fragten sich aber, wo und wie der Glaube auch außerhalb der Kirchenmauern zum Gesprächsthema werden kann, um den durchaus vorhandenen „Wissensdurst über Glaubensfragen“ in der Gemeinde zu stillen; es wurde angeregt, eine Art Glaubenskurse zu initiieren.

Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher erzählten, was ihre eigenen ganz persönlichen Talente und Lieblingsthemen sind. Dann wurde in Kleingruppen „gesponnen“, welche Art von Glaubenskursen sich für welche Zielgruppe eignen könnte. Da war beispielsweise eine Gruppe von Ruheständlern, die eine Wochenendfahrt für die über 60-Jährigen in der Gemeinde andachte, um über den Glauben zu sprechen und gleichzeitig Geselligkeit zu erleben. Ein Hobby-Koch entwickelte in einer anderen Gruppe die Idee, für die Eltern von Konfirmanden einen Abend mit Essen und Gesprächen anzubieten, an dem auch die Konfirmanden beim Kochen beteiligt sind.

Einig waren sich die Teilnehmer, wie wichtig es für die Kirchenvorstandsarbeit ist, immer wieder nach unterschiedlichen Kompetenzen in der Gemeinde Ausschau zu halten. Der Pfarrer könne und solle nicht Dreh- und Angelpunkt jedweder Aktivität sein. Der Fortbildungsabend machte deutlich, dass die Frage einer „vollen Kirche“ nicht nur mit Quantität, sondern auch mit Qualität verbunden sein muss. So nahmen viele Teilnehmer nicht nur den eingangs zitierten Satz von Exupery als ein Aha-Erlebnis und hilfreiche Anregung mit nach Hause in ihre Kirchengemeinden. Bernd-Christoph Matern