In Hamburg über Bahnlärm am Mittelrhein diskutiert Drucken E-Mail

thumb_1laerm-haus_kirchentag-becrima-HAMBURG/MITTELRHEIN. (3. Mai 2013) Der Markt der Möglichkeiten gehört zu jedem Kirchentag. Unter den hunderten von Ständen weckte bei Besuchern aus dem evangelischen Dekanat St. Goarshausen ein Lärm-Haus ganz besonderes Interesse, in das Bürgerinitiativen gegen Verkehrslärm einluden. Pfarrer Urs Michalke und Reinhold Lang aus Kaub, Propst Dr. Sigurd Rink und der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Josef Winkler schilderten den Passanten in einem Gespräch mit Ewald Thoma von der Initiative gegen Verkehrslärm, welcher täglichen Tortur die Bürger im Rheintal durch den Bahnlärm ausgesetzt sind.

"Alle drei Minuten donnert ein Zug durch das enge Tal“, so Michalke. „Das ist nicht schön, wenn man ein Gebet auf dem Friedhof zweimal unterbrechen muss.“ Neben dem Stress, den der Lärm für die Ohren bedeutet, seien auch die psychischen Belastungen enorm. Reinhold Lang wies die Zuhörer auf das hohe Tempo bis zu 110 Stundenkilometern hin, mit dem die Züge nur wenige Meter von den Wohnzimmern entfernt durch die Stadt rauschen. Dabei würden auch hoch explosive Stoffe transportiert; und dies auf einer Trasse, die ursprünglich einmal für Dampfloks gebaut wurde, so Lang. „Nicht auszudenken, was da passieren könnte.“

thumb_1a-kt13-laermhaus-winkler-becrima-"Der Körper fühlt sich im ständigen Erdbeben“, verdeutlichte Josef Winkler, stellvertretender Fraktionschef seiner Partei im Bundestag, was die Menschen in seiner Heimat erleiden. Zudem addiere sich die Belästigung der Lärmfaktoren am Mittelrhein von Bahn, Straße und Luft. Eine Bahntrasse durch eine weniger besiedelte Strecke sei zwar eine Alternative, deren Verwirklichung aber sehr lange dauere. Derweil gelte es, den aktiven und passiven Schallschutz zu verbessern. Für ihn sei auch nicht verständlich, warum sich kein Nachtfahrverbot analog zum Nachtflugverbot einrichten lasse. „Es ist unglaublich, dass sich eine als Weltkulturerbe ausgezeichnete wunderschöne Landschaft allmählich entvölkert“, erklärte Propst Rink, warum sich die evangelische Kirche für die Belange der Bürgerinitiativen gegen den Verkehrslärm einsetze. „Aber es geschieht bislang nichts“, forderte er die Bahn AG zum Handeln auf und klagte das Verursacherprinzip ein. „Wer den Lärm macht, muss auch für dessen Kontrolle sorgen.“

Was Lärm und Stille bedeuten, konnten die Besucher des Kirchentages aus ganz Deutschland im Innern des Lärm-Hauses erleben, wo sie sich einer Lautstärke bis zu 80 Dezibel aussetzen konnten. Das Haus, dessen Anschaffung in Höhe von 25.000 Euro aus Spenden finanziert wurde, kann auch ausgeliehen werden. An dem Messestand vereinigten sich mehrere Bürgerinitiativen: Das Aktionsbündnis Verkehrslärm in Mainz, der Verein für ein lebenswertes Mainz und Rheinhessen, die evangelische Kirchengemeinde Mainz-Marienborn, die Initiativen Pro Rheintal und das Bündnis der Bürgerinitiativen im Rhein-Main-Gebiet (BBI). Bernd-Christoph Matern

Mehr Informationen zur Bürgerinitiative im Internet unter www.verkehrslaerm.info.

Einen weiteren Beitrag zum Thema finden Sie auch hier.

Auf dem Foto: Die Kirchentagsbesucher aus dem evangelischen Dekanat St. Goarshausen mit Präses Anja Gemmer, Rebekka Brückner, Reinhold Lang und Pfarrer Urs Michalke trafen sich am „Lärm-Haus“ mit dem kirchenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Josef Winkler, Propst Sigurd Rink (4. und 5. von links) und den Vertretern der Initiative gegen Verkehrslärm Dietrich Elsner, Ewald Thoma und Pfarrer Harald Jaensch, um Passanten auf die Auswirkungen des Bahnlärms hinzuweisen. Foto: Matern