?kumenische Vesper mit Weihbischof: Diaspora sind wir alle Drucken E-Mail

thumb_1a-vesper10kirchethumb_1a-vesperweihbischofausgleichendNASTÄTTEN/RHEIN-LAHN. (8.Juli 2010) Gemeinsam Zeugnis abzulegen, dazu rief der Limburger Weihbischof Dr. Thomas Löhr katholische und evangelische Christen nach einer ökumenischen Vesper in Nastätten auf. „In der Gesellschaft, in der wir leben, können wir uns zusammenschließen und sind immer noch in der Diaspora“, sagte der Bistumsvertreter und sprach sich einmal mehr dafür aus, dass sich evangelische und katholische Christen einander noch besser kennen lernen und tun, was gemeinsam bereits möglich ist.

Zu mehr Verständnis trug Löhr selbst bei, als er katholischen und evangelischen Christen im Pfarrheim sehr anschaulich Herkunft und Bedeutung von Reliquien, von Kreuzwoche und Kreuzfest erläuterte, dessen Abschluss in diesem Jahr bistumsweit in Nastätten gefeiert werden soll. Gerade den protestantischen Besuchern wurde dabei bewusst, wie auch Reliquien in einer aufgeklärten Welt zu einer Vertiefung des Glaubens und christlicher Perspektiven beitragen können.

thumb_1a-vesper10loehr-bindczeckLöhr streifte in seinem Vortrag die lange Tradition der Reliquien-Verehrung, für die es schon im 2. Jahrhundert Zeugnisse gibt. Er erinnerte daran, dass Reliquien manchmal auf unterschiedlichste Weise negativ genutzt wurden, um sich etwa zu bereichern oder Menschen für Machtinteressen zumissbrauchen. Und der Theologe machte keinen Hehl daraus, dass auch die Kreuz-Reliquie, auf die sich das Limburger Bistumsfest bezieht, auf Legenden basiert.

Die aus Trier stammende, oströmische Kaiserin Helena soll im Rahmen einer von ihr geleiteten Expedition in Jerusalem das wahre Kreuz Jesu Christi ausgegraben haben. Das Fest erinnert gleichzeitig an die Weihe der konstantinischen Basilika über dem Heiligen Grab in Jerusalem, die am 13. September 335 geweiht wurde und in der am Tag nach ihrer Weihe zum ersten Mal eben dieses von Helena gefundene Kreuz feierlich gezeigt wurde. Die Reliquie gehört zu den Kostbarkeiten des Limburger Domschatzes.

Mit dem traditionsreichen Kreuzfest, das dieses Jahr zum 51. Mal gefeiert wird, sei gleichzeitig ein Identität stiftendes Fest für das Bistum Limburg geschaffen worden, so Löhr. Dem Kreuz als symbolischem Gegenstand, der mit dem Leiden Jesu in Berührung bringe, komme als Reliquie eine besondere Bedeutung zu. „Das hat einen großen geistlichen und spirituellen Tiefgang“, so Löhr, denn es gehe nicht um das Stück Holz. „Man kann weder ein Holzkreuz noch eine andere Reliquie anbeten“, sagte der Weihbischof. Vielmehr gehe es um das Kreuz Christi, „was uns allen doch am meisten am Herzen liegt.“

Mission und Ökumene seien eng miteinander verbunden. Und weil es im Bezirk Rhein-Lahn so viele gute ökumenische Beziehungen an der Basis gebe, solle dies auch durch einen ökumenischen Akzent des Festes deutlich werden. „Ökumene wollen wir aber auf Augenhöhe“, sagte Nastättens evangelischer Gemeindepfarrer Dr. Martin Breidert, der den katholischen Bistumsvertreter an die vom jetzigen Papst Benedikt XVI. im Jahr 2000 herausgegebene „Dominus Iesus“ erinnerte. Diese katholische Erklärung zu den Grundlagen der Glaubenslehre unterscheidet zwischen der römisch-katholischen Kirche als „einen einzigen Kirche Christi“ und den „kirchlichen Gemeinschaften“, zu denen die Erklärung die Protestanten zählt. Das Papier vermittle vielen evangelischen Christen das Gefühl, einer Kirche niederen Ranges anzugehören, so Breidert.

Sicher müsse immer wieder geschaut werden, wo in der Ökumene „Sand im Getriebe“ ist, so Löhr. So vielschichtig der Mensch sei und nicht nur aus dem Kopf bestehe, seien auch christlicher Glaube und Ökumene nicht nur von theologischen Diskursen geprägt. Das Kreuzfest könne auch der Frage nachgehen, wie die religiöse Praxis aussieht. Der stellvertretende Dekan des Dekanats St. Goarshausen, Pfarrer Armin Himmighofen, sprach das „Geheimnis des Glaubens“ an, von dem auch eine Wirkung ausgehe, „die man nicht verstehen soll“.

Vom guten katholisch-evangelischen Miteinander hatte zuvor die gut besuchte ökumenische Vesper im gemeinsamen Beten, Nachdenken und Singen Zeugnis abgelegt. Im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2010 hatten das evangelische Dekanat St. Goarshausen und der pastorale Raum Nastätten/Schönau unter dem Bibelwort „…thumb_1a-pfarrheimbindczeckalleund ihr seid Zeugen!“ dazu in die katholische Kirche St. Peter und Paul nach Nastätten eingeladen. Die Vesper hatten Löhr, Breidert, Himmighofen sowie der katholische Pfarrer Gerd-Heiner Neuhoff gemeinsam mit vielen katholischen und evangelischen Besuchern gefeiert, bevor der Vorsitzende der katholischen Bezirksversammlung Rhein-Lahn, Lothar Bindczeck die Gäste zum ökumenischen Gedankenaustausch im Pfarrheim begrüßte.

Bernd-Christoph Matern