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MIEHLEN/RHEIN-LAHN. (19. Januar 2011) Mit schöner Regelmäßigkeit klagen Gemeinden mit einem Jugendraum über Streit und Zerstörungen, was in gleicher Regelmäßigkeit bei den „Alten“ die Forderung nach einer Schließung laut werden lässt. Jugendlichen einen Raum zur Verfügung zu stellen ist das Eine – ihnen Hilfe, Begleitung und Orientierung beim Aufbau, der Gestaltung und auch dem Umgang mit Nutzungsregeln zu geben das Andere. Immer mehr Gemeinden setzen deshalb auf eine betreute Jugendarbeit. Auch in Miehlen setzten Orts- und Kirchengemeinde auf das Konzept.
Positiv sind die Erfahrungen, die die Mühlbachgemeinde in den vergangenen drei Monaten mit ihrem neuen attraktiven Treffpunkt für Jugendliche gemacht hat. Im Oktober wurde er offiziell eröffnet. Die ehemalige Dreschhalle an der Straße nach Hunzel wurde als Jugendhaus eingeweiht und damit auch der Startschuss für eine betreute Jugendarbeit gegeben, wie es sie in der 2000-Seelen-Gemeinde bislang noch nicht gab. Finanziert wird die betreute Arbeit von der evangelischen Kirchengemeinde, für die Gemeindepädagogin Xenia Hoch zweimal in der Woche im Jugendhaus tätig ist, und von der Ortsgemeinde, die den Einsatz Peter Braschings zahlt.
„Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ An diese vermeintlich aktuellen Worte hatte der Vorsitzende der evangelischen Kirchengemeinde Miehlen, Dr. Ulrich Werner zur Einweihung des Hauses erinnert. Die Feststellung machte allerdings bereits Sokrates 400 Jahre vor Christi Geburt. Deshalb bedürfe es Vermittlern zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, die die Jugendlichen auf professionelle Weise abzuholen verstehen, wie es dem Alter entspricht. Das Engagement der Kirchengemeinde soll zum friedlichen Miteinander zwischen Jung und Alt beitragen. "Dass da jetzt nicht alle Jugendlichen von ihren angestammte Plätzen an Brunnen und anderen Ecken hinströmen, ist schon klar", sagte Werner während einer Gemeindeversammlung. "Aber hier kann sich jetzt etwas entwickeln." Die jetzigen Kinder könnten als Jugendliche in den Treffpunkt hineinwachsen.
Schon vor der offiziellen Eröffnung wurden in und an dem Objekt Ziele gefördert, die sich die beiden Jugendbetreuer und deren Financiers für ihre Arbeit zum Ziel gesetzt haben: pädagogisch wirken und die soziale Kompetenz der Jugendlichen erweitern. Denn die Umbaumaßnahmen wurden nicht nur vom engagierten Miehlener Nachwuchs unterstützt. Das Projekt der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Rhein-Lahn mit dem leuchtenden Titel „JUWEL“ begleitete die Umbauarbeiten, für die der Gemeinderat bereits im Jahr 2008 Grünes Licht gegeben hatte. JUWEL vermittelt jungen Erwachsenen Fähigkeiten, damit diese ihre Chancen verbessern, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.
„Es ist nicht immer einfach, mit jungen Leuten, die aus unterschiedlichsten Gründen bislang mit regelmäßigen Arbeiten nichts am Hut hatten, auf ihrem Weg zu unterstützen“, erinnert sich Brasching an den Beginn der Bauarbeiten vor zwei Jahren zurück. „Der Vorteil dieser Maßnahme war, dass die Tatkraft der jungen Leute schnell einen sichtbaren Erfolg zeigte.“ Entscheidend für den Sozialarbeiter, der selbst im Berliner Problembezirk Kreuzberg aufgewachsen ist: die Jugendlichen ernst zu nehmen und ihnen Vertrauen entgegenzubringen. So wuchs neben den zwei Etagen des Jugendhauses auch der Teamgeist in der helfenden Truppe, die viermal in der Woche zum Einsatz kam. „Ziel war, dass 80 Prozent der Bauarbeiten von den Jugendlichen ausgeführt werden und nur der Rest von Fachfirmen.“
Stolz zeigt sich Brasching nicht nur auf den tollen Innenausbau des jetzt zweigeschossigen Gebäudes, sondern auch auf die Erfolgsbilanz von JUWEL. „Immerhin haben wir auf diese Weise in den vergangenen zwei Jahren 40 junge Leute wieder auf den Weg in den Arbeitsmarkt gebracht.“ Jugendliche, die zuvor noch als „hoffnungslose Fälle“ eingestuft worden wären. Nicht nur für Brasching ein gutes Omen auch für die Planung weiterer Bauarbeiten, etwa im Außenbereich des Jugendhauses, wo noch ein Lebendkicker, ein Beachvolleyball- und ein Basketballfeld entstehen soll, sofern die entsprechenden Landeszuschüsse fließen und sich der Winter verzogen hat.
„Wir wollen hier Lebensfreude vermitteln“, sagt Gemeindepädagogin Xenia Hoch, die montags und dienstags von 16 bis 20 Uhr die offene Jugendarbeit am Ortseingang betreut, während Peter Brasching die Türen donnerstags von 17 bis 21 Uhr öffnet. Freunde treffen und mit ihnen die Freizeit zu gestalten steht im Mittelpunkt des neuen Angebots. Medien, Sport, Kultur und vor allem jugenddeutsch „Chillen“ ist angesagt. Dabei sollen die jungen Besucher auch in die Abläufe in und rund um die Öffnung des Jugendhauses einbezogen werden und Verantwortung übernehmen, etwa beim Thekendienst im Bistro des Erdgeschosses. „Wichtig ist uns auch, dass die Kinder und Jugendlichen Toleranz und einen respektvollen Umgang erlernen und pflegen“, so Hoch.
Dabei geben die beiden Betreuer Hilfestellung, unterstützen im sachlichen Streit und der Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und eigene Grenzen auszuloten. „Wir wollen die Besucher des Jugendhauses auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit begleiten und ermutigen, ihre Eigeninitiative fördern und bei der Verwirklichung ihrer eigenen Interessen unterstützen.“ Dafür werden neben der offenen Arbeit auch entsprechende Angebote erarbeitet und begleitet. „Im Vordergrund steht die Geselligkeit. Kinder und Jugendliche sollen sich hier wohlfühlen“, sagen Hoch und Brasching. Dafür stehen neben dem Bistro eine Reihe von Spielgeräten bereit wie etwa ein Tischkicker, eine Tischtennisplatte und ein Billardtisch im Obergeschoss und natürlich gemütliche Sitzmöglichkeiten.
Dass das Jugend- zu einem guten und hilfreichen Kommunikationszentrum wird, hofft auch Ortsbürgermeister Ernst-Georg Peiter. „Hier finden junge Menschen eine ganze Reihe von attraktiven Beschäftigungsmöglichkeiten“, so Peiter, der das engagierte Miteinander von Kirchen- und Ortsgemeinde, Kommunal-, Kreis- und Landespolitik sowie zwischen professionellen und ehrenamtlichen Kräften unterstreicht. „Hier finden sie mithilfe fähiger und motivierter Mitarbeiter auch wertvolle Gesprächspartner und Ratgeber“, so der Ortschef, der hofft, dass im Jugendzentrum auch in Zukunft beherzt und ehrlich miteinander umgegangen wird. Bernd-Christoph Matern
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