Kirchenvorst?nde m?chten Infos zu neuen Gottesdienstformen Drucken E-Mail

thumb_1a-eaa-alle080511RHEIN-LAHN. (9. Mai 2011) In Nassau ist am Wochenende eine regionale Ehrenamtsakademie (EAA) für die drei evangelischen Dekanate Diez, Nassau und St. Goarshausen ins Leben gerufen worden. Über sie können sich künftig die Kirchenvorstände zu von ihnen gewählten Themen kostenlos fortbilden lassen. Alternative Gottesdienstformen, Gemeindeaufbau sowie Aufgaben und Macht des Kirchenvorstandes sind die drei Themen, in denen sich die meisten Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher Informationen und Austausch von dem neuen Angebot wünschen.

Das ergab eine Umfrage von Claire Metzmacher; die Bildungsreferentin der evangelischen Kirche Rhein-Lahn ist Ansprechpartnerin des neuen Bildungsangebots, das die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) mittlerweile thumb_1eaaumfragein 40 Dekanaten anbietet. Das kirchliche Haushaltswesen, gelingende Öffentlichkeitsarbeit und die Frage, wie sich der Glaube im Alltag anderen Menschen vermitteln lässt, waren weitere Bereiche in der Hitliste der Themenwünsche.

Mit der Finne eines Surfbretts, Fernglas und Handy verdeutlichte Pfarrerin Edith Höll von der Ehrenamtsakademie der EKHN, die im Jahr 2003 gegründet wurde, warum es dieses Angebot gibt. Der Kirchenvorstand müsse die Gemeinde steuern und leiten, suche immer nach neuen Mitarbeitern und thumb_1a-pfredithhoelleaaerhalte jetzt Auskunft und Hilfe – nicht nur am Handy, sondern mit dem neuen Standort Rhein-Lahn auch persönlich vor Ort. „Sie müssen nicht mehr nach Darmstadt fahren, wir kommen zu ihnen“, so Höll. Sie berichtete von vielen positiven Rückmeldungen, die die Akademie bereits an den anderen der insgesamt jetzt 17 „virtuellen“ Standorte innerhalb der EKHN erhalten habe. Vorgesehen ist, in jedem der drei Dekanate etwa eine Fortbildung pro Jahr anzubieten.

„Wen Gott strafen will, dem gibt er ein kirchliches Ehrenamt.“ Mit diesem vielsagenden Zitat erntete die Vorsitzende der kirchlichen Arbeitsgemeinschaft Rhein-Lahn und der Synode des evangelischen Dekanats St. Goarshausen Anja Gemmer viel schmunzelnde Zustimmung zur Begrüßung der rund 80 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher in der Stiftung Scheuern. Bausachen, Haushalt und nicht zuletzt oft belastende Personalfragen – „es wird immer mehr Professionalität gefordert, die uns oft überfordert.“

Mit dem Beschluss der AG, einen regionalen Standort der Akademie zu gründen, solle dazu beigetragen werden, Professionalität und Motivation der Mitarbeiter zu stärken. Die AG hoffe auf interessante Informationen und praxisorientierte Fortbildungen, damit jeder seine Fähigkeiten gewinnbringend für andere einsetzen könne. „Vernetzungen und der Blick über den Tellerrand kommen dann ganz von selbst“, so Gemmer.

Mit der Tageslosung „Lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken“ hatte Dekan thumb_1a-drlotharhelmFriedrich Kappesser (Dekanat Nassau) am Morgen eine passende biblische Grundlage zur Eröffnung der Akademie gegeben, die musikalisch vom perfekten Akkordeonspiel von Andreas Pahl aus Dausenau aufgelockert wurde. Einen bildungsreichen Blick in die evangelische Kirchengeschichte lieferte ein Vortrag von Pfarrer Dr. Lothar Helm. Er betonte Luthers Gedanken vom „Priestertum aller Gläubigen“ und machte die Unterschiede zwischen lutherischer, reformierter und unierter Haltung in der evangelischen Kirche thumb_1a-eaa-allevortragaustauschdeutlich. Einen Überblick über die wesentlichen Unterschiede in der Entwicklung evangelischer Kirche finden Sie hier.

Helm rief die Anwesenden auch zum Austausch untereinander auf. Nicht nur in diesen "Murmelrrunden" lieferte die Eröffnung des enuen Bildungsangebots auf AG-Ebene zahlreiche Möglichkeiten, sich über den eigenen Kirchturm hinaus auszutauschen.

Anschauungsunterricht in Sachen Kirchenführung lieferte am Mittag ein Besuch der evangelischen Kirche in Dausenau mit Erläuterungen von Pfarrer Stefan Fischbach zum Kirchenraum.

Erwartungsvolle Stimmen

„Ich erhoffe mir eine Neuorientierung für die Gemeinde durch das Angebot“, sagt Bernd Linkenbach vom Kirchenvorstand der evangelischen Jakobusgemeinde Diez-Freiendiez. „Kirche ist nicht für sich selbst da“, so Linkenbach, der von der Akademie Anstöße erwartet, wie man als Kirchenvorstand stärker in die Gemeinde hineinwirken kann, alle Gemeindeglieder erreicht, Kritik aufgreift und neue Verbindungen zum Gemeindeaufbau schafft. Ein Mehr an ganz praktischen Informationen erhofft sich Helga Pfaff aus Attenhausen, „die für das Ehrenamt und auch persönlich weiterbringen“. Sich mit Themen intensiver auseinandersetzen zu können, wünscht sich Berthold Geisel aus Dachsenhausen. „Allerdings ist die Zeit dabei immer ein Problem; da muss die Familie mitspielen“, weiß Geisel aus 37 Jahren Erfahrung im Kirchenvorstand. Bernd-Christoph Matern