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PC-Verfahren sp?rt Bed?rfnisse Behinderter auf Drucken E-Mail

thumb_1stiftunggbmanwendertreffenNASSAU. (6. Juli 2011) Ein internationales Anwendertreffen fand in der Stiftung Scheuern in Nassau statt. Das PC-gestützte Verfahren zur Ermittlung von Bedarfen behinderter Menschen ist heute unter dem Begriff Behindertenhilfe-Assistent bekannt. Das von Professor Dr. Werner Haisch (Foto) von der katholischen Stiftungsfachhochschule München entwickelte Verfahren ermöglicht die Entwicklung und Sicherung der Qualität pädagogischer Arbeit für Menschen mit Behinderungen.

Es ermöglicht bedarfs- und ressourcenorientierte Planungssicherheit, gewährleistet hohe Fachlichkeit und dient der Veränderung von Sichtweisen und Haltungen. Seit 1996 arbeitet die Stiftung Scheuern im Bereich Wohnen mit dem GBM-Verfahren (Gestaltung der Betreuung für Menschen mit Behinderungen).

Vor 15 Jahren versammelten sich zum ersten Mal die GBM-Anwender bundesweit zu einem Austausch in Scheuern, auch um die Weiterentwicklung des Verfahrens anhand praktischer Erfahrungen zu unterstützen. 2011 war die Stiftung Scheuern nun zum zweiten Mal Ausrichter dieser Veranstaltung. Im Vordergrund der jährlichen Anwendertreffen stehen jeweils der Erfahrungsaustausch, Informationen über die Weiterentwicklung des Verfahrens sowie fachliche Referate, Diskussionen und Workshops zu aktuellen Themen der Behindertenarbeit sowie der soziokulturellen und politischen Entwicklung.

Einleitend blickte Hartmut Schumm von der Stiftung Eben-Ezer aus Lemgo auf die Geschichte der GBM-Anwendung zurück. Mitinitiator Dr. Haisch stellte seine Forschungsergebnisse zum Thema Inklusion ausgehend von der Bedarfslage von Menschen mit differenziertem Assistenzbedarf dar. Gracia Schade vom Mainzer Verein Zentrum für selbstbestimmtes Leben e.V. vertrat die Sicht betroffener Menschen und setzte sich mit dem Wunsch- und Wahlrecht für Menschen mit Behinderungen auseinander. Auf diesem Hintergrund gab sie Impulse zur Verbesserung des GBM-Verfahrens.

Haisch verglich in einem zweiten Vortrag die beiden konkurrierenden Verfahren GBM und ICF (Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit). Praxisorientierte Referate zum aktuellen Entwicklungsstand des GBM-Verfahrens und der zugehörigen Software hielten Stephan Eggloff vom Amt für Soziale Sicherheit Solothurn und Andreas Schönberg von der Softwareentwicklung der Firma Systema Deutschland.

Neben den Vorträgen konnten sich die Teilnehmer in verschiedenen Workshops einbringen. Dr. Haisch lud in seinem Workshop dazu ein, sich mit der Lebensgestaltung von Menschen mit herausfordernden Verhaltensweisen auseinanderzusetzen. Silke Frietsch, Leiterin des Qualitätsmanagements der Nieder-Ramstädter Diakonie, diskutierte im Workshop über Chancen und Stolpersteine bei der Umwandlung von großen Einrichtungen der Behindertenhilfe hin zu regional ansässigen, kleineren Einheiten. Sie gab Anregungen zu den Themen Qualitätsmanagement, Controlling, sowie regelmäßige Zufriedenheitsabfragen bei Bewohner, Mitarbeitern und Kunden.

Dorothea Misgeld und Patric Vorbrodt-Röhl, Diakonie Kork, stellten an Beispielen die bedarfsgerechte Verteilung personeller Ressourcen auf Grund der GBM-Auswertung vor. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig diese Ergebnisse bei Verhandlungen mit Kostenträgern hinsichtlich eines erhöhten Betreuungsbedarfs sind. Hartmut Schumm von der Stiftung Eben-Ezer brachte didaktische Hilfen mit, die Schulung und Beratung von Mitarbeitern im Betreuungsdienst unterstützen.