Mann vom Mitttelrhein sorgt an Elbe f?r bewegendes Lichtermeer Drucken E-Mail

thumb_1a-lichtterrassethumb_1a-helmut_lehwalderDRESDEN/RHEIN-LAHN. (2. Juni 2011) Trotz Regen am Vormittag – bis zum Eröffnungsgottesdienst des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dresden blieb es trocken und der Abend der Begegnung wurde mit einem bewegenden Lichterspektakel an und auf der Elbe gekrönt. Besonders erleichtert zeigte sich darüber ein Mann vom Mittelrhein: Helmut Lehwalder aus Lorch. Ihm obliegt in diesem Jahr die Gesamtverantwortung für die Bühnenplanung und Lichterkonzeption des Kirchentages.

Als er die Menschen an den beiden Elbufern und der Augustusbrücke schwärmen sieht, ist thumb_1a-lichtbrueckedas für den 42-Jährigen die schönste Bestätigung für seine Arbeit. „Die Gefühle der Leute mit der Musik und den Lichtern ansprechen, sie mitnehmen, sie bewegen, so wie der Glaube Menschen bewegt - das ist der Sinn unserer Arbeit“, sagt Lehwalder, der schon in Köln mit seinem Lichtkonzept die Kirchentagsbesucher beeindruckte. „Ich hab vor 20 Jahren mal in Dresden bei den Maltesern gearbeitet und noch die vielen düsteren schwarzen Wände im Gedächtnis“, erinnert er sich. „Da hat es mich sehr angesprochen, jetzt ein solches Lichtkonzept zu erarbeiten.“

thumb_1a-lichtelbeabwaerts„Einfach toll“ kommentiert etwa Gerd Jung aus Dausenau den musikalisch-visuellen Abendausklang, obwohl er mit seinen Mitreisenden vom Posaunenchor kaum noch einen Platz auf der Augustusbrücke ergattern konnten, um das Lichtermeer in dieser einzigartigen Kulisse zwischen Ministerium und der Brühlschen Terrasse zu sehen. „Als der Chor zu singen begann – das war bewegend.“

Sven Helbig hat für diesen Abend das Chorwerk komponiert „…da wird auch dein Herz sein“. Zigtausende Menschen, die mit brennenden Kerzen beide Elbufer und die Brücke bevölkern und die in rot-violette Kirchentagsfarben getauchten historischen Fassaden einschließlich der Frauenkirche – das hat es so noch nicht gegeben. Über die 1,5 Kilometer lange Strecke ließ Lehwalder dann noch 20.000 Kerzen auf dem Strom schwimmen. „Die kommen von einer Firma in Montabaur“, erzählt Lehwalder.

thumb_1a-egt-vonobenVor zwei Jahren begann er mit der Vorbereitung des Kirchentages, pendelte seitdem zwischen Elbe und Mittelrhein Woche für Woche hin und her. Auch die Konstruktion einer Bühne für den Eröffnungs- und Abschlussgottesdienst war für ihn eine Herausforderung. „Es gibt ja nicht so viel Platz in Dresden, wo 100.000 Menschen gleichzeitig feiern können“, so Lehwalder. So wurde das Elbufer zum Austragungsort erkoren und eine nach allen Seiten offene Bühne.

thumb_1a-egtpredigtthumb_1a-egtgoering-wulffBis allerdings der sächsische Landesbischof Jochen Bohl darauf predigen, Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eggert und Bundespräsident Christian Wulff darauf die Menschen begrüßen können, verbrachte Lehwalder viele arbeitsame Tage und Nächte. „Mein Arbeitstag hatte hier in der letzten Zeit 36 Stunden“, schmunzelt der Kirchentagsmitarbeiter, am Eröffnungstag kam er erst morgens um 8 Uhr ins Bett. Auch in seiner Heimatkirchengemeinde Kaub-Lorch springt er gern ein, wenn sein technisches Know-how gefragt ist wie etwa beim Motorradgottesdienst, „oder wenn Pfarrer Urs Michalke sonst mal technisches Gerät benötigt“. Nur in den Kirchenvorstand wollte er sich nicht wählen lassen. „Durch den Kirchentag hätte ich da gar keine Zeit dazu gehabt.“ Berührungsängste mit der katholischen Kirche hat er auch nicht. Im Gegenteil: ein katholischer Jugendpfarrer hat ihn auf die Spur des Glaubens gebracht, und wenn es in Rom ein Ministranten-Treffen ins rechte Licht zu rücken gibt, ist er auch dabei.

Mit dem Eröffnungsgottesdienst hat auch die von Lehwalder konstruierte Bühne ihre thumb_1a-egt-herzenFeuertaufe bestanden. Dort feierten dann rund 84.000 Menschen den Eröffnungsgottesdienst. Mehr als 100 Teilnehmer sind mit Bus, Bahn oder privat aus den Rhein-Lahn-Dekanaten nach Dresden gereist, um sich bis Sonntag dort noch über geistliche und gesellschaftspolitische Themen auszutauschen, Anregungen für die eigenen Kirchengemeinden und den eigenen Glauben zu holen und sich an dem vielfältigen kulturellen Programm zu erfreuen. Helmut Lehwalder ist froh, wenn auch der Abschlussgottesdienst reibungslos über die Bühne geht und nächste Woche nach dem Abbau wieder ein geregeltes Familienleben am Rhein beginnen kann. Bernd-Christoph Matern

Kirchentag schafft Kräfte zur Veränderung 

Auch heute könne ein Kirchentag Kräfte zur Veränderung und Verbesserung von Kirche, Staat und Gesellschaft frei setzen, sagte Bundespräsident Christian Wulff vor 55 000 Menschen nach dem zentralen Eröffnungsgottesdienst auf den Dresdner Elbwiesen. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich nannte den Kirchentag in Dresden einen „Grund zur Freude“.

In seiner Predigt beim zentralen Eröffnungsgottesdienst warnte der Landesbischof der gastgebenden Evangelisch-Lutherischen Kirche Sachsens, Jochen Bohl, vor der verführerischen Macht des Geldes. „Geld macht nicht glücklich, sondern lenkt ab von dem, was im Leben wirklich zählt“, betonte er. Nachdrücklich reife er zu „einem anderen Leben“ auf. Die Losung des Kirchentages „… da wird auch dein Herz sein“ sei in diesen Zeiten aktuell, betonte er. Sie setze Gott ins Recht. „Nicht Geld regiert die Welt, uns nicht“, hob Bohl hervor. „Freie Christenmenschen“ vertrauten auf Gott.

Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt begrüßte die Kirchentagsteilnehmer auch in sechs osteuropäischen Sprachen. „Wir müssen reden“, forderte sie. Über Themen wie Freiheit in Osteuropa und in der arabischen Welt, über Bewahrung der Schöpfung und den Atomausstieg solle auf dem Kirchentag ein intensiver Dialog geführt werden. Gott erhebe Einspruch „gegen Größenwahn und Selbstüberschätzung“, er streite aber auch „gegen Kleinmacher und Angstverteiler“, sagte Göring-Eckardt, die auch Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages ist.

Im Eröffnungsgottesdienst auf dem Dresdener Altmarkt forderte der ungarische evangelisch-lutherische Bischof Tamás Fabiny die Kirchen zu einem stärkeren politischen Engagement auf. Korruption, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Roma-Feindlichkeit müssten deutlich als Sünde benannt werden, betonte er vor rund 17 000 Menschen. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass jemandem Leid angetan werde, weil er eine andere Hautfarbe, eine andere Religion, eine andere Muttersprache oder eine andere sexuelle Identität habe.

Die Kirchen müssten die „himmlischen Schätze suchen“ und anderen zeigen, „dass wir allerhand irdischen Kram weit von uns weisen müssen“, sagte er. Es gelte, nicht Kapital, sondern Vertrauen anzuhäufen. Zugleich kritisierte Fabiny, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Mittelosteuropa ein „neuerer, raffinierterer Materialismus“ Einzug gehalten habe. Dieser könne auch als „Konsumidiotismus“ bezeichnet werden, beklagte der Bischof aus Budapest. Ahnungslose Menschen seien in Kredite gehetzt worden, die eine zunehmend schwerere Last bedeuteten. Bei den Nutznießern der Privatisierung sei dagegen nicht „nach der Herkunft der ersten Million“ gefragt worden.

„Dresden ist ein Kirchentag der Freiheit“, sagte der Juraprofessor Gerhard Robbers, Präsident des nächsten Kirchentages Hamburg 2013, zur Eröffnung auf dem Altmarkt. Er weise hinaus über die Grenzen in die Nachbarländer. Es sei ein großes Glück, Christ sein zu können, hören, zuhören dazugehören zu dürfen. Das Christentreffen in Dresden erinnere auch an die großen Kirchentage in der DDR. Man könne Solidarität lernen mit denen, die arm und einsam sind und Krankheit und Leid erfahren. Am Eröffnungsgottesdienst in leichter Sprache auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche nahmen 12 000 Kirchentagsbesucher teil.