|
RHEIN-LAHN. (14.Januar) Ob nach einem Verkehrsunfall oder einem Suizid – wenn Menschenleben in Gefahr sind oder der plötzliche Tod Angehörige verzweifeln lässt, werden im Rhein-Lahn-Kreis nicht nur Rettungskräfte und Ärzte angefordert, sondern auch die Notfallseelsorge. 37 Mal war dies im vergangenen Jahr der Fall, wie aus dem Jahresbericht der Pfarrerin für Notfallseelsorge Ulrike Braun-Steinebach hervorgeht.
Todesnachrichten wurden überbracht, Opfer, Angehörige und Rettungskräfte bei Unfällen, Bränden und anderen Schadensfällen betreut. Die 28 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger, die im Jahr 2008 – im Ost- und Westteil des Kreises getrennt – durchschnittlich vier Wochen Bereitschaftsdienst leisteten, waren zwischen 15 Minuten und acht Stunden, insgesamt 95 Stunden im Einsatz.
Verständigt wurden die Seelsorger überwiegend von der Rettungsleitstelle in Montabaur, in einigen Fällen aber auch von der Polizei oder Betroffenen selbst. Vor allem nachmittags und abends, aber auch elf Mal morgens und einmal nachts wurden die Seelsorger gebraucht. Das Überbringen einer Todesnachricht bei Unfällen war 2008 die Hauptursache für die Alarmierung (acht Mal). Außerdem wurden die Notfallseelsorger zwölf Mal bei Suizid und häuslichen Todesfällen angefordert, sechs Mal bei Verkehrsunfällen mit Toten, in zwei Fällen wurden Menschen vermisst und einmal war ein Brand mit Todesfolge Grund für den Einsatz. Die Zahl der Einsätze lag 2008 etwas unter der des Vorjahres und waren gleichmäßig auf das ganze Jahr verteilt.
Auch die Fortbildung der Kräfte stand auf der Agenda. Sechs Stunden Notfallseelsorge-Unterricht wurden absolviert. Motivation und Zurüstung standen bei Einkehrtagen für die Notfallseelsorger auf dem Programm. Wichtig ist Braun-Steinebach der Austausch mit den Rettungskräften, um das gegenseitige Verständnis für die Aufgaben zu intensivieren, sei es bei Gottesdiensten oder Besuchen von Rettungsdiensten. Ein besonderes Ereignis war im vergangenen Jahr der Bundeskongress für Notfallseelsorge und Krisenintervention in Koblenz, zu dem sich die Mitarbeiter drei Tage lang unter dem Thema „Spiritualität und Trauma“ ausgetauscht hatten.
Sehr erfreut zeigt sich Ulrike Braun-Steinebach über drei neue Kräfte in den Reihen der Notfallseelsorge Rhein-Lahn. Die Werbung neuer Mitarbeiter bleibt auch 2009 ein Ziel. Sie verzeichne ein gestiegenes Interesse an seelsorgerlicher Begleitung in Krisen- und Notsituationen. „Viele Einsätze führten zu Nachbesuchen oder Beratungsanfragen“, so die Theologin. Manche Anforderung sei überhaupt erst im Nachhinein erfolgt. Braun-Steinebach: „Ich erlebe hier ein wachsendes Interesse, das eigene Seelenleben zu begreifen und zu gestalten.“
Von den 28 Notfallseelsorgern (zwölf Frauen und 16 Männer) sind 22 Theologen, sechs Laien, drei sind katholisch, 25 evangelisch, zwölf kommen aus dem Ost-, 16 aus dem Westteil des Kreises. Braun-Steinebach wirbt immer wieder auch um Verstärkung, um die Bereitschaftszeiten, die zurzeit bei vier Wochen pro Jahr liegen, reduzieren zu können. Bernd-Christoph Matern
|