Nassauer entkam in Brasilien nur knapp Katastrophe Drucken E-Mail

thumb_1blumenau1NASSAU. Dieses Weihnachten und der Start ins Neue Jahr war bei der Familie Krohmann aus Nassau von einer ganz besonderen Dankbarkeit geprägt. Sohn Micha entkam in Brasilien nur knapp einer Katastrophe. Der 20-Jährige absolviert in einer Anlage der Gnadauer Brasilien-Mission, in der Drogenabhängige betreut werden, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Sintflutartige Regenfälle haben in der Region eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Auch in der Station.

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thumb_1krohmannkl"Da sieht man Weihnachten in einem ganz anderen Licht", sagt Mutter Christel Krohmann. Eine Woche lang hatten Eltern und Geschwister nichts von Sohn Micha gehört. „Das war nicht einfach für uns“, erzählt Udo Krohmann. Dass die Region von einem 50-tägigen Dauerregen heimgesucht wurde, wussten die Nassauer, aber welche Folgen das haben könnte, war ihnen nicht bewusst.

Ein älterer Bruder Michas stand täglich mit ihm über das Internet in Kontakt, seit er am 1. September seinen Dienst in der 1850 von Deutschen gegründeten Stadt Blumenau angetreten hatte. Der gelernte Schreiner arbeitet dort mit etwa 70 Drogenabhängigen, so genannte Internos, zusammen, um sie wieder auf ein drogenfreies Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Doch dann kam keine Nachricht mehr aus Brasilien.

thumb_1blumenau2Schnell war der Grund für die Funkstille ausgemacht. „Der Newsticker meldete die Katastrophe, noch bevor uns der deutsche Vertreter der Mission Auskunft geben konnte“, erinnert sich Krohmann. Im Internet flimmerten bereits die ersten Videos des Unglücks. Von den schwersten Überschwemmungen seit 25 Jahren, fast 100 Todesopfern sprechen die Medien. Doch wie groß das Ausmaß der Zerstörung in Blumenau ist und in welchem Umgang die Station davon betroffen ist, dringt nur stückweise ins Lahntal, kein Wunder – Stromausfall und Katastrophenstimmung sorgen fern der Heimat für einen Ausnahmezustand.

Eine Woche dauert es, bis es wieder Kontakt zum Sohn gibt. Micha ist mit einem anderen FSJ-ler in einen Büroraum umgezogen – sein Haus wurde von der Flut zerstört. Polizei hatte ihn und seine Mitbewohner kurz bevor das Haus weggespült wurde, gewarnt, so dass er sein Gepäck retten konnte. Fünf weitere Gebäude der Anlage sind ebenfalls nicht mehr bewohnbar.

Er käme sich vor wie in einem Film, schildert Krohmann die Erzählungen seines Sohnes über die Situation in der 330000 Einwohner zählenden Stadt. Gasexplosionen, Tote, Menschen, die vermisst werden, meterhohe Schlammlawinen – für den 20-Jährigen eine Extremerfahrung an Gefühlen, Gerüchen und Geschmäckern. An eine vorzeitige Rückkehr in die deutsche Heimat denkt Micha allerdings nicht. „Es ist ihm ganz wichtig, den Menschen jetzt zu helfen“, sagt Udo Krohmann. Und dabei habe er erstmals typisch deutsche Züge an sich entdeckt, den Drang möglichst rasch und mit einer gewissen Akribie beim Aufräumen ans Werk zu gehen.

Den Sohn zu besuchen, um vor Ort zu helfen, ging Krohmanns auch schon durch den Sinn. „Aber das würde zurzeit wenig Sinn machen“, sagt Udo Krohmann. Schweres Räumgerät ist dort zurzeit im Einsatz, um die Spuren der Verwüstung zu beseitigen. „Da ist es wichtiger, die Aufbauarbeiten finanziell zu unterstützen, damit Unternehmer, aber auch neue Möbel, Ausstattung und der Aufbau neuer Häuser bezahlt werden können.“ Nur noch für knapp 30 „Internos“ stehen jetzt genügend Plätze zur Verfügung.

Damit die mehr als 80 Jahre währende Arbeit der Mission fortgesetzt werden kann, war für die Nassauer Familie klar, das Weihnachtsgeschenke-Geld in die Mission zu investieren. Selbst der achtjährige Enkel ist stolz darauf, ein Weihnachtsgeschenk zu machen, das den Menschen in Brasilien zugute kommt. „Und wir hoffen, dass auch noch viele andere Menschen die Aufbauarbeit unterstützen“, ist Krohmanns Wunsch. Bernd-Christoph Matern

Spendenkonto: Gnadauer Brasilien-Mission, Konto 32664700 bei der Postbank Stuttgart, Bankleitzahl 60010070