Klezmer-Kl?nge begeistern in der Singhofener Kirche Drucken E-Mail

thumb_1a-klezmeratmosphreSINGHOFEN/RHEIN-LAHN. (5.September 2011) Musikalische Festtagsstimmung des osteuropäischen Judentums machte sich am Wochenende im Singhofener Einrichdom breit. Das Quartett „Sher on a Shier“ begeisterte mit seiner Interpretation jiddischer Tanzmusik, dieser ganz eigenen Mischung aus Freude und Melancholie, die aus vielen Gemeinden des Rhein-Lahn-Kreises angereisten Besucher des evangelischen Gotteshauses.

"Sher on a Shier" bedeutet so viel wie Tanz ohne Ende. Der Name ist Programm im Hinblick auf die Weiten der Stimmungen, die das Quartett erschließt. Sinnig und abwechslungsreich haben die vier Vollblutmusiker ihren zweistündigen Auftritt zusammengestellt sowohl was Instrumentierung als auch wechselnde Besetzungen anbelangt. thumb_1a-klezmerklarinetteDas fördert die Facetten der Klezmer-Musik nicht nur hör- sondern auch erlebbar und lebendig in den unterschiedlichsten Tanz-Takten zu Tage, vom erfrischend flotten „Sher“ über die schreitende „Hora“ und kecke „Freylekhs“ bis zur verträumten „rumeynischen Fantasie“.

Erst seit Anfang des Jahres spielen die Vier zusammen, versprühen die osteuropäischen Gefühle zwischen Heiterkeit und Schwermut aber bereits als eine überzeugende und zündende Einheit. Mit tänzelnden Bewegungen schicken die Künstler die Töne aus dem Altarraum ins Kirchenschiff, bewegen sowohl die Fußspitzen und Finger der Besucher als auch deren Gemüter. Mit ansteckender Leidenschaft agieren die Musiker – jeder für sich ein Meister seines Instrumentalfachs.

thumb_1a-klezmergeigeSchön wie Anja Günther aus Augsburg ihre Klarinette, dem typischsten aller Klezmer-Instrumente, immer wieder schreien und schluchzen lässt und wie Johannes Paul Gräßer aus Erfurt leidend oder jauchzend seine Violine streicht, zupft oder den Bogen über ihre Saiten hüpfen lässt. thumb_1a-klezmerfloeteSabine Döll aus Dornholzhausen, der das Gastspiel zu verdanken ist, schlägt und streicht den Takt beherzt am Kontrabass oder nimmt an der Querflöte auf sanft sinnierende Melodiereisen mit. Am Akkordeon schließlich sorgt Franka Lampe aus Berlin für einfühlsame Einstiege in die Lieder, verleiht dem Gesamtklang charakteristische Wirkung oder lässt als einfühlsame Begleiterin ihre drei Mitspieler der Reihe nach brillieren.

Mitreißend effektvoll spielt das Ensemble mit dynamischen Steigerungen aus dem Nichts thumb_1a-klezmermitpubbis zum rauschenden Forte und macht auch so das wechselvolle Gefühlsbad zwischen Weinen und Lachen perfekt. Eine jüdische Redensart besagt, dass eine Beerdigung ohne Weinen genauso wenig denkbar ist wie eine Hochzeit ohne Klezmer. Und genau zwischen diesen beiden Polen der Empfindung genossen auch die Besucher in der evangelischen Kirche das laut beklatschte Gastspiel des Klezmer-Ensembles. Bernd-Christoph Matern