Organisten aus Dekanat Diez erleben heiße Fortbildungsfahrt Drucken E-Mail

thumb_1orgelfahrt060710aDIEZ/RHEIN-LAHN. (9. Juli 2010) Die Teilnehmer kürten sie mit dem Titel „heißeste Orgelfahrt des Jahres“: Dies wurde zum Motto einer Fortbildung, zu der Dekanatskantor Martin Samrock die Organisten des evangelischen Dekanates Diez eingeladen hatte. Drei Gründe führten zum Motto: es war der bis dahin heißeste Tag des Jahres 2010, Deutschland gewann mit 4:0 das Viertelfinale der Fußball-WM, und mit zahlreichen musikalisch „heißen“ Eindrücken wurde die Heimreise angetreten.

Inhalt der Weiterbildung war es, zu erleben, wie sich die typischen Klangideale verschiedener Musikepochen in Anlage, Stimmung und Bau der Orgeln widerspiegeln und auswirken. Erstes Ziel der Fahrt war die Lutherkirche in Wiesbaden, wo die Teilnehmer eine interessante Führung mit der dortigen Pfarrerin erlebten. Die Lutherkirche wurde von 1908 bis 1910 im Jugendstil nach dem Wiesbadener Programm errichtet. Wiesbadener Programm bedeutet, dass Altar, Kanzel und Orgel zentral hinter und über einander angeordnet sind.

Der Innenraum der Lutherkirche hat die Form einer Ellipse, über welche sich ein Kreuzrippengewölbe spannt. Jugendstil-Ornamentik ziert Wände, Decke und Empore. Eine Besonderheit ist auch der 50 Meter hohe Kirchturm, von dem man einen herrlichen Blick über die Stadt hat. Ausgestattet ist die Lutherkirche mit gleich zwei großen Orgeln: der neuen Klais-Orgel und der historischen Walcker-Orgel.

Die ursprüngliche Orgel wurde 1911 von der Firma Walcker aus Ludwigsburg mit 46 Registern auf drei Manualen und Pedal in romantischer Stimmung gebaut. 1979 wurde auf der rückwärtigen Empore eine neue dreimanualige Orgel mit 44 Registern von der Firma Klais aus Bonn installiert, weil die unter Denkmalschutz stehende Walcker-Orgel unter starken technischen Störungen und Mängeln zu leiden hatte. Mittlerweile wurde diese Orgel aber restauriert und gilt als besonderes Denkmal der Orgelbaukunst.

thumb_1a-orgelfahrt060710cDer Kantor der Lutherkirche, Jörg Endebrock, stellte beide Orgeln den Teilnehmern der Orgelfahrt anhand beeindruckender Klangbeispiele vor. Anschließend erläuterte er den Aufbau der jeweiligen Orgel und die Anordnung der Register in den einzelnen Werken. Dann folgte ein erster Höhepunkt: Die Teilnehmer bekamen die Möglichkeit, mitgebrachte Orgelliteratur selbst an beiden Orgeln zu spielen und verschiedene Klangfarben auszuprobieren. Der Akzent lag zunächst auf der Musik aus der Romantik (Walcker-Orgel) beziehungsweise aus dem norddeutschen Orgelbarock und der Moderne (Klais-Orgel).

Nachmittags besuchte die Fortbildungsgruppe das Orgel-ART-Museum in Windesheim. Das Museum wurde im September 2001 eröffnet; sein Grundriss erinnert an eine klassische Orgel. Ausgestellt ist die Instrumentensammlung der Familien Oberlinger und Otto Heuss. Insgesamt sind 33 Instrumente aus der Zeit der Renaissance bis zur Moderne ausgestellt. Alle Instrumente konnten von den Teilnehmern gespielt werden. Schwerpunkt des Museumsbesuches war es, sich mit den originalen Klängen der Orgelmusik aus weiteren Epochen zu nähern.

Dabei lag ein erster Schwerpunkt auf der Musik von Gotik und Renaissance, dann auf Musik des italienischen Komponisten Girolamo Frescobaldi (um 1600) sowie anderer italienisch beeinflusster Musik des 17. Jahrhunderts. Schlusspunkt bildete die Auseinandersetzung mit den Klängen französischer Orgelmusik. Dabei konnten die Teilnehmer der Fahrt das Spielgefühl an den Instrumenten erfahren und unterschiedliche Möglichkeiten der Registrierung erörtern. Während der Fahrt und der Mahlzeiten war darüber hinaus Zeit für den kollegialen Erfahrungsaustausch gegeben.

Petra Isselbächer