|
 DACHSENHAUSEN. (11. November 2011) Das sucht seinesgleichen: In der evangelischen Kirche von Dachsenhausen schmücken künftig vom Frauentreff der Kirchengemeinde gestaltete und angefertigte Antependien Altar und Kanzel. Antependien sind in den liturgischen Farben gehaltene Stoffe mit Symbolen, die zur Kirchenjahreszeit oder besonderen kirchlichen Feiertagen passen. Der Propst für Süd-Nassau, Dr. Sigurd Rink, weihte die Fleißarbeit der Frauen ein und zeigte sich wie die Besucher des Festgottesdienstes von dem Werk der Gemeindegruppe begeistert.
"Ich habe selten erlebt, dass Farben so schön aufeinander abgestimmt sind“, sagte Rink in seiner Predigt, „das ist ganz außergewöhnlich, wenn eine Kirchengemeinde sagt: Wir gestalten das selbst!“ Der Theologe predigte über den einen Geist, der die vielen Begabungen in einer Gemeinde leite und erinnerte an die Bedeutung der liturgischen Farben.
Lila für die Zeit der Besinnung, in der Passion wie im Advent, was angesichts der prall gefüllten Geschäfte immer mehr in Vergessenheit gerate.
Rot symbolisiere Feuer und Liebe, den brennenden Dornbusch und den Geist von Pfingsten und werde zu besonderen Festen angebracht.
Am häufigsten zieren Antependien in Grün in der Epiphanias- und Trinitatis-Zeit den Altarraum, eine Farbe des Wachstums. „Der Lebensbaum, den sie darauf gestaltet haben, passt da ganz ausgezeichnet!“, so der Propst.
Eine ganz wunderbare Symbolik sei auch die Kombination mit dem Licht einer Kerze auf dem schwarzen Behang, der auch in Trauerzeiten wie an Karfreitag oder jetzt am Toten- und Ewigkeitssonntag ans Licht des Lebens erinnere.
Weiße Antependien (sie wurden nicht neu geschaffen) begleiten schließlich hohe Christusfeste und Festzeiten. Für den Fall, dass sie einmal viel Zeit übrig hätten, regte Rink die Frauen an, über ein rosa Antependium nachzudenken, von dem nicht einmal alle Theologen wüssten, dass es ein solches für den Sonntag „Laetare“ in der Fastenzeit und den dritten Adventssonntag „Gaudete“ gebe.
 Mit wie viel Fleiß die Fertigung, aber auch mit wie viel konzeptioneller Fantasie die insgesamt acht Behänge als „Predigt für das Auge“ in den vergangenen Jahren entstanden, darauf machte Gemeindepfarrerin Astridt Westphal die Kirchenbesucher aufmerksam und dankte Margot Zöller, Yvonne Vering, Rosel Heuser, Erika Obel, Ilse Lohrberg und Karin Kossack für ihr großes Engagement. So rückt das Facettenkreuz vor dem Hintergrund unterschiedlicher Lila-Töne als Symbol vielfältiger Lebensbereiche das verbindende Kreuz in den Mittelpunkt. Für das schwarze Antependium wurde die von einem Schafbesitzer gespendete Wolle verarbeitet.
Viel Geduld erforderte die Zusammensetzung der vielen kleinen Felder, die dem roten Behang ihre Dynamik verleihen, und gänzlich zur Sisyphusarbeit geriet die Fertigung des Lebensbaumes auf dem grünen Antependium für Kanzel und Altar. Er besteht aus Knöpfen, den alle Evangelischen in der Gemeinde abgegeben konnten. „Für die Menschen, die keinen abgegeben haben, wurden graue Knöpfe eingesetzt, denn auch sie gehören ja zur Gemeinde“, erklärte Westphal. Das i-Tüpfelchen der Kreativität sind schließlich Altarkerzen, auf denen sich Farben und Symbole der Antependien wiederfinden.
Nach ihrem Amtsantritt 2007 habe der damalige Frauenkreis der Gemeinde den Wunsch geäußert, etwas Sinnvolles für die Gemeinde machen zu wollen, so Westphal. Die Pfarrerin animierte zur Herstellung von Motivkerzen. Damit war nicht nur der Grundstein für die kreative Gestaltung des Kirchenraums gelegt; der in „Frauentreff“ umbenannte Kreis wurde auch mit neuen Gesichtern belebt. Die Besichtigung einer Kerzenfabrik in Montabaur und einer Textilwerkstatt in Darmstadt, die sich auf Paramente spezialisiert hat, sowie einem Stationenabend in der Kirche, in dem es um die Bedeutung und Wirkung von Farben und christlicher Symbole ging, war schließlich Startschuss des Projekts.
„Wir nehmen das Geschenk des Frauentreffs dankbar an“, sagte Berthold Geisel für den Kirchenvorstand im Festgottesdienst, den der Frauenchor Dachsenhausen unter Leitung von Winfried Kahl mit seinem tollen Gesang würdig umrahmte. Neugierig nahmen die Besucher anschließend die Stoffe in Augenschein, bevor zur Feier der Einweihung im Gemeindehaus viele Leckereien gereicht wurden. Bernd-Christoph Matern
|