Polyphone Stimmkunst erf?llt Martinskirche zur Klangnacht 2011 Drucken E-Mail

thumb_1a-kn11swd-eqdankBAD EMS. (15. Juni 2011) Mit „Cantemus!“ begann die Klangnacht, zu der die KulturOffensive und die evangelische Kirchengemeinde Bad Ems im Rahmen des Klangfestes in die evangelische Martinskirche eingeladen hatten. Das „SüdWestDeutsche Vokalensemble“ und das „Ensemble quartonal“ nahmen dort mit auf eine außergewöhnliche Reise der Mehrstimmigkeit.

Eine wahre Schatzkiste anspruchsvoller A-cappella-Chorliteratur wurde in dem evangelischen Gotteshaus geöffnet und fand im voll besetzten Kirchenschiff dankbare Zuhörer. Selten in heimischen Gefilden aufgeführte, weil sehr schwierige Werke wurden dort zum Besten gegeben.

Das elfköpfige Vokalensemble machte mit der lateinischen Aufforderung zum Singen den Anfang und erfüllte das Kirchenschiff unter anderem mit Werken zweier großer Motetten-Komponisten ihrer Zeit: Johann Hermann Schein und Heinrich Schütz. „Ich freue mich im Herren“ aus dem „Israelbrünnlein“ von 1623 und die Sterbemotette „So fahr ich hin“ aus Schütz‘ „Geistlicher Chormusik“ wurden zur Lehrstunde in Sachen freier Polyphonie, die den Männern und Frauen ein Höchstmaß an tonaler Sicherheit abverlangte.

thumb_1a-kn11publikumvonobenMit der bestach auch das zweite Chorensemble des abendlichen Doppelkonzertes. „Ensemble quartonal“ bot ein Wechselspiel zwischen klassischen geistlichen Vertonungen und zeitgenössischen und brachte mit der Tonkunst nordischer Komponisten in Kontakt. Das Quartett wechselte etwa von einem Ave Maria von Josef Gabriel Rheinberger zu einem des 1961 geborenen Finnen Reijo Kekkonen, überraschte mit einem „Miserere mei, Deus“ von Urmas Sisask aus Estland und dem mit exaktem Sprechgesang angereicherten, fast schon sprachakrobatischen „E cantico canticorum fragmenta“ des belgischen Komponisten Vic Nees - die sehr ausdrucksstark vorgetragene polyphone Lautmalerei schließt mit lautem Stampfen.

Romantisches von Thomas Tallis aus dem 16. Jahrhundert fand ebenso Beifall wie effektvoll auf die Vier zugeschnittene Arrangements bekannter Spirituals. Die von der Gregorianik geprägten Chorsätze der Klangnacht, das an Verzierungen reiche polyphone In- und Miteinander der Stimmen, der klare Klang der Männerstimmen – das alles passte bestens zum Ambiente der hohen spätromanischen Basilika.

thumb_1a-kn11-pause1Nach einer in vertrauten Harmonien von beiden Chören vorgetragenen Segensbitte gab es vor der Kirche noch einen stimmungsvollen nächtlichen Aus- und Nachklang von den Glocken aller Bad Emser Gotteshäuser.
Bernd-Christoph Matern

Mehr Informationen über das gesamte Programm des Bad Emser Klangfestes finden Sie hier.