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 RHEIN-LAHN/LAHNSTEIN. (5. April 2011) Dass Menschen in Notsituationen sich nicht allein gelassen fühlen müssen, dafür sorgt seit zehn Jahren die Notfallseelsorge Rhein-Lahn. Während eines Empfangs in Lahnstein würdigten Vertreter aus Politik, Kirche und der Rettungsorganisationen die Arbeit der Seelsorger, die zum unverzichtbaren Bestandteil der Rettungskette geworden sei, wie es Innenstaatssekretär Roger Lewentz in einem Grußwort formulierte.
175.000 Bereitschaftsstunden, 315 Alarmierungen und mehr als 900 Einsatzstunden – das ist nach einem Jahrzehnt die Bilanz von Theologen und Laien, die im West- und Ostteil des Kreises ihren Dienst tun, um etwa bei schweren Verkehrsunfällen, unerwarteten Todesfällen, Unfällen mit Kindern, bei Verbrechen oder Katastrophen wie zuletzt dem Familiendrama in Diez oder dem Tankerunglück im Rhein Verletzte, Angehörige von Opfern oder auch die Einsatzkräfte seelsorgerisch zu betreuen. 35 Kräfte sind dabei derzeit fast rund um die Uhr einsatzbereit wie Ulrike Braun-Steinebach, evangelische Pfarrerin für die Notfallseelsorge Rhein-Lahn und Westerwald, den Besuchern des Geburtstagsfestes erklärte.
Propst Dr. Sigurd Rink führte während des Festgottesdienstes zehn neue Notfallseelsorger in ihren Dienst ein. Es sei gerade im Vergleich zu anderen Regionen beeindruckend, dass im Rhein-Lahn-Kreis so viele Ehrenamtliche und Theologen für diesen Dienst bereit seien, um in Notsituationen als menschliches Gegenüber einfach da zu sein, zuzuhören und Menschen das Gefühl zu geben, dass sie mit ihrer Not nicht allein sind. Dabei seien keine großen Worte gefragt. „Da sein, mitgehen, mitfühlen – das ist es, wozu uns die Geschichte vom Barmherzigen Samariter auffordert“, so Rink.
Landrat Günter Kern wies vor den rund 100 Vertretern aus Politik, Feuerwehr, Polizei, Notärzten und Sanitätern auf die dringende Notwendigkeit der „Ersten Hilfe für die Seele“ hin, deren Einrichtung nach dem Zugunglück von Eschede ganz konkret geplant wurde und die sich auch bei Einsätzen im Rhein-Lahn-Kreis seither immer wieder bewährt habe. Ulrike Braun-Steinebach habe mit Verve, Mut und Überzeugung den Aufbau vor zehn Jahren vorangetrieben. „Danke, dass sie die Kraft auf sich nehmen, da zu sein und die richtigen Worte zu finden“, so Kern an die Notfallseelsorger.
 Peter Schüßler, bei der Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in Koblenz zuständig für die psychosoziale Notfallversorgung, dankte der evangelischen und katholischen Kirche im Namen von Innenstaatssekretär Roger Lewentz und der Landesregierung für das zehn Jahre währende verlässliche Engagement. „Sie halten aus, was Betroffene aushalten müssen und tragen zur seelischen Gesundheit aller Beteiligten bei.“
„Wir stehen vor einem Scherbenhaufen, wenn unser Bemühen vergeblich war“, sagte der Leitende Notarzt des Rhein-Lahn-Kreises, Dr. Hans Jaeger; „sich um Angehörige zu kümmern, war kein Thema in der medizinischen Ausbildung.“ Es sei die einzig richtige Entscheidung gewesen, diese Aufgabe vor zehn Jahren in die Hände von Seelsorgern gegeben zu haben, „die auch zu jeder Zeit da sind, wenn sie gebraucht werden“, so der Arzt.
   Viele Gratulanten konnten Braun-Steinebach und Pastoralreferent Manfred Steiger von der katholischen St. Barbara-Gemeinde, die die Feier ausrichtete, begrüßen. Dem Dank an die Notfallseelsorger schlossen sich etwa Landtagsabgeordneter Frank Puchtler (SPD), Dekan Christian Dolke (Diez) für die evangelischen Rhein-Lahn-Dekanate, Lothar P. Bindczeck für die katholische Bezirksversammlung Rhein-Lahn, Pfarrer Dr. Raimar Kremer vom Zentrum Seelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Pfarrer Winfried Steinke für die Notfallseelsorge Westerwald an. Bernd-Christoph Matern
Neu beauftragt
Folgende zehn Personen wurden neu für ihren Dienst als Notfallseelsorger beauftragt: Markus Bomhard, Yvonne Fischer, Angelika Keitsch, Ingo Lüderitz, Dr. Gerhard Luhofer, Solveig Müller, Sabine Schäfer-Schupp, Roswitha Weimer, Astridt Westphal und Gunter Wetzel.
Spendenübergabe: Die Präses des evangelischen Dekanates Diez, Astrid Ellermann (links) und Dekan Christian Dolke überreichten der Pfarrerin für Notfallseelsorge Ulrike Braun-Steinebach 1000 Euro, die im Dekanat für den Dienst gesammelt wurden.
Fotos: Bernd-Christoph Matern
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