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NASTÄTTEN/RHEIN-LAHN. (10.Januar 2012) Während in den Kaufhäusern der größte Weihnachts- und Umtauschrummel allmählich verklingt, hat das Team in der Kleiderkammer der evangelischen Kirchengemeinde Nastätten auch im neuen Jahr ungeachtet von Feiertagen alle Hände voll zu tun. „Zurzeit ist natürlich warme Winterkleidung sehr gefragt“, sagt Sibylle Klamp vom Kirchenvorstand. „Aber hier herrscht eigentlich das ganze Jahr über reger Betrieb“, so die Koordinatorin der Einrichtung.
Über was sich jeder Geschäftsinhaber wohl freuen würde, stimmt Klamp trotz ihrer Zufriedenheit über die hohe Akzeptanz der Kammer gleichzeitig nachdenklich: Die Einrichtung verzeichnete in den vergangenen Jahren eine wachsende Zahl an Kunden. In dem kleinen Gebäude am Innenhof der evangelischen St. Salvator-Kirche stehen Schuhe, stapeln sich Hemden, Pullover, Skianzüge und Mützen, hängen Jacken, Blusen, Hosen und drängen sich während der Öffnungszeiten viele Menschen. Etwa 30 bis 40 Besucher zählt das Team der 15 sehr engagierten Mitarbeiterinnen, die die hilfreiche Einrichtung organisieren.
Montags zwischen 16.30 Uhr und 18 Uhr nehmen sie die Kleiderspenden entgegen. Klamp betont: „Saubere und solche, die auch heute noch gut tragbar sind“. Und wenn die Kammer donnerstags um 9.30 Uhr und um 16 Uhr für zwei Stunden zur Kleiderausgabe öffnet, warten die Menschen bereits draußen, bevor sich die Tür öffnet.
Als die Kleiderkammer 1998 unter Federführung der damaligen Gemeindepfarrerin Monika Kramer eingerichtet wurde, war der Grundgedanke, sie für „Bedürftige“ einzurichten; die Kleidungsstücke also nur an Menschen weiterzugeben, die sich nachweislich keine neuen Kleider leisten können. „Heute ist hier aber jeder willkommen ganz unabhängig vom Einkommen“, erklärt Klamp. Viele Leute stöberten etwa auch aus ökologischen Gesichtspunkten zwischen den Kleiderständern, weil sie denken „Warum muss man immer alles neu kaufen?“.
Und wer bei den niedrigen Preisen ein schlechtes Gewissen bekomme, dürfe auch gerne etwas mehr geben, „was wir sehr häufig erleben“, so die Koordinatorin. Die Erlöse aus der Weitergabe der Kleider und die Spenden werden auf ein eigenes Konto eingezahlt und für soziale Aufgaben der Kirchengemeinde verwendet wie soziale Einrichtungen, hilfsbedürftige Familien, Einzelfallhilfen und Hilfen in besonderen Notfällen und Katastrophen.
„Wir haben eine Stammkundschaft, aber es kommen auch immer wieder neue Leute hinzu“, sagt Klamp, Zugezogene oder Menschen, die die Einrichtung bislang nicht kannten oder nicht wussten, dass sie Jedermann oder besser „Jedefrau“ nutzen kann. Denn dass mal ein Mann den kleinen Raum betritt, kommt eher selten vor; überwiegend sind es Frauen, oft haben sie ihre Kinder dabei. Die meisten Kunden kommen aus Nastätten und den umliegenden Gemeinden, aber auch bis Kaub, Nassau, St. Goarshausen und Strüth reicht das Einzugsgebiet, wie die Mitarbeiterinnen der Kleiderkammer aus vielen Gesprächen wissen. Und gesprochen wird viel während der Ausgabezeiten, über Familie, Kinder, Beruf und Arbeitslosigkeit oder Neuigkeiten aus dem Umfeld.
Favoriten in der Kleidernachfrage gibt es nicht. Röcke, Hosen, Blusen, Kostüme, Pullis, Schuhe, Mäntel – eben die ganze Palette an Oberbekleidung – finden für eine Gebühr zwischen 50 Cent und drei Euro gleichermaßen Abnehmer; wobei die Nachfrage nach Frauenbekleidung mit etwa 70 Prozent deutlich höher ist als die nach kleidenden Männerstoffen. Im gleichen Verhältnis steht die Ausgabe zwischen Erwachsenen- und Kinderkleidung. „Angesichts der geringen Gebühr und der hochwertigen Qualität bedauern wir sehr, dass Kinderkleidung so wenig nachgefragt wird“, sagt Klamp; was in diesen Größen keine Abnehmer findet, wird an ein Kinderheim weitergegeben.
Auch Mützen, Handschuhe, Schals, Unterwäsche, Strümpfe, Decken, Bett- und Tischwäsche werden vom Team der Kleiderkammer angenommen und finden Abnehmer. Voraussetzung: Sauber, gebügelt und auch „wirklich heute noch gut tragbar“ müssen Stoffe und Kleider sein. Klamp: „Wenn die Kleider diesen Ansprüchen gerecht werden, können die Spender sicher sein, dass ihre Spende nicht in der Kleidersammlung endet.“ Bernd-Christoph Matern
Die Öffnungszeiten sind für die Kleiderannahme montags, 16.30 bis 18 Uhr und für die Kleiderausgabe donnerstags von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr und von 16 bis 18 Uhr. Während der Öffnungszeiten ist die Kleiderkammer auch telefonisch erreichbar unter 06772-961690.
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