Modellprojekt: Eltern bei Erziehung unterst?tzen Drucken E-Mail

thumb_1elterndiplomklRHEIN-LAHN/BAD EMS. Ob zum Autofahren oder für den Beruf – ohne Schulung geht es nicht. Erziehung bleibt dagegen dem Geschick der Eltern vorbehalten. In Bad Ems soll Erziehungsberechtigten jetzt in Form eines neunteiligen Seminars Hilfe angeboten werden, das mit einem „Elterndiplom“ abschließt. Für Mütter und Väter von Kindern bis zu sechs Jahren und werdende Eltern startet heute in Bad Ems ein Angebot, das es in dieser Form im Rhein-Lahn-Kreis noch nicht gegeben hat.

Die evangelische Kindertagesstätte Arche Noah, Kreisvolkshochschule und die Stadt beginnen ein neunteiliges Erziehungsseminar, dessen Teilnehmer ein „Elterndiplom“ erhalten. „Der Beratungsbedarf ist riesig“, weiß Martina Griese sowohl als Leiterin der Kindertagesstätte Arche Noah als auch durch viele Kontakte mit den Grundschulen. „Wie bringe ich mein Kind dazu, beim Essen ruhig zu sitzen, bei Frust nicht zu aggressiv zu reagieren oder Sprachstörungen abzubauen? Wie erkennen Eltern überhaupt Defizite in der Entwicklung der Kinder, wie können sie behoben werden?“ Das seien einige unzähliger Fragen von Eltern, die in der normalen Kindergartenzeit kaum beantwortet werden könnten, so Griese. „So entstand die Idee zum Elterndiplom.“

Theoretische Grundlagen zu Bewegung, Sprachentwicklung, Ernährung oder Freizeitgestaltung werden dabei vermittelt, Informationen zum kompetenten Umgang mit Medien, zu Fragen der Gesundheit, Sicherheit oder den psychologischen Hintergründen im Verhalten zwischen Kindern und Eltern. „Wer sechs der neun Veranstaltungen besucht, erhält das Diplom“, erklärt Christoph Lehmler, Leiter der Kreisvolkshochschule Rhein-Lahn. Drei werden als „Tandem-Modul“ angeboten. Dabei wird den Eltern im ersten Teil die Theorie, etwa für Bewegungs-, Sing- und Entspannungsübungen vermittelt, anschließend wird das Erlernte mit den Kindern praktisch erprobt.

Der Praxisbezug sei auch bei der Auswahl der Referenten wie Logopäden, Psychologen, Ergo- oder Entspannungstherapeuten berücksichtigt worden. „Die Nähe zum Alltag und zur Praxis ist uns ganz wichtig“, so Lehmler, der auch werdende Eltern ermuntert, das Angebot zu nutzen. „Zu allen Themen kann man etwas lernen, aber in Fragen der Erziehung gibt es noch viel Nachholbedarf“, sagt Martina Griese.

„Das Angebot hat Modellcharakter für den gesamten Kreis“, erklärt Landrat Günter Kern. Er erinnert an Forderungen der Politiker im Kreistag, angesichts der zunehmenden Herausforderungen des Jugendhilfe-Etats Eltern schulen zu müssen. Es sei bemerkenswert, dass da zum gleichen Zeitpunkt aus der Praxis heraus die Idee zu einer Elternschulung entwickelt wurde. Kern: „Hier gibt es jetzt eine Chance, Eltern zu helfen“ und es bleibe abzuwarten, wie das Projekt etabliert werden könne.

Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Trägern in der Kinder- und Jugendbetreuung habe sich bereits in anderen Feldern bewährt. Das Elterndiplom geht im Rahmen des Lokalen Bündnisses für ein familienfreundliches Bad Ems „Viva Familia“ erstmals an den Start. „Wenn es sich bewährt, könnte es auf andere Verbandsgemeinden, vielleicht auch mit anderen Schwerpunkten, ausgeweitet werden.“ (bcm)

Themen und Termine

Die Seminarteile für das Elterndiplom haben folgende Themen und Termine:

„Sprachentwicklung in der Familie fördern, Montag, 6. Oktober, 19 bis 21 Uhr, (Silke Günder, Lehrlogopädin) 

„Sicherheit zu Hause“, Montag, 13. Oktober, 15 bis 17 Uhr; (Marion Weiler, Moderatorin der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder)

„Wie schmeckt denn das – gesund essen und kochen“, Montag, 20. Oktober, 18 bis 21 Uhr; (Stephan Crezelius, Koch)

„Wege aus der Brüllfalle“, Dienstag, 21. Oktober, 19 bis 21 Uhr; (Clare Metzmacher, Psychologin und Bildungsreferentin der evangelischen Kirche Rhein-Lahn)

„Singen, Finger- und Kniereiterspiele – Was Oma noch wusste“, Mittwoch, 22. Oktober und Mittwoch, 5. November, 14.30 bis 15.15 Uhr; (Sabine Marx, Referentin der Kreismusikschule)

„Bewegung als Motor des Lernens“, Montag, 27. Oktober, 14.30 bis 16.30 Uhr; (Jutta Pötter, Ergotherapeutin)

„Kinder und Medien“, Montag, 3. November, 19 bis 21 Uhr; (Petra Effert, Dipl. Pädagogin, Medienkompetenzberaterin)

„Mit Kindern zur Ruhe kommen“, Montag, 10. November, 15 bis 17 Uhr; (Katja Wiedemer, Yoga- und Entspannungstherapeutin)

„Gesund groß werden“, Montag, 17. November, 19 bis 21 Uhr, (Dr. Sandrieser, Oberarzt der Kinderklinik Kemperhof).

Anmeldungen bei der Kreisvolkshochschule Rhein-Lahn unter Telefon 02603/972163.

Bildunterzeile: Hoffen, dass die praxisorientierte Seminarreihe „Elterndiplom“ Zuspruch findet und Schule macht (von rechts): Landrat Günter Kern, Martina Griese und Christoph Lehmler. Foto: Matern