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RHEIN-LAHN. (9. Januar 2011) Landrat Günter Kern wurde das erste Exemplar eines neuen Buches überreicht, das die Initiative 55 plus-minus im evangelischen Dekanat St. Goarshausen jetzt herausgegeben hat. Zehn Autoren erinnern sich darin an interessante Erlebnisse, wichtige Ereignisse oder Abschnitte der eigenen Lebensgeschichte und bewahren sie damit – angereichert mit Dokumenten und Bildern – vor dem Vergessen. „Zeitzeugen – Geschichte und Geschichten“ ist der Titel der 144 Seiten.
Schon im Jahr 2009 hatten einige Autoren im Rahmen des Initiative-Projektes „Erzählte Zeitgeschichte – werden sie Buchautor“ einen gleichnamigen Band zusammengestellt. „Der schnelle Ausverkauf des ersten Buches ermutigte uns, Material für ein zweites Buch zu sammeln“, erklärte der Betreuer des Projekts Heinz Meyer bei der Präsentation des frisch gedruckten Werkes im Kreishaus.
Meyer, Ruth Waade, Hannelore Noky und Dieter Zorbach machten sich ans Werk für den zweiten Band der Reihe, auch wenn Computerspezialist und Druckerei von Band 1 für die Arbeit nicht mehr zur Verfügung standen. „Deshalb sind wir auf diese Ausgabe besonders stolz“, sagte Meyer, der allen Autoren und den Projektmitarbeitern fürs Schreiben, Redigieren, Setzen, Layouten und Korrekturlesen dankte.
Dem schloss sich Landrat Günter Kern an und erinnerte an andere Dokumentationen und Berichte aus der Region, in denen Vorkommnisse und Erlebnisse niedergeschrieben wurden; „Erinnerungen und Perspektiven, die sonst verloren gehen würden“, so Kern. „Und es ist ja auch gar nicht so einfach, die Leute dazu zu motivieren, etwas aufzuschreiben“, dankte Kern für den Lesestoff für die Weihnachtstage. „Wenn die Ururenkel der Autoren mal eine Doktorarbeit über die Zeit schreiben wollen, werden sie auch auf diesen Band stoßen“, sagte Dieter Zorbach, Sprecher der Initiative 55 plus-minus. Die Autoren hätten sich nicht nur ihre Erinnerungen von der Seele geschrieben, „sie werden mit diesem Buch auch zu einem Teil des Gedächtnisses dieser Region“.
Hauptthema der neun zwischen fünf und 25 Seiten starken Schilderungen sind die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Die Autoren gewähren Einblicke in ihre ganz persönlichen Erlebnisse, Gedanken und Gefühle, Ängste und Hoffnungen. „Weil diese Zeit die Menschen einfach am meisten bewegte“, so Heinz Meyer. Das wundert angesichts einschneidender Begebenheiten nicht.
Da finden sich Alltagserinnerungen als Kind „unter dem Hakenkreuz“ aufzuwachsen, da wird über die Ausbildung, Schrecken und Verletzungen als deutsche Soldaten geschrieben, über die kriegsbedingte Vertreibung und Flucht von Kindern wie Erwachsenen; es wird aus Tagebüchern oder von Erzählungen berichtet, über das Schicksal eines vermissten Soldaten und dessen Angehörigen, über das Miteinander zwischen deutschen Familien und amerikanischen Soldaten oder die Qualen, als Kind einen Bombenangriff überlebt zu haben, während Nachbarn und Mutter im gleichen Raum starben. Wenngleich es sich auch um die biografischen Schilderungen einzelner Personen handelt, so wird mancher Leser doch auch an seine eigenen Erlebnisse und ähnliche Situationen erinnert.
Der Band soll nicht der letzte des Initiative-Projektes bleiben. Heinz Meyer hofft, dass sich für den dritten Band der Lebenserinnerungen auch jüngere Menschen bewegen lassen, ihre Erlebnisse zu erzählen und niederzuschreiben.
Das Buch ist für 10 Euro erhältlich beim „BücherLand“ in Nastätten sowie der Loreley-Buchhandlung in St. Goarshausen oder kann bei der Initiative 55 plus-minus bestellt werden, Telefon 06771-94974. Bernd-Christoph Matern
Die Autoren:
Die Autoren des Bandes sind Ellen Stein (Ruppertshofen), Erika Kremp (Patersberg), Ruth Waade (Bornich), Rudolf Clos (Singhofen), Ruth Forkel (Chemnitz), Heinz Meyer (Bornich), Hannelore Noky (Patersberg), Reinhold Schneider (Himmighofen), Sinika Breithaupt (Himmighofen), Hans Renker (Koblenz).
Zum Foto: Projektbetreuer Heinz Meyer (4. von rechts) überreichte Landrat Günter Kern (5. von rechts) zusammen mit dem Autorenteam das erste Exemplar des zweiten Zeitzeugen-Bandes „Geschichte und Geschichten“ der Initiative 55 plus-minus im evangelischen Dekanat St. Goarshausen. Fotos: Matern
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