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DIEZ/RHEIN-LAHN. (7.April 2011) „Dem Faktor Zeit für Gespräche muss der Gesetzgeber in der Pflege mehr Gewicht beimessen.“ Das sagte Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, bei einem Besuch in der Kirchlichen Sozialstation in Diez. Eine gute Stunde nahm sich der führende evangelische Kirchenvertreter Zeit, um in Diez ganz praktische Probleme in der Pflege in einer ländlichen Region zu diskutieren.
Vertreter der evangelischen Dekanate Diez und St. Goarshausen und deren diakonischen Einrichtungen, Verbandsgemeindebürgermeister, Landtagsabgeordneter und Landessynodaler Frank Puchtler sowie Propst Dr. Sigurd Rink nahmen an dem Gespräch teil. „Wir befinden uns in einem ständigen Konflikt zwischen Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit“, erläuterte Pfarrer Adi Tremper, Vorstandsvorsitzender der Sozialstation in Diez, zur Begrüßung. Die diakonische Einrichtung des evangelischen Dekanates Diez stehe mit einem Umsatzplus von zehn Prozent zwar noch relativ gut da, aber die Situation werde schwieriger.
„Leistungen aus einer Hand werden mehr denn je verlangt“, so Geschäftsführerin Eva Reichwein. Deshalb arbeite die Station ständig an einer Erweiterung ihrer Angebote. „Essen auf Rädern“, Angebote für Menschen mit einer Behinderung und Demenz oder auch die Einrichtung eines Hospizes nannte sie als Beispiele. „Wichtig ist uns, dass bei allen unseren Angeboten die Qualität nicht auf der Strecke bleibt“, so die Leiterin der Sozialstation Evelin Scheffler.
Angesichts einer steigenden Zahl schwerstkranker und sterbender Menschen, die immer seltener noch von ihren Angehörigen betreut werden, sahen es Präses Schneider und die Anwesenden als eine gesamtgesellschaftliche  Herausforderung an, den Menschen auch in Zukunft noch Hilfe und Nähe anzubieten. Die Bürgermeister Harald Gemmer (Katzenelnbogen) und Volker Satony (Hahnstätten) erinnerten an die sozialen Finanzierungsprobleme, die der demografische Wandel für die ländliche Region bedeute. „Viele Pflegebedürftige leben immer öfter allein in viel zu großen Häusern“, sagte Gemmer. „Kinder sind heute oft so alt, dass sie die Eltern nicht mehr pflegen können“, meinte Satony. „Für den großen Wurf fehlt es am Geld.“
Während sich Frank Puchtler, der die Begegnung ermöglicht hatte, für den Erhalt kleiner Einheiten aussprach („Man  kann sich nicht immer nur an Einwohnerzahlen orientieren“), wies Propst Dr. Sigurd Rink auf die unterschiedlich ausgeprägte ländliche Struktur an Rhein und Lahn hin: „Wir versuchen hier im Vergleich zu anderen Landeskirchen schon ein sehr dichtes pfarrgemeindliches Netz aufrecht zu erhalten.“
Was die Herausforderungen in der Pflege anbelangt, bescheinigte Präses Schneider Gesundheitsminister Philipp Rösler nach einem Gespräch mit ihm ein „enormes Problembewusstsein“. Dabei habe ihn Schneider auch darauf hingewiesen, dass „der Mensch nicht nur Arm und Kopf“ ist. Auch Zeit zum Reden gehöre zu wirkungsvoller Pflege dazu. „Was wir brauchen ist außerdem eine klare Beschreibung der Qualität“, so der oberste EKD-Vertreter. „Wir zahlen Tarif, aber der Sozialmarkt macht, was er will; das geht nicht.“ Da bedürfe es des Schutzes vom Gesetzgeber.
Die geltende Dokumentationspflicht sei der „helle Wahnsinn“, sprach sich Schneider für mehr Pauschalen aus. Martin Barschke vom Diakonischen Werk in Hessen und Nassau, erklärte, dass neben einer Neudefinition des Bedürftigkeitsbegriffes, der den gesamten Mensch sieht, eine gleichwertige Ausbildung in der Alten- und Pflegehilfe am vordringlichsten sei, „damit es sich auch morgen noch lohnt, den Beruf zu ergreifen“. Bernd-Christoph Matern
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