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DIEZ. (11. Mai 2011) Am zweiten Sonntag nach Ostern, der theologisch dem Motiv des guten Hirten gewidmet ist und dieses Jahr mit dem Muttertag zusammenfiel, bot die Evangelische Jakobusgemeinde in Freiendiez ein abwechslungsreiches Orgelkonzert mit Dekanatskantor Martin Samrock. Wer als Abschluss eines sommerlichen Tages die kühle Kirche betrat, konnte eine Stunde lang die Orgel in ihrer ganzen klanglichen Vielfalt erleben: Von der Einstimmigkeit bis zu zwölfstimmigen Akkorden, von leisen flötenartigen Klängen bis zum voluminösen Tutti war alles zu hören.
Das Konzert hatte zwei Hauptteile. Der erste war dem Thema Ostern gewidmet, und der zweite Schwerpunkt lag, dem Sonntag entsprechend, bei dem Motiv des guten Hirten. Zunächst präsentierte Martin Samrock von Max Reger „Os-tern". Der Komponist verwendet ein Lied, das zunächst verfremdet wird und in dieser Form die Grundlage für die gesam-te Tondichtung bildet. Nach immer stärkerer Verdichtung des Materials schält sich am Ende dann der klare Choral aus dem Tongeschehen heraus.
Dann folgten drei Bearbeitung zu dem bekannten Choral „Christ ist erstanden": Zunächst eine Zeitgenössische von Oskar Gottlieb Blarr, die durch ihre ungewohnten Rhythmen und Akkorde aus dem Jazz überraschte, danach eine Bearbeitung von Johann Sebastian Bach und schließlich von Theophil Forchhammer ein Präludium und Fuge über die erste Zeile des Liedes. Im Anschluss spielte Samrock eine Partita von Flor Peeters über „Auf, auf mein Herz, mit Freuden". Beginnend mit ruhiger Achtelbewegung steigerte sich diese Variationsreihe bis hin zu schnellen toccatenhaften Sätzen. Unterbrochen wurde diese Steigerung von einem melodiösen „Adagio“.
Das Stück „Ostermorgen“ von Otto Malling bildete die Nahtstelle zwischen den beiden Themenbereichen des Konzertes: vor allem die Einleitung erinnerte die Zuhörerinnen und Zuhörer deutlich an die „Morgenstimmung“ aus Peer Gynt von Edvard Grieg. Die filigranen Klänge imitieren Vogelgezwitscher, und der Ostermorgen erhob sich aus der Stille. Im Verlauf des Stückes gewann die Musik an Volumen und wurde zu einem Sinnbild des großen Osterfestjubels.
Im zweiten Teil des Konzerts wurde die Gemeinde mitgenommen in die Welt des guten Hirten. Johann Sebastian Bachs Pastorale eröffnete mit einem wiegenden Präludium, dem tanzartige Sätze folgten. Klänge von Schalmeien wechselten mit zarten Flöten und farbigen Solostimmen ab. Fast noch mittelalterlich erklang dann eine Bearbeitung zu Psalm 23 von Jan Pieterszoon Sweelinck. Diese Komposition ist ursprünglich für Laute gedacht. Sie ist ein Zeichen dafür, dass die evangelisch-reformierten Psalmen auch im häuslichen Kreis gesungen und musiziert wurden. Nach einer Fughette von Johann Michael Bach folgte als Abschluss die Sonate "Pastorale" von Josef Gabriel Rheinberger. Ihr Präludium erklang in einem anhaltenden Fortissimo, danach nutzte der Dekanatskantor sehr eindrucksvoll die Möglichkeiten der Orgel in der Jakobuskirche und präsentierte einen leisen und sehr empfindsamen Mittelsatz, um schließlich die Sonate in einer lebhaften „Sonaten-Fuge“ enden zu lassen.
Abschließend lässt sich sagen: Samrock präsentierte seinem Publikum ein sehr stimmiges, vielseitiges Orgelkonzert und schenkte den Anwesenden eine Mußestunde der beson-deren Art, ganz der Bestimmung des Sonntags gemäß „zur Erhebung der Seele". Melanie Schneider
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