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RHEIN-LAHN. (21.Januar 2011) Ob nach einem Verkehrsunfall oder einem Suizid – wenn Menschenleben in Gefahr sind oder der plötzliche Tod Angehörige verzweifeln lässt, werden im Rhein-Lahn-Kreis nicht nur Rettungskräfte und Ärzte angefordert, sondern auch die Notfallseelsorge. 35-mal war dies im Jahr 2010 der Fall, wie aus dem Jahresbericht der Pfarrerin für Notfallseelsorge Ulrike Braun-Steinebach hervorgeht. Todesnachrichten wurden überbracht, Opfer, Angehörige und Rettungskräfte in Notsituationen begleitet.
Die 27 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger waren im Ost- und Westteil des Kreises im Jahr 2010 zwischen 15 Minuten und sieben Stunden, insgesamt 83 Stunden im Einsatz. Die Zahl der Einsätze lag im Vorjahr noch fast doppelt so hoch. „Wir sind ganz froh, dass unsere Hilfe seltener als 2009 gebraucht wurde“, so Braun-Steinebach. Zum Einen spreche das für ein Jahr mit weniger großen und häufigen Schadensereignissen, zum Anderen „sind wir 2009 an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen.“
Verständigt wurden die Seelsorger überwiegend von der Rettungsleitstelle in Montabaur, in einigen Fällen auch von der Polizei oder Betroffenen selbst. Die Einsatzzeiten lagen zwischen morgens und abends gleichmäßig verteilt, sechsmal wurden die Seelsorger auch nachts gebraucht. Am häufigsten wurden sie im Dezember (13-mal) angefordert. Nach wie vor stellt der häusliche Tod mit zehn Alarmierungen den häufigsten Einsatzgrund dar. Neunmal wurden die Notfallseelsorger im Zusammenhang mit Suiziden gerufen, sechsmal musste eine Todesnachricht überbracht werden. Mit sieben Einsätzen ist erstmals seit langer Zeit wieder ein Verbrechen trauriger Grund für die Verständigung der Notfallseelsorge Rhein-Lahn. Mit den Einsätzen selbst ist die Arbeit der Notfallseelsorger nicht beendet. „Auch nach dem Ereignis selbst gibt es im Familien- und Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in der Schule hohen Gesprächsbedarf.“
Auch Fortbildung und Austausch der Kräfte standen auf der Agenda. So wurde eine Supervisionsgruppe eingerichtet, die vierteljährlich unter professioneller Anleitung die geleisteten Einsätze bespricht und aufarbeitet. „Für die eigene seelische Gesundheit ist das ein Muss“, so Braun-Steinebach, und für die Professionalität im Einsatz sei es ein großer Reichtum an Leben und Lernen. „Notfallseelsorger sind Menschen, die in Krisen und Katastrophen des Lebens da sind und da bleiben und anderen Menschen helfen, dort wieder einen festen Stand zu erlangen, wo von einem Augenblick auf den anderen der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.“ Zwar betrieben Notfallseelsorger ihren Dienst aus einem festen Glauben heraus mit großem Engagement und Offenheit, doch auch an ihren Seelen gehe der Einsatz nicht spurlos vorbei, was die Aufarbeitung so wichtig mache, erklärt die Theologin.
Als Gewinn für die Arbeit wertete sie Einkehrtage, bei denen die Themen „Stressbewältigung und Entspannung“ sowie „Umgang mit Schuld im Einsatz“ im Mittelpunkt standen. Hintan gestellt wurde das Vorhaben, einen Förderverein zu gründen. „Wir haben zwar viele Mitstreiter gewinnen können, aber leider keinen Vorsitzenden“, so Braun-Steinebach.
Von den 27 Notfallseelsorgern (13 Frauen und 14 Männer) sind 19 Theologen und acht Laien, vier sind katholisch, 23 evangelisch, 13 kommen aus dem Ost-, 14 aus dem Westteil des Kreises. Braun-Steinebach wirbt immer wieder auch um Verstärkung, um die Bereitschaftszeiten, die zurzeit bei fünf Wochen pro Jahr liegen, reduzieren zu können. Im Jahr 2011 besteht die Organisation zehn Jahre. Bernd-Christoph Matern
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