Nast?tten empf?ngt Ehepaar als neue Gemeindepfarrer Drucken E-Mail

thumb_1a-koerver-buechereinraeumen1NASTÄTTEN. (23.Januar 2012) Im Pfarrhaus in Nastätten herrscht zwar äußerlich noch Umzugsstress. Doch zwischen Kartons und Werkzeugkasten freuen sich Anne-Bärbel Ruf-Körver und Kristian Körver auf ihren Dienst als neue Gemeindepfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Nastätten, zu der auch die Ortschaften Buch und Oelsberg gehören. Das liegt mit an der Art, wie sie begrüßt wurden: „Nicht nur Landschaft, Kirchen und Kapellen sind sehr schön“, sagt Kristian Körver, „die Menschen hier sind auch überaus freundlich und haben uns mit ihrem herzlichen Willkommen gezeigt, dass sie sich auf uns einlassen. Das tut sehr gut.“

Am Sonntag, 29. Januar, werden sie ins Amt eingeführt. Für Kristian Körver ist die Region nicht fremd. Der 37-Jährige ist in Bad Ems geboren und aufgewachsen. „Aber über Dachsenhausen sind wir damals kaum hinausgekommen“, schmunzelt er. In Heidelberg, wo er seine Frau kennen lernte, begann er sein Theologie-Studium, „damals noch ohne feste Absicht, Pfarrer werden zu wollen“. Die reifte bei dem im Alter von neun Jahren vom CVJM geprägten jungen Mann während eines Praktikums in einer Wiesbadener Gemeinde. Dem Studium folgten das Vikariat in Hofheim und die erste Pfarrstelle in Pfungstadt.

Bei „Amtsschwester“ und Ehefrau Anne-Bärbel Ruf-Körver, die ihren Dienst in Nastätten mit halber Stelle versieht, fiel die Entscheidung zum Pfarrdienst ebenfalls spät. „Religion hat mich zwar schon in der Oberstufe sehr interessiert, aber ich hätte beinahe Musik studiert“, erinnert sich die in Nürnberg geborene Pfarrerstochter und leidenschaftliche Geigenspielerin. Erst als sie den Beruf näher kennen lernte, wurde die Lust aufs Pfarramt geweckt. Ihr Vikariat absolvierte sie in Aschaffenburg, dann folgte der Wechsel von der bayrischen in die hessen-nassauische Landeskirche und die erste Pfarrstelle in Biebesheim am Rhein.

In bester Erinnerung ist ihr nicht nur ein von ökumenischem Miteinander geprägtes Studienjahr in Rom geblieben. Die Zusammenarbeit mit einem Hospizdienst an ihrer Pfarrstelle in Biebesheim möchte sie ebenfalls nicht missen. „Die Art und Weise wie dort mit Sterben und Tod umgegangen wird, hat neben der beruflichen Erfahrung mein Leben auch ganz persönlich bereichert.“ Der Tod werde heutzutage zu sehr tabuisiert, müsse wieder stärker ins Leben geholt werden.

Für beide Theologen ist kein anderer Beruf so vielfältig wie der des Pfarrers und der Pfarrerin. „Die Menschen von der Wiege bis zur Bahre zu begleiten, miteinander zu feiern und zu gestalten, gemeinsam darüber nachzudenken, was Leben in all seinen Dimensionen, mit Brüchen wie mit Freuden, ausmacht – das ist wunderbar“, freut sich die 33-Jährige auf ihren Dienst in Nastätten. Und es sei einzigartig, wie die eigenen Fähigkeiten und Gaben in den Beruf eingebracht werden können. Bei Ruf-Körver zählen Singen und Musizieren vom klassischen Repertoire bis zum Jazz neben der Gartenarbeit zu den Hobbies. Ihr Ehemann kocht sehr gern, übt sich im Akkordeonspiel und hat einen Faible für lebendige Geschichte, was er immer wieder sehr anschaulich in Museen in ganz Deutschland umsetzt.

Mit der frohen Botschaft im Rücken möchten die Beiden zusammen mit den Menschen in Nastätten, Buch und Oelsberg einen Weg finden, um Gemeinde zu bauen. Eine Aufteilung der Aufgaben sei noch nicht geplant. „Wir schauen uns jetzt erst mal alles an und möchten erfahren, was die Menschen brauchen“, sagt Körver. Auch wenn seine Frau meint, die Jugendarbeit liege ihm besonders gut, möchte der Theologe Verkündigung nicht in solche Kategorien eingeengt wissen: „Gottesdienst, Liturgie und Seelsorge muss man für alle Gemeindeglieder gleich wichtig nehmen.“ Sein besonderes Steckenpferd: das religiöse Volks- und Brauchtum. Feste wie die bevorstehende Fastnacht oder eine Kirmes hätten zwar kirchlichen Ursprung, „aber wir haben nicht die alleinige Deutungshoheit“. Das Volk entscheide, was zur Sitte wird. „Deshalb muss sich Kirche bei solchen Anlässen konstruktiv einbringen.“

Wer die neuen Gemeindepfarrer persönlich kennen lernen möchte, hat dazu beim Einführungsgottesdienst in der evangelischen St. Salvator-Kirche Nastätten am Sonntag, 29. Januar um 14 Uhr Gelegenheit. Anschließend gibt es einen Empfang im Bürgerhaus. Bernd-Christoph Matern