Neues Kreuz in Nocherner Kirche predigt ohne Worte Drucken E-Mail

thumb_1a-kreuzfotoco-norbertschmiedelNOCHERN. (24. Oktober 2011) In einem festlichen Gottesdienst hat die evangelische Kirchengemeinde Nochern ein neues Altarkreuz eingeweiht. Die Bad Emser Künstlerin Lies Ebinger hat es konzipiert als Zentrum des christlichen Glaubens. „Wir haben ein neues Altarkreuz, ein Kreuz, das ohne Worte predigt“, sagte denn auch Pfarrer Gerhard Baldewein bei der feierlichen Enthüllung des Werkes.

Mit dem Kunstwerk erhielt der Chorraum mit seinen sehenswerten Fenstern nun ein viertes prägendes Element. „Irgendetwas fehlte im Altarraum der Nocherner Kirche. Darüber waren sich thumb_1a-neues_kreuz260911-cmKirchenvorstand und Gemeinde schon lange einig“, erinnert sich Gemeindepfarrerin Nadine Hofmann-Driesch. Lediglich mangelte es an einem Konzept, wie denn diese Lücke zu schließen sei.

Baldewein, die Gemeindepfarrerin, Wiebke Sopp, Werner Gensmann, Helmut Bornwasser, Ingrid Geib, Irmtaud Beilstein, Frauke Brost und Diethelm Gresch erarbeiteten in einem eigens zu diesem Zweck gegründeten Ausschuss zur Altarraumgestaltung mit Lies Ebinger die Konzeption für dieses Altarkreuz, das dem Altarraum nun eine ganz neue Wirkung verleiht. Als zentrales Symbol des christlichen Glaubens steht es im Fokus. Es scheint über dem Altar zu schweben in einer kuriosen Verbindung aus Keramik und Stahl.

In einer Gemeindeversammlung konnte die Gemeinde für diesen Entwurf begeistert werden, der unter anderem den Taufstein aus den 1960er Jahren mit einbezieht und noch weitere Ideen für die Gestaltung des Altares beinhaltet. Es ist also noch ausbaubar und auf Zukunft angelegt, erklärt Hofmann-Driesch. Dann ging es ans Werk: Katharina Ebinger-Schnaß, die thumb_1a-kreuzaufbaufotobaldeweinGeschäftsführerin der Keramikfirma Ebinger-Schnaß in Bad Ems, hat die einzelnen Keramikplatten gestaltet und gebrannt. Erich und Gustav Kappus haben das tragende Gerüst des Kreuzes geschaffen. Paul Driesch brachte die Keramikplatten zusammen mit Katharina Ebinger-Schnaß vor Ort an.

Durch die Form des Kreuzes werden die drei aus Buntglas gestalteten Fenster in der Apsis ergänzt, die die Taufe Jesu, die letzte Mahlfeier der Jünger mit Jesus und die Ausgießung des Geistes Gottes zeigen. Zusammen mit dem Kreuz sind damit die wichtigsten Inhalte des Glaubens im Altarraum sichtbar.

Die Dominanz des Kreuzes entspricht dabei seiner Stellung im Christentum und fordert den Gottesdienstbesucher auf, sich dazu zu verhalten und das Kreuz mit eigenem Inhalt zu füllen. „Was bedeutet es für mich in meinem Leben?“, nennt Hofmann-Driesch Denkanstöße oder: „Sich selbst von Gott ansprechen anstatt sich etwas vorbeten zu lassen – was könnte typisch protestantischer sein als diese Einladung?“ Mit der Gestaltung ihrer Kirche zeige die Nocherner Gemeinde darüber hinaus, dass sie eine lebendige Gemeinde ist, die ihr Gotteshaus nicht nur für die Nachwelt erhält, sondern aktiv belebt. „Tradition ja, aber nicht unveränderliches Konservieren“, so die Theologin. Die Kosten für das Kreuz tragen so auch viele einzelne Spenden aus der Gemeinde, wofür es zu danken gebe.
(Fotos: Schmiedel, Matern, Baldewein)

Der Tod ist nicht das Letzte 

Folgende Worte fand Pfarrer i. R. Gerhard Baldewein vom Gestaltungsausschuss bei der Enthüllung des Kunstwerkes:

„Wir blicken auf ein Kunstwerk, das ohne Worte predigt. Seine Farben sind so gewählt, dass sie sich harmonisch in dieses Gotteshaus einfügen. Die beiden Grundfarben Grau und Rot-violett schaffen eine Verbindung zur vorhandenen Farbgestaltung des Altarraumes: Zur Sandsteinfarbe der Bodenplatten, zu der grau-violetten Farbgebung des Altars und zu den Violett-Tönen in den Glasfenstern.

thumb_1a-neueskreuz260911detail-cmIm Zentrum des Kreuzes, da wo die beiden Balken sich kreuzen, erblicken wir einen etwas erhabenen, in einem warmen Rot gehaltenen Keramikkreis. Er nimmt das Rot aus dem Abendmahlsfenster auf. Dort umgibt es den Christuskopf und signalisiert uns: Dieser Jesus Christus opfert sich für uns. Am Kreuz auf Golgatha vergießt er sein Blut, weil er für unsere Schuld Sühne leistet. Sein Opfertod macht uns bewusst, wie weit Gott in seiner Liebe zu uns Menschen gegangen ist. Wie wichtig wir ihm sind.

Der rote Keramikkreis auf dem Altarkreuz umschließt eine Halbkugel, die mit echtem Gold überzogen ist. Von ihr geht ein strahlender Glanz aus, ebenso von der vergoldeten Scheibe dahinter. So wie im Morgengrauen die glutrote Scheibe der aufgehenden Sonne einen schönen Tag ankündigt, so kündigen die goldene Halbkugel und die goldene Keramikscheibe Gottes neue Schöpfung an. Denn das glauben und bekennen wir: Der gekreuzigte Jesus ist nicht im Tod geblieben. Gott hat ihn am Ostermorgen in ein neues Leben gerufen: In ein Leben, in dem es kein Leiden und kein Sterben mehr gibt. In ein ewiges Leben.

Die beiden Keramiken im Gold signalisieren uns: Auch für uns wird der Tod nicht das Letzte sein. Auch uns will Gott neues Leben schenken, wenn unsere irdische Zeit zu Ende gegangen ist. Wir haben eine Hoffnung, die mit unserem Tod nicht stirbt. Diese Hoffnung verdanken wir dem gekreuzigten Jesus Christus, darum das Zeichen des Kreuzes in der goldenen Halbkugel.“